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Finanzkrise – Marktbeobachter und Akteure sehen positive Auswirkungen: Profitiert das Open-Source-Business?

Zwar geht infolge der anhaltenden Turbulenzen an den Kapitalmärkten die dadurch verstärkte Wirtschaftskrise auch an den Lösungsanbietern von Open Source nicht spurlos vorbei. Dennoch überwiegen nicht nur nach Einschätzung von Insidern die positiven Elemente.

6 Min. Lesezeit
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„Die Rezession und der wirtschaftliche Abschwung sind eine Chance für Open-Source-Anbieter, ihre Lösungen stärker an den Mann zu bringen“, sagt Axel Oppermann von den Marktforschern der Experton Group. Woher kommt so viel Optimismus? Einer der simplen Gründe liegt in der schlanken Struktur statt einem aufgeblähten Apparat an Kosten und Personal. So arbeiten viele Unternehmen effektiv und kostengünstig. Ein Beispiel: SugarCRM, eine der bekannten Größen unter den Anbietern von Open-Source-basierten CRM-Lösungen, hat weltweit lediglich 165 Mitarbeiter beschäftigt.

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Davon sind im Unternehmen „nur“ 40 Mitarbeiter mit der Programmierung beschäftigt. Die eigentliche Stärke liegt jedoch in der erweiterten Schlagkraft: So sind in der Developer-Community mehr als 15.000 Entwickler angemeldet. Diese arbeiten „quasi unentgeltlich“ für SugarCRM an mehr als 550 Projekten: „Ein entscheidender Vorteil gegenüber Microsoft und Co., die allein schon Tausende Entwickler beschäftigen und finanzieren müssen“, gibt Axel Oppermann zu bedenken.

Aus Kosten-Nutzen-Sicht der Unternehmen gibt es weitere Argumente mit Blick auf regelmäßige Kostenblöcke. Denn Tests, Implementierung und der laufende Betrieb verschlingen bei proprietären Lösungen viele Ressourcen im Bereich Zeit, Geld und Personal. „Ein abermals zunehmender Druck auf die IT-Budgets wird viele Open-Source-Hasser zu Open-Source-Testern und schließlich zu Open-Source-Freunden machen“, prognostiziert Oppermann.

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Durchgehend optimistisch bewertet auch die Szene selbst die aktuelle Stimmungslage. Datenbankspezialist Ingres etwa sieht für die Nutzer proprietärer Software momentan das Risiko, dass sich aufgrund der Finanzkrise die Entwicklungszyklen verlangsamen oder sich gar manche neuen Features überhaupt nicht mehr realisieren lassen.

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„Schlimmstenfalls geht der Software-Anbieter eines Unternehmens in Konkurs“, sagt Bertram Mandel, Geschäftsführer Zentraleuropa, Mittlerer Osten und Afrika bei Ingres. Dann stehe das Unternehmen mit seinen unzähligen Lizenzen da und habe weder Support noch die Aussicht auf Weiterentwicklungen, Updates und Patches.

Im Gegensatz dazu sieht Mandel die Communitys von Open-Source-Projekten als eine Art Schutzschild vor Stillstand bei der Weiterentwicklung von Software. Mit Ingres CAFÉ (Consolidated Application Foundation for Eclipse) haben diese erst neulich wieder eine innovative Weiterentwicklung angestoßen. „Das Bundle vereint alle Komponenten, um in der Open-Source-Entwicklungsumgebung „Eclipse“ Rich-Java-Applikationen schnell und einfach zu entwickeln und einzusetzen“, so Mandel weiter.

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Hauptsache, die IT ist agil

Open Source biete somit nicht nur effektive Lösungswege für die bestehenden und kommenden Herausforderungen in der IT von Unternehmen. „Open Source gibt gleichzeitig Unternehmen mehr Spielraum und Flexibilität an die Hand, um auf Marktschwankungen besser eingehen zu können“, bilanziert Mandel.

