Du hast deinen AdBlocker an?

Es wäre ein Traum, wenn du ihn für t3n.de deaktivierst. Wir zeigen dir gerne, wie das geht. Und natürlich erklären wir dir auch, warum uns das so wichtig ist. Digitales High-five, deine t3n-Redaktion

t3n 17

Interview mit Xing-Gründer Lars Hinrichs zu Erfahrungen und neuen Ideen: „Unternehmertum ist meine Leidenschaft“

Als Gründer des Business-Netzwerks Xing ist der Hamburger Lars Hinrichs zu einem der wenigen auch weltweit beachteten Deutschen im Internetgeschäft geworden. Jetzt arbeitet er an einem neuen Projekt. Im Interview mit t3n erklärt er, wie er die deutsche Webszene sieht, welche Stärken und Schwächen Europa im Wettbewerb mit Startups aus den USA hat, wie seine Arbeit an der neuen Idee aussieht und warum er überhaupt wieder gründen will.

t3n Magazin: Die deutsche Internetszene wird besonders im Vergleich zu den USA kritisiert. Wie schätzen Sie ihren Zustand ein?

Lars Hinrichs: Man kann sie in „Startups“ und „Copycats“ teilen. Copycats sind natürlich ebenso Unternehmen, die ihre Berechtigung haben, aber bei denen die intellektuelle Hürde nicht so hoch ist: Man sieht, dass es funktioniert und dann wird es kopiert. Auf der anderen Seite gibt es aber viele gute Innovationen, die aus Deutschland kommen. Das gilt erst recht für Europa, Skype ist hier ein ausgezeichnetes Beispiel für erfolgreiche Technologie.

Lars Hinrichs: „Bei Programmierung und Technik setzen wir in Deutschland und Europa Maßstäbe.“
Lars Hinrichs: „Bei Programmierung und Technik setzen wir in Deutschland und Europa Maßstäbe.“

t3n Magazin: Aber würden Sie sagen, dass Deutschland weit abgeschlagen hinter den USA rangiert?

Lars Hinrichs: Wir können feststellen, dass wir nicht eine einzige Seite unter den Top 100 meistbesuchten Seiten weltweit haben. Das ist schade, aber dem ist nun einmal so. Die Fakten sprechen hier eine ganz klare Sprache. Alles, was extrem erfolgreich ist und extrem groß geworden ist, kommt nicht aus Deutschland.

t3n Magazin: Warum ist das so?

Lars Hinrichs: Wir Deutschen und speziell wir Europäer beziehen uns gern darauf, wie groß Europa ist: eine halbe Milliarde Menschen, mehr als in den USA. Aber gerade, wenn es ums Internet geht, spielen natürlich Sprachen eine besondere Rolle. Der deutsche Sprachraum hat nun einmal nur 120 Millionen Menschen. Europa hat so gesehen zwar viele Menschen, aber in 27 sehr unterschiedlichen Ländern. Selbst ein Produkt aus der Schweiz muss nicht unbedingt in Deutschland funktionieren. Amerika, China und andere Länder haben den großen Vorteil, dass sie in ihrem Heimmarkt eine gigantische Masse haben, die sie bewegen können. Europa hat da ein strukturelles Defizit, das wir eigentlich nur durch Innovation ausgleichen können. Mit Blick auf Ihre erste Frage: Umso bedauerlicher, dass vielen Leuten nichts Besseres einfällt, als irgendetwas zu nehmen, was sie in Amerika sehen und es zu kopieren.

t3n Magazin: Müsste man nicht gleich auf Englisch setzen, wenn man als Deutscher gründet, um mehr Menschen zu erreichen?

Lars Hinrichs: Ich glaube, dass kommende Websites ganz anders mit Sprache umgehen. Wir sehen bereits viele Startups, die sofort zweisprachig sind, zum Beispiel Deutsch und Englisch. Wenn man zweisprachig ist, muss man sich allerdings auch überlegen: Kann ich so ein lokales Angebot für die englische Sprache aus Deutschland heraus überhaupt anbieten? Es ist nicht nur die Übersetzung. Es ist die Lokalisierung für den jeweiligen Markt. Es geht also nicht nur um die Sprache, es geht auch ums Auftreten, die Art der Features.

t3n Magazin: Inwiefern sehen Sie dennoch eine Chance für deutsche Startups im internationalen Bereich?

