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Kleine Inseln verbinden – Ein Kommentar von Lothar Lochmaier: Finanzkrise – Profitiert das Open-Source-Business?

Wie ein immer wiederkehrender Tsunami fegt die Finanzkrise durch die globalisierte Welt. Sie degradiert die reale Wirtschaft zum Statisten, zum Boomerang von spielerisch eingesetzten Börsenhebeln. Wie viel ist ein Unternehmen heute noch wert, diese Bewertung kann sich im derzeitigen Vabanque – ein Spiel, sinngemäß übersetzt mit „es gilt die Bank“ – schon binnen von Minuten oder Sekunden wieder drehen.

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Vom Plus ins Minus und umgekehrt, wer mag die Schubrichtung noch bestimmen. Zuallererst aber ist die derzeitige Krise eine der Eliten. Die Patentrezepte aus dem 20. Jahrhundert taugen nicht mehr für die Zukunft. Was ein krisenfestes Geschäftsmodell noch ausmacht, darüber lässt sich kaum mehr verlässlich spekulieren. Dabei bietet der Machtverfall von politischen und wirtschaftlichen Eliten auch große Chancen für neue und flexibel aufgestellte globale Spieler.

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Das neue Spiel wäre jedoch ein anderes: Statt dem großen Zockerhebel sind flexible ineinander greifende Wertschöpfungsketten gefragt, die das lange Ende an der Dienstleistungskette nicht zum bloßen Befehlsempfänger und willigen Zulieferer degradieren. Denn im „long tail“ des 21. Jahrhunderts – mit dem Begriff Rattenschwanz oftmals leider sehr negativ übersetzt – haben nicht nur die Großen ein gewichtiges Wort mitzureden.

Die Schwarmintelligenz der großen Masse an Verbrauchern und Konsumenten gilt es allerdings produktiv einzusetzen und zu lenken. Gerade für Open Source bietet das unwägbare Geschäftsleben zahlreiche neue Opportunitäten. Es dreht sich in der aktuellen Wirtschaftskrise aber nicht alles nur um das Argument von niedrigeren Kosten, zu der auch geringe Lizenzblöcke bei quelloffenen Produkten sicherlich ihren Beitrag leisten.

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Die Open-Source-Gemeinde sollte aber nicht nur mit den großen Wölfen heulen – und permanent auf das Argument „umsonst und kostenlos“ zurückgreifen. Auch das wäre ein Bestandteil der Professionalisierung. Was im Geschäftsleben nichts kostet, ist auch nichts wert, lautet immerhin das allgemeine Credo in der Wirtschaft. Gratis und kostenfrei sind meist nur die wirklich wichtigen Dinge im Leben wie Vertrauen und Respekt. Im Geschäftsleben hingegen hat letztlich alles seinen Preis, vor allem gute Qualität.

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Auch sollte die Szene „die Würde der Arbeit“ (dignity of work), wie Barack Obama es elegant ausgedrückt hat, angemessen würdigen. Sprich menschliche Leistungen und den Einsatz von produktiver Schwarmintelligenz gilt es auch entsprechend zu honorieren. Gerade kleinere Dienstleister können davon ein Lied singen.

Gänzlich werden sich deshalb auch die bereits etablierten Open-Source-Spieler nicht der negativen Spirale entziehen können. Werden die IT-Budgets nach unten gefahren, so ist davon letztlich die gesamte IT-Branche betroffen. Ganz am Ende der wirtschaftlichen Verwertungskette – sollte die Krise über längere Zeit anhalten – sind auch kleine Auftragnehmer und Agenturen auf ein funktionierendes wirtschaftliches Schwungrad angewiesen.

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Von einer länger anhaltenden negativen Abwärtsspirale wäre also auch der „long tail“ irgendwie betroffen. Sprich, der Konsument und der im Mikrokosmos agierende kleine Produzent gerieten ebenfalls in den Strudel einer tief greifenden Systemkrise.

Für Panik besteht dennoch kein Anlass. Die Plätze der Arrivierten sind
viel mehr in Gefahr. Neue Eliten können nach oben gelangen.

Der Turbokapitalismus ist in die Jahre gekommen und wird zumindest für eine geraume Zeit seine hohe Trittfrequenz verlangsamen müssen. Und immer dann, wenn die etablierten Eliten stolpern, scheint die Zeit für vermeintliche Außenseiter nach dem Vorbild von Barack Obama reif. Der neue Präsident der USA wusste wie kein zweiter Politiker die Möglichkeiten des interaktiven Web 2.0 auf intelligente Weise für sich zu nutzen.

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Vielleicht ist die Zeit jetzt reif, in der gute Ideen und der Wille zu tief greifenden Veränderungen wieder bessere Chancen haben als das reine Kapital zur gefräßigen kurzlebigen Verwertungsorgie. Sich darauf aber gutgläubig zu verlassen, wäre etwas „naiv“. Warum aber eigentlich nicht? Nicht jeder, der Visionen hat, sollte unbedingt gleich einen Arzt aufsuchen.

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