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Brian Gentile, CEO von Jaspersoft, sieht gute Chancen, dass die angespannte Wirtschaftslage zu mehr Nachfrage bei BI-Lösungen führt.

Auch Jaspersoft, einer der Spieler auf dem hart umkämpften Markt für Business Intelligence, sieht sich auf der Überholspur positioniert. Zumindest bestätigt dies CEO Brian Gentile: „Wir sehen gute Chancen, dass die Nachfrage nach unseren Lösungen gerade wegen der angespannten Wirtschaftslage – und dieser zum Trotz – steigen wird.“

Durch exakte Analysemöglichkeiten und die geforderten Mindestrenditen auf Investitionen rechnet der Experte damit, dass Unternehmen jetzt andere Prioritäten bei ihrem Kapitaleinsatz und bei den Ausgaben setzen.

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Im Klartext: Gerade die strikten Vorgaben beim Rückfluss von Investitionen (ROI-Vorgaben) spielten der zunehmend ausgereiften kommerziellen Open-Source-Software als auch den Business-Intelligence-Tools in die Hände, da diese eine umfassende Evaluierung der operativen Betriebsleistung ermöglichten. Allein beim Systemmanagement ließen sich durch quelloffene IT-Lösungen rund 35 Prozent an Kosten sparen, kalkuliert IT-Dienstleister it-novum.

Dazu passt auch die Einschätzung des Marktforschers IDC: „Profitieren werden alle Angebote, die ein besseres Risk-Management, Corporate-Performance-Management und Planning erlauben, also alles rund um Business Intelligence und Analytics. Besonders Open-Source-Anbieter wie Actuate, Pentaho oder Jedox werden zu den Gewinnern zählen.“, prognostiziert Rüdiger Spies, Independent Vice President Enterprise Applications bei IDC. Dass das Open-Source-Business generell profitiert und es zu mehr Abschlüssen kommt, sieht er allerdings nicht: „Ich halte das eher für ein Wunschdenken der Open-Source-Anbieter.“

Nachhaltiger Trend: E-Tail statt Retail

Man kann das Innovationsspektrum aber auch noch weiter fassen und etwas flapsig ausgedrückt auch so beschreiben: Nicht nur am Backend, sondern auch am Frontend des Kommunikationsflusses im Unternehmen – mit zahlreichen Web-2.0-Funktionalitäten verstärkt – dürfte sich einiges ändern. Nach Auffassung von Rafael Laguna, CEO des Groupware-Anbieters Open-Xchange, basieren bereits heute die universellen Bausteine des Internets auf Open-Source-Software. Beispiele dafür sind Linux, Apache, PHP, MySQL, BIND, Postfix, Sendmail und andere Technologien beziehungsweise Plattformen.

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„Das Internet hat mit Webhostern und ISPs eine komplett neue Industrie entstehen lassen, deren Erfolg weitestgehend auf Open-Source-Software basiert“, so der Experte. Immerhin beherbergen deren Rechenzentren weltweit 1,5 Milliarden E-Mail-Konten und den Großteil der 150 Millionen Websites. „Nahezu alle Server arbeiten mit dem LAMP-Stack aus Linux, Apache, MySQL und PHP“, betont Laguna.

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Raphael Laguna, CEO von Open-Xchange, rechnet in den nächsten Jahren mit zahlreichen neuen SaaS-Applikationen auf Open-Source-Basis.

