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„Nur durch Ausprobieren kann man Verstehen.“ – Richard Gutjahr im Gespräch

(Foto von: Mathias Vietmaier, Lizenz: CC BY-NC-SA 3.0)

Der Journalist Richard Gutjahr berichtet auf eigene Faust via Internet – ob aus der iPad-Warteschlange oder über die Aufstände in Ägypten. Geschickt nutzt er die neuen Möglichkeiten des Webs von Blog bis Facebook. Im Gespräch mit t3n erklärt er, welche Chancen und Gefahren sich aus dem Medienwandel ergeben.

(Foto von: Mathias Vietmeier, Lizenz: CC BY-NC-SA 3.0)

t3n Magazin: Sie nutzen Social Media und andere Kanäle ausgiebig, um eigene Formen der Berichterstattung umzusetzen. Das kann aus der Warteschlange fürs erste iPad sein oder vom Tahrir-Platz in Kairo. Was reizt Sie eigentlich am Beruf des Journalisten so sehr, dass Sie selbst „nach Feierabend“ nicht genug davon bekommen? Ist der „rasende Reporter“ ein Kindheitstraum?

Richard Gutjahr: Ich wollte früher Astronaut werden, Lokomotivführer und solche Dinge. So kennt man das ja von kleinen Jungen. Aber dass ich Journalist werden wollte, kam erst relativ spät. Eigentlich ist das erstaunlich, denn ich habe einiges in Sachen Medien gemacht, beispielsweise Filme mit Super-8 gedreht oder mir mit Klebstoff und Schere meine eigene Zeitung gebastelt. Ich habe übrigens tatsächlich versucht, diese Zeitung auf der Straße zu verkaufen. Der eigentliche Anstoß, Journalist zu werden, war 1989 der Mauerfall. Ich war zu dem Zeitpunkt zum Highschool-Austausch in Wyoming und habe bei diesem Ereignis mitbekommen, wie spannend das Leben ist. Ich finde das spannender als alle James-Bond-Filme. Filme kommen an die Realität einfach nicht heran, egal wie viele Spezialeffekte sie haben. Da war für mich der Moment, wo ich den Entschluss gefasst habe: Ja, ich will diese Geschichten erzählen.

t3n Magazin: Ist das der Grund, warum Sie zusätzlich so sehr im Internet aktiv sind? Schließlich haben Sie praktisch alle klassischen Medien zur Verfügung: Sie moderieren im Fernsehen, schreiben für die Zeitung. Wozu noch online?

Richard Gutjahr: Mein Ansporn ist: Ich will derjenige sein, der das Internet eines Tages vollgeschrieben hat. Vorher bin ich nicht zufrieden. Nein, Scherz beiseite. Das Internet ist eine natürliche Fortschreibung dessen, was wir Menschen von jeher getan haben: uns informiert und Geschichten erzählt. Bei den klassischen Medien hat mir da etwas gefehlt: der Rückkanal. Der ist jetzt da und wir wissen noch gar nicht so genau, was wir mit diesem Geschenk anfangen wollen und können. Wir tasten uns derzeit alle voran, um das herauszufinden. Ich sehe mich als Journalist geradezu in der Pflicht, mich auf diesem Feld weiterzuentwickeln. Schließlich sind Informationen das, womit wir unser Geld verdienen.

t3n Magazin: Längst nicht alle Journalisten würden unterschreiben, dass das Internet für sie Pflicht sei. Wie begründen Sie das solchen Kollegen gegenüber?

Richard Gutjahr: Ein wichtiges Beispiel: Durch Kanäle wie Twitter habe ich Informationen teilweise erheblich früher. Ich moderiere eine Nachrichtensendung im dritten Programm der ARD beim Bayerischen Fernsehen und hatte gerade kürzlich wieder den Fall, dass ich über ein Ereignis durch Twitter eine Stunde früher Bescheid wusste als die offiziellen Nachrichtenredaktionen. Eine Stunde ist eine halbe Ewigkeit in unserem Geschäft. In dieser Zeit kann man recherchieren, sich um Bilder kümmern, eine Falschmeldung entlarven und vieles mehr. Ich bin der Meinung: Wir können es uns gar nicht leisten, nicht mit diesen neuen Kanälen zu arbeiten. Das wäre so, als würde man sagen: Ich brauche kein Telefon. Das ginge sogar, aber wer würde denn freiwillig auf so ein Hilfsmittel verzichten?

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