Lars Hinrichs: Man sollte sich fragen: Worin sind wir Deutschen extrem gut? Wir sind sehr gut im Bereich Technik, im Bereich Programmierung. Wir setzen da sehr viele Maßstäbe. Man findet in Deutschland mittlerweile genauso gute Entwickler wie in Amerika. Wir sind nicht so gut darin, uns eigene kreative Ideen zu überlegen und die dann auch wirklich umzusetzen. Viele haben Ideen, aber nicht alle wagen den Schritt ins Unternehmertum. Das zweite, in dem wir gelinde gesagt sehr schlecht sind, ist die Selbstvermarktung. Um einen Dienst groß zu machen, braucht man ein gutes Marketing.

t3n Magazin: Sie haben es ja nun mit Xing geschafft, einen unzweifelhaften Erfolg zu landen. Was hat den Erfolg befördert?

Lars Hinrichs: Es ist eine Kombination aus vielen Dingen. Neben dem richtigen Zeitpunkt war das Glück involviert, dass wir mehr richtige als falsche Entscheidungen getroffen haben, dass wir ein sehr gutes Team hatten, dass wir auf die richtige Technologie gesetzt haben, dass wir sofort ein Preismodell hatten, das funktioniert hat. Wir haben etwas angeboten, was Sinn und Nutzen für die Mitglieder schafft. Und von Anfang an gehört die kontinuierliche Innovation dazu, immer wieder etwas Neues zu erfinden. Und wir freuen uns natürlich, wenn ein amerikanischer Wettbewerber viele von unseren Ideen mittlerweile ebenfalls umgesetzt hat.

Finde einen Job, den du liebst

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

4 Reaktionen
Vedran

"Lars Hinrichs: Man sollte sich fragen: Worin sind wir
Deutschen extrem gut? Wir sind sehr gut im Bereich Technik, im Bereich Programmierung. Wir setzen da sehr viele Maßstäbe. Man findet in Deutschland mittlerweile genauso gute Entwickler wie in A...merika. Wir sind nicht so gut darin, uns eigene kreative Ideen zu überlegen und die dann auch wirklich umzusetzen."

Hmmm mich interessiert eher, warum jeder von meiner/n Idee/n so begeistert ist, sich aber niemand finanziell an der Umsetzung beteiligen möchte?

Fränk

Meines Erachtens liegt das Hauptproblem wirklich (wie schon angesprochen) in der Sprache. Deutsch sprechen einfach zu wenige Weltbürger. Insofern fallen eine ganze Reihe guter Ideen/Seiten/Dienste für eine Plazierung in den Top100 weg.

Heiko Richter

Ich denke nicht, dass es an den Ideen liegt. Die gibt es hier in Deutschland auch. Das Problem liegt in der Masse. In der USA hat man automatisch ein vielfaches an Zielgruppe, als in Deutschland. Das zweite Problem ist, das man in Deutschland kein Venture Capital auf Ideen bekommt. Bei Google z.B. war das Kapital da, ehe das Geschäftskonto eröffnet wurde und bei Youtube steckte man 500 Mio Dollar rein. Wenn man in Deutschland das Geld zur Verfügung hätte, dann gäbe es auch solche Projekte die es in die Top 100 schaffen. Doch man scheitert an der Bürokratie und am Geld. Ich selbst laufe mir schon seit Jahren die Hacken für Venture Kapital wund.

Julian

Laut Alexa.com (ja, ich weiß. Nicht die beste Quelle) ist rapidshare.com auf Platz 18 der meistbesuchten Seiten. Das Unternehmen wurde in Deutschland gegründet und musste dann wegen offensichtlichen rechtlichen Problemen in die Schweiz weiterziehen. Aber deutsch ist es trotzdem.

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.

Jetzt anmelden