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HTML5: Hype vs. Sinn

Die HTML5-Showcases prasseln auf uns hernieder. Da schauen wir und staunen, was heutzutage in einigen Browsern möglich ist. Ohne Flash. Dabei sind viele der Cases nur Spielerei. Hilfreicher wäre es, die neuen Techniken an wirklich nützlichen Beispielen zu demonstrieren.

Im Juni ging Apple mit seinem HTML5 Showcase [1] online. Während die Demos zwar „nett” anzusehen sind, hat diese Website bei mir vor allem für eines gesorgt: ein neuer Strich auf meiner „Für wie blöd hält Apple mich eigentlich?”-Liste. Was soll die Beschränkung der Demos auf den Safari-Browser? Apple nutzt Browser-Sniffing, um andere Browser auszusperren. Die Website erweckt den Eindruck, als könnten andere Browser diese Demos nicht anzeigen. Ein ganz billiger Marketing-Trick, um den eigenen Browser zu pushen. Hat der Safari das wirklich nötig?

Google zeigt, wie man es besser macht: Auf Chrome Experiments [2] warten rund 100 kleine Demos rund um HTML5, CSS3, Canvas oder SVG auf interessierte Webmenschen. Und zwar unabhängig vom Browser. Zwar trägt die Seite ein „Chrome“ im Namen, wer einen anderen Browser nutzt kann die Demo aber trotzdem sehen – soweit der Browser die nötigen Techniken unterstützt.

Der Ball-Pool ist hübsch anzusehen. Aber wozu würde man ihn verwenden?
Der Ball-Pool ist hübsch anzusehen. Aber wozu würde man ihn verwenden?
Wer sich als Webdesigner die Demos anschaut, kommt nach all dem „Uh” und „Oh” nicht darum herum zu fragen: „Wozu?”. Einige der Experimente erinnern an die übliche Spielchen, die jeder ausprobiert, wenn er ein neues Werkzeug in die Hände bekommt. Oh, Word, toll, so viele Schriften. Uh, Photoshop, klasse, so viele Filter. Und nun eben HTML5 und CSS3. Es ist vielleicht gute Werbung, wenn wir ein paar Pioniere haben, die uns zeigen, was überhaupt möglich ist. Aber mögliche Anwendungen sind noch lange keine nützlichen Anwendungen. Ich mag ja Spielereien mit springenden Bällen [3] oder explodierende Videos [4], aber ich bin mir sicher, dass ich das im realen Leben recht selten benötigen werde. Bestimmte Demos bringen schlimmstenfalls noch Kunden auf dumme Ideen: Mit Browser-Pong [5] etwa lassen sich kleine Browser-Fenster als Schläger steuern, die einen Browser-Ball hin- und herschlagen. Wer will denn so etwas? Wäre es nicht pfiffiger, sich einige sinnvolle Anwendungen auszudenken, um neue HTML5- oder CSS3-Techniken zu demonstrieren?

Denn klar ist: HTML5 ist toll. Vor allem aber: HTML5 ist nötig. Das Web entwickelt sich ständig weiter und wir brauchen neue Entwicklungen in Sachen HTML, CSS, SVG, Video, Audio, XML & Co. Bei einigen Demos darf man allerdings fragen: Wozu brauchen wir das? Wünschenswert wäre ein bisschen weniger Hype für ominöse Showcases und stattdessen ein wenig mehr Konzentration auf jene Websites, die den sinnvollen Einsatz von HTML5 promoten - und gute Beispiele geben, was wir davon heute schon benutzen können. Etwa Demos für die HTML5 Drag And Drop API [6], nützlich etwa, um Artikel in einen Warenkorb zu ziehen. Oder all die Beispiele, die Canvas nutzen, um 3D-Modelle darzustellen [7]. Sinnvoll wären auch mehr Promos für HTML5 Forms [8], die wirklich nützliche Attribute zur Verfügung stellen, um es Nutzern einfacher zu machen, Formulare auszufüllen. Diese Techniken sind für Tausende von Websites jetzt schon sinnvoll – ganz im Gegensatz zu Pong-fähigen Browserfenstern.

Ginge es nach mir, hätte sich Apple seinen ganzen HTML5 Showcase sparen und die Zeit nutzen können, Safari beizubringen, HTML5 Forms besser zu unterstützen. Hier hat Opera immer noch die Nase vorn, andere Browser hätten längst gleichziehen können.

Eine Sammlung mit einigen anspruchsvolleren HTML5-Demos für die Präsentation von Daten (RGraph), Web Applikationen (CanvasMol) oder Spielen (Chain Reaction) bietet hongkiat.com [9].

