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t3n 23

Von Freud und Leid der Selbstständigkeit

Freiheit, Selbstvermarktung und Akquise: Die Welt eines Freelancers hat wenig mit dem Leben eines Angestellten gemein. Der Sprung in die Selbstständigkeit ist nicht für jeden ratsam, denn er erfordert Risikobereitschaft, Energie und ständigen Einsatz. Doch wer einmal infiziert ist, zieht meist dasselbe Resumée: „Nie wieder angestellt!“. Drei Freelancer berichten von Freud und Leid der Selbstständigkeit.

Wenn man sich im Bekannten- und Kollegenkreis umsieht, scheinen Sascha Lobo und Holm Friebe mit „Wir nennen es Arbeit“, einem 2006 veröffentlichten Plädoyer für selbstbestimmtes Arbeiten, recht zu haben: Regelmäßig wagen fest angestellte Entwickler, Designer oder Konzepter den Schritt in die Selbstständigkeit und werden „ihr eigener Herr“ – oder sind seit Jahren erfolgreich bei wechselnden Projekten und Startups unter Vertrag.

Zwischen 1991 und 2009 stieg die Zahl der Selbstständigen in Deutschland um 38,8 Prozent auf 4,2 Millionen. Die Selbstständigenquote, also der Anteil der Selbstständigen an den Erwerbstätigen, stieg von 10,3 Prozent auf 13,8 Prozent (Quelle: Statistisches Bundesamt). Insbesondere die Solo-Selbstständigen, also die Selbstständigen ohne eigene Angestellte, haben einen enormen Zuwachs erfahren: Allein zwischen 1998 und 2008 stieg ihre Zahl um circa 20 Prozent, in den so genannten kreativen Berufen sogar um circa 50 Prozent (Quelle: Statistisches Bundesamt). Das sind beeindruckende Zahlen.

Allerdings fallen in diese Zeit die Arbeitsmarktreformen und die Einführung der sogenannten Ich-AG, also Maßnahmen, die Menschen mehr aus der (drohenden) Arbeitslosigkeit in die Selbstständigkeit führen sollten als aus einer Festanstellung. So mancher Neu-Selbstständige wird diesen Schritt also nicht aus Überzeugung und Begeisterung, sondern aus Alternativlosigkeit gemacht haben.

Freiheit und Selbstbestimmtheit

In der so genannten Kreativwirtschaft und in der IT lassen sich beide Muster beobachten. Da gibt es den freiberuflichen Entwickler, der sich erfolgreich von Projekt zu Projekt schwingt, aber auch den freiberuflichen Designer, der von der Agentur seiner Wahl ausgebeutet wird wie eh und je – nur eben ohne Anstellungsvertrag. Die Freiheit des Freiberuflers ist in hohem Maße abhängig davon, wie gefragt und einzigartig seine Kompetenz am Markt ist.

Unter den Selbstständigen, die diesen Weg wohlüberlegt und aus Überzeugung eingeschlagen haben, ist – da hatten Lobo und Friebe schon recht – vor allem eine Motivation immer wieder entscheidend: Freiheit und Selbstbestimmtheit. So schildert Burkart Orlowski, der sich mit dem Thema IT-Support selbstständig gemacht hat: „Ich wollte weg von den Rahmenbedingungen einer Festanstellung, flexibler sein, Arbeitsbedingungen selber gestalten können.“ Thorsten Böttger, Rails-Entwickler und „immer schon Freiberufler“, sieht das ähnlich: „Die Vorteile sind ganz klar freie Zeiteinteilung und Urlaubsplanung. Es gibt keine Vorgaben, auf welche Konferenz ich fahre, wann ich das tue und wie oft – und ich entscheide stets selbst, was ich als nächstes mache.“ Diese Freiheit endet nicht bei der Arbeitsorganisation, wie Jörn Hendrik Ast berichtet, der mit „Personalmarketing 2.0“ sein Geld verdient: „Ich habe einen starken Freiheitsdrang, möchte gern konzeptionell arbeiten, mich einmischen und meiner Tätigkeit aktiv eine Richtung geben. Wichtig ist mir auch, dass meine Arbeit einen ideellen Wert hat. In meiner Festanstellung war ich in einer relativ sicheren Position und verdiente gut, aber es ging dort weniger um Ideen als um Umsatz und vor allem Erfolg. Das habe ich irgendwann nicht mehr ausgehalten, ich fühlte mich wie in einem goldenen Käfig.“

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