Der Geschäftsführer von Open-Xchange rechnet in den nächsten Jahren mit zahlreichen neuen Webapplikationen in Java, Perl, Ruby oder Python, die auf dem LAMP-Stack aufbauen und die sich nahtlos in die Open-Source-DNA der Internetdienstleister integrieren. „Ein erstes Beispiel hierfür ist Open-Xchange, das dank Software-as-a-Service (SaaS) die Zahl seiner Nutzer in diesem Jahr auf acht Millionen vervierfachen konnte.“

Indirekt bestätigen auch die Marktforscher von Forrester Research diesen Trend. Von der aktuellen Krise profitiere vor allem der „E-Tail“, also der Online-Vertrieb von Produkten, während sich besonders in den USA die Retail-Industrie noch wenig gewappnet zeige. Insbesondere Social-Shopping-Initiativen im Zuge von Web-2.0-Technologien dürften einen weiteren Aufschwung erleben.

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Ähnlich sieht dies auch Gartner. Die Analysten prognostizieren, dass in vier Jahren rund 90 Prozent aller Unternehmen direkt oder indirekt Open-Source-Lösungen in ihre betrieblichen Prozesse eingebettet haben. Einige Experten sehen gar das Ende klassischer Software-Systeme in Unternehmen herannahen. Ob sich die zahlreichen Web-2.0-getriebenen SaaS-Anwendungen aber auf die Dauer erfolgreich etablieren, steht natürlich auf einem anderen Blatt.

Die „natürliche“ Marktauslese steht erst noch bevor. Schließlich sind die nachgelagerten Kosten für Werbung, Vertrieb und Marketing bei den neuen Playern oftmals viel entscheidender als die rein internetbasierte Entwicklung, auch wenn diese den hohen Berg an Lizenzkosten vermeiden hilft.

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Olivier Dobberkau, Geschäftsführer der TYPO3-Agentur d.k.d, sieht in der Finanzkrise keine Gefahr für sein Geschäftsmodell.

Olivier Dobberkau, Geschäftsführer der Frankfurter TYPO3-Agentur d.k.d., sieht in der Krise indes keine Gefahr: „Im Gegensatz zur Dotcom-Blase befürchte ich keine großen Auswirkungen auf unser Geschäftsmodell. TYPO3 hat sich als Enterprise Content Management System bewährt und die Nachfrage nach Qualität ist eher gestiegen. Statt Kosten zurückzufahren, stellen wir neue Mitarbeiter ein.“

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Einerseits wird Open Source immer mehr zum Mainstream, andererseits etablieren sich neue Nischen. Marktanalyst Axel Oppermann von der Experton Group gibt trotz gewisser Unwägbarkeiten eine ganz klare Prognose ab: „Ich gehe davon aus, dass Anbieter und Dienstleister im Bereich Open-Source-Software kurz- und mittelfristig durch die wirtschaftliche Abschwächung profitieren werden.“ Denn die Unternehmen gingen infolge der veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gestärkt in den nächsten Aufschwung hinein, den der Experte in etwa drei bis fünf Jahren erwartet.

Deshalb ziehe die Krise eine Schubkraft nach vorne für die Anbieter von Open-Source-Lösungen nach sich, so Opermann. Noch weiter vor wagt sich Bertrand Diard, CEO von Talend Open Data Solutions, einem Spezialisten für die Datenintegration. „Einer meiner Freunde aus dem Venture-Capital-Bereich erzählte mir kürzlich, dass seiner Meinung nach nur noch alternative Modelle für den Einsatz von Software, wie Open-Source-Software und Software-as-a-Service, die vom Markt geforderte Rendite erbringen können.“

Der Integrationsspezialist begründet diese optimistische Erwartung mit den niedrigen finanziellen Spielräumen und einer geringeren Zahl von Angestellten. Diese stelle Anwenderunternehmen vor die Herausforderung, innovativere Lösungswege zu orten, um ihre spezifischen IT-Bedürfnisse zu erfüllen. Diese Suche führe zu Veränderungen dahingehend, wie Menschen und Organisationen mit den zur Verfügung stehenden Werkzeugen umgingen. „Unternehmen greifen zunehmend zu Open-Source-Software und SaaS. Die Geschäftsmodelle wandeln sich, um genau dies zu ermöglichen“, fasst Diard zusammen.

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