Entwicklung & Design

HTML5 – Den kommenden Webstandard schon heute nutzen: Evolution statt Revolution

HTML5 wird XHTML 1 als aktuellen Standard für WWW-Dokumente und Webapplikationen ablösen. Nur über Details herrscht noch Unstimmigkeit und niemand kann mit Sicherheit sagen, wann das World Wide Web Consortium (W3C) HTML5 zur offiziellen Empfehlung macht. Fakt ist jedoch: An HTML5 wird bald kein Weg mehr vorbeiführen.

HTML5 ermöglicht die Einbindung von Video ohne Flash-Plugin.

HTML5 ermöglicht die Einbindung von Video ohne Flash-Plugin.

Das Jahr 2010 rückt langsam in Sichtweite und geht es nach dem
offiziellen Zeitplan der HTML Working Group des W3C, so wird in genau
diesem Jahr HTML5 Recommendation-Status erhalten und damit „XHTML 1“ als den aktuellen HTML-Webstandard ablösen [1].
Zum Vergleich: Die eigentlichen Schöpfer der neuen Spezifikation, vereint in der
„Web Hypertext Application Technology Working Group“ (WHATWG), gehen von
einem Termin irgendwann um 2022 herum aus [2].
Beide Arbeitsgruppen werkeln weitgehend unbehelligt voneinander an der Spezifikation, die möglichst bald von vielen Browsern vollständig implementiert werden
soll. Trotz dieser leicht chaotisch anmutenden Umstände steht fest:
HTML5 kommt und wird nach dem im Jahr 2000 zum Standard erhobenen XHTML 1 der nächste neue HTML-Standard sein.

Evolution statt Revolution

XHTML 1, wie es sich heute weiter Verbreitung erfreut, ist
eigentlich gar kein XHTML. Es sieht zwar aus wie XHTML, wird aber meist als HTML gesendet und von Browsern als HTML
interpretiert. Angesichts der Tatsache, dass XML-Dokumente schon bei
kleinsten Syntaxfehlern nicht mehr geparst werden können und angesichts des
Umstands, dass der Internet Explorer mit XML überhaupt nichts
anzufangen weiß, ist das auch nicht unbedingt schlecht.

Dessen ungeachtet trieb das W3C nach der im Jahr
2000 erfolgten Veröffentlichung von XHTML 1 die „XMLisierung“ des
Webs so energisch voran, dass einige Genervte aus dem Umfeld von Apple,
der Mozilla Foundation und Opera im Jahr 2004 kurzerhand ihre eigene
HTML-Arbeitsgruppe aufmachten und Entwürfe für eine Spezifikation
namens „Web Applications 1.0“ veröffentlichten – der Grundstein für HTML5
war gelegt. Das W3C hingegen verschrieb sich XHTML 2.

Der Hauptunterschied zwischen der Philosophie von HTML5 und der von XHTML 2 lässt sich in drei Wörtern zusammenfassen: Evolution gegen
Revolution. XHTML 2 sollte mit den Vorgängern HTML 4 und XHTML 1 kaum
noch etwas gemein haben und eine reine
XML-Angelegenheit sein. Währenddessen setzte sich die WHATWG mit HTML5
Abwärtskompatibilität zum Ziel und versuchte vor allem, HTML sinnvoll
zu erweitern und zu verbessern. Leitlinie dabei sollte vor allem sein, wie
HTML aktuell im WWW verwendet wird und wie man den Anliegen der
HTML-Autoren entgegenkommen kann.

Damit eine Spezifikation zum Webstandard werden kann, muss sie nicht
nur geschrieben, sondern auch implementiert werden. Da die
WHATWG im Wesentlichen aus den großen Browserherstellern plus Google
besteht, hatte HTML5 im Kampf um die Zukunft die etwas günstigere
Ausgangslage für sich. Und so kam es, wie es kommen musste – das W3C
gründete erst eine neue HTML-Arbeitsgruppe und schloss letztlich seine
XHTML-Arbeitsgruppe komplett. Damit ist XHTML 2 bis auf Weiteres als
Working Draft eingefroren. Die Zukunft gehört HTML5. Nur wozu brauchen wir
diese Zukunft?

Das WWW ist kein Dokument

Als Sir Timothy Berners-Lee einst HTML erfand, dachte er primär an den
Austausch von Dokumenten. Von 1989 (erster Entwurf) bis 1999 (HTML
4.01) wurde HTML mit immer neuen Features für Dokumente ausgerüstet. Es gab Tabellen, Bilder, Formatvorlagen
(Stylesheets). Nur für die Bedürfnisse von heutigen Webapplikationen gibt es
nichts – keine Möglichkeit, Videos einzubinden, keine Möglichkeit,
Ladebalken anzuzeigen, keine Möglichkeit, mehr als simple
GIF-Animationen abzuspielen. Andererseits gibt es einiges, was außer
für echte HTML-Kenner verwirrend ist (die Koexistenz von
<abbr> und <acronym> oder das <address>-Element) oder
mit den heutigen Anforderungen an Barrierefreiheit nicht mehr konform
geht (Frames). HTML5 repariert diese Mankos, indem neue Elemente
eingeführt werden, alte in Anpassung an ihren heute im Web beobachteten
Einsatz umdeklariert und einige wenige entfernt werden.

Eine Tatsache ist, dass im Web gerne unterschiedliche
HTML-Geschmacksrichtungen gemischt werden und dass es vor allem keine
Revolutionen gibt – demonstriert durch die loyale Nutzerschaft des acht
Jahre alten Internet Explorer 6. Die Konsequenz hieraus ist die
Abwärtskompatibilität von HTML5. In den meisten Fällen kann man den
neuen Doctype einfach über eine valide XHTML-1- oder HTML-4-Website
setzen und man erhält gültiges HTML5. Die Syntax ist so flexibel, dass
man sich aussuchen kann, ob man in reinem HTML-Stil schreibt (optionale
Tags können weggelassen werden, Groß- und Kleinschreibung ist egal),
weiter die XHTML-Syntax benutzt oder beides mischt. Auch ist XHTML noch
nicht wirklich tot – XHTML5 als XML-Serialisierung von HTML5 steht
allen zur Verfügung, die es mit XHTML ernst meinen. Anders als bei XHTML 1 sind HTML5-Dokumente per Definition echtes XHTML und mit allen
entsprechenden Vor- und Nachteilen gesegnet.

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Dein t3n-Team

3 Kommentare
andi
andi

Guten Morgen,

„Der Text steht jetzt kostenlos im Heftarchiv zur Verfügung.“

„Hinweis: Dieser Artikel wurde noch nicht im Heftarchiv freigegeben.“

Ja was nun? :-)

Antworten
Florian Endres
Florian Endres

Danke für den Hinweis, ist mittlerweile korrigiert.

Antworten
andi
andi

super. Vielen Dank für’s Bereitstellen

Antworten

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