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4 Reaktionen
Mateng

Der Artikel ist zwar schon ein paar Wochen alt. Aber was die Apples auf ihrer HTML5 Seite machen, hat mich zutiefst empört - und sie besitzen auch noch die Frechheit, das Ganze "Web Standards" zu nennen.

clever+zöger gmbh

Vortrefflicher Bericht und er trifft es wirklich gut! Jedoch ist der wichtigste Punkt nicht beachtet, leider läuft HTML nicht auf allen Browsern zu 100%, und wie erklärt man soetwas seinen Kunden?

Christoph Martens

Hallo!

Zuerst einmal: Endlich mal ein richtiger Artikel über HTML5. Mich nervt es langsam, was alle als HTML5 bezeichnen. jQuery hat sicher nichts damit zu tun.

Ich wollte meine Sicht der Dinge etwas erläutern. In meinen Augen bringt HTML5 sehr viel, was unterschiedliche Use-Cases betrifft. Beispielsweise sind die article, section, header elemente etc. wohl nur eingeführt worden, um wieder eine gescheite Semantik ins Web zu bringen. Klar, dass man damit nicht alle beliefern kann (weil viele einfach zu viel in Dreamweaver und Frontpage klicken) ...aber es ist ein guter Ansatz.

Man hat hald festgestellt, dass es in verschiedenen Bereichen einen Bedarf an Mitteln gibt. Diese Mittel werden zur Zeit ausgebaut. Jeder hat die Möglichkeit, seine Verbesserungsvorschläge beim w3c oder der whatwg in dutzenden Mailinglisten preiszugeben.

Wenn jemand etwas stört, hat er die Möglichkeit es zu ändern. Wenn er es hinnimmt, hat er keinem geholfen. Entscheidend dafür sind aber Unit Tests. Ich meine, es bringt einem Browserhersteller nichts, wenn er eine Woche für einen "kleinen" CSS Bug braucht, um ihn zu fixen - weil der Typ den ganzen Tag mit debuggen verbringt. Man braucht reproduzierbare Beispiele, um diese Features zu implementieren. Eine Seite, ein Button, Klick drauf machts kaputt. So simpel wie möglich eben.

Es gibt bei HTML5 noch vieeeeel Entwicklungspotenzial, damit man *räusper* Flash ablösen könnte. Beispielsweise ist die HTML5 Audio API total fürn Arsch und nicht wirklich für das professionelle Umfeld zu gebrauchen. Man kann nicht ohne weiteres eine Audio Spritemap nutzen, es funktionieren nicht mehrere Channels auf den iOS Geräten, das Timing wird verzögert abgefeuert (so dass es ohne Zwischenpausen "knackst") und und und...

Aber hey, dafür ist es ein Working Draft.
Finde den Bug und mache Vorschläge, wie dein Workaround und dein Problem dafür aussieht.

HTML5 bezeichnet nicht die altmodischen Sachen... wie Version 1 kann das, Version 2 kann das... etc. Das funktioniert einfach nicht (siehe dazu IE-Entwicklung). Eher beschreibt HTML5 eine andere Herangehensweise. Nutze Feature Detection anstelle von Browser Detection. Das kommt nur auf den meisten Seiten (dank SEO- und Marketing-Idioten) nicht wirklich zum Vorschein.

Es machen sich in meinen Augen zur Zeit sehr viele Vorschläge für die Spieleentwicklung breit...was aber auch gut ist. Denn jetzt MUSS das ganze Zwangsweise Performance-optimiert werden. Der Code in der Firefox-binary muss mal aufgeräumt werden...da fliegen noch Sachen von Firefox 1.5 rum, die total veraltet sind =D

Ich selbst bevorzuge Chromium nightly. In meinen Augen das aktivste Projekt, bei dem man selbst mitentwickeln kann. Entwickelt sich rasend schnell und zieht dabei einfach alle anderen Browser ab. Naja, im Moment war die Priorität für Web Forms 2.0 hinten angestellt.

Aber seien wir mal ehrlich: Wenn Opera so verdammt verbuggt mit ihrer f*** JavaScript Engine ist, brauchen sie sich nicht über den mangelnden Support an Entwicklern wundern. Da gehört einiges den EcmaScript5 Standards angepasst.

PS: Ich wollte eigentlich deine persönlich gebildete Meinung loben, jetzt ist doch ein halber Artikel daraus geworden...

Grüßel,
Christoph

Tom Schimana

Der Artikel bringt es auf den Punkt. Aber es ist halt immer der gleiche Weg. Kommt eine Technik, meinen alle, jede Funktion muss gleichzeitig genutzt werden. Mit der Zeit wird es dann besser. Wäre schön, wenn wir bei Webseiten mit HTML5 von dieser üblen Übergangs- bzw. Spieltriebszeit verschont werden.

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