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t3n 20

Ausblick: Lebenswelten 2020 – So leben und arbeiten wir in der Zukunft

Seit neun Jahren entwerfen 300 CEOs und Innovationsköpfe der deutschen Wirtschaft auf Einladung des Trendforschers Sven Gábor Jánszky ein Zukunftsszenario des Lebens in zehn Jahren. Im 2b AHEAD ThinkTank entwickeln sie unter seiner Leitung die Geschäftsmodelle der Zukunft. Für t3n skizziert der Trendforscher die wesentlichen Businesstrends für die kommenden Jahre.

Wer in diesem Jahr über die CeBIT gelaufen ist, konnte sich der neuen Intelligenz der Geräte nicht entziehen: Bildanalyse, Bilderkennung und beobachtende Interfaces sorgen dafür, dass Alltagsgegenstände das Verhalten ihrer Benutzer beobachten, die Realwelt-Daten mit virtuellen Daten kombinieren und über 3D-Displays in allen Varianten jeweils situationsgerechte Informationen in den Alltag der Nutzer einspielen.

Individueller Content immer und überall

Der Morgen des 1. Juni 2020 wird kein besonderer sein. Von der Sonne ist noch nichts zu sehen, wenn Peter Seedorf ins Bad schlurft. Ein kurzer Blick in den Spiegel sagt ihm, dass es kurz nach 6 Uhr ist. Er beginnt die allmorgendliche Prozedur.

Während Peter den Rasierer ansetzt, schaltet er den Badspiegel an. Sofort erscheinen die üblichen Programme, die Börsenkurse, das Wetter in Berlin. Doch anstelle des normalen Nachrichtenzusammenschnitts im Hauptfenster hat ihm jemand die Übertragung des Tokio-Marathons in seinen Spiegel gebracht. Präsentiert von GilletteTV. Peter ist Marathon-Fan. Woher weiß sein Spiegel ...? „Manchmal übertrifft Rob sich selbst“, denkt Peter dankbar über die Aufmunterung. Noch vor einem halben Jahr hätte er missmutig und allein vor dem Spiegel gestanden. Doch bei seinem Umzug hat er festgestellt, dass Wohnungen in seiner Preisklasse nur noch mit „Smart Mirrors“ angeboten werden. Wie in Schrankwänden, Betten und Kühlschränken sind auch in Badspiegeln verschiedene Monitore integriert, die über WLAN vom Zentralcomputer der Wohnung versorgt werden.

„Morgen Peter!“ Er schaut auf und sieht Klaus, seinen Trainingspartner, im Monitor oben rechts im Spiegel. „Rob hat mir gerade gesagt, dass Du auch den Tokio-Marathon schaust. Was meinst Du, wird der Kenianer die anderen beiden noch abschütteln?“ Peter und Klaus plaudern kurz und verabreden sich für ihre nächste Trainingseinheit am Abend. Nun aber schnell! Schon am Morgen in Zeitverzug zu kommen, kann sich Peter heute definitiv nicht leisten. Doch bevor er den Spiegel ausschalten kann, poppt direkt über der Marathon-Übertragung ein rot blinkendes Fenster auf. „BetKing“ bietet Peter eine Wette an: „Liegen die 3 Führenden bei Kilometer 35 immer noch gemeinsam in Front?“ Peter zögert nicht lang: NEIN, wählt er und legt zehn Euro als Einsatz fest.

Screentapeten und intelligente Assistenten

In der Firma angekommen, ist Peter schon ein bisschen spät. Nichts Dramatisches, aber die Morgensitzung hat schon begonnen. Zuerst weiß er nicht, was es genau ist, das ihn irritiert. Mit Blicken streift er durch den Konferenzraum, bis es ihm auffällt: Der große Flatscreen an der Wand fehlt. Ob die den bei der Renovierung letzte Woche vergessen haben? Zu seiner Überraschung folgt die Antwort auf dem Fuße.

Gerade kündigt sein Chef das morgendliche Summary der wichtigsten Branchennews an. Zudem habe Rob eine Zukunftsrede des CEOs des größten Konkurrenten versprochen. Auf Knopfdruck leuchtet die Tapete auf und der Zusammenschnitt erscheint.

Schon seit ein paar Monaten gibt es diese neuartige Lichttapete, die aus Textilfasern besteht. Diese Textilien kann man zum Leuchten bringen, wenn man sie elektronisch ansteuert. Damit werden nicht nur Helligkeit und Raumatmosphäre gesteuert, sondern auch der TV-Screen ist in die Tapete integriert.

Rob ist eigentlich nichts weiter als eine Software. Vor ein paar Jahren haben sich die Fernsehsender und die Betreiber der Electronic Program Guides (EPG) mit den Internet-Technologen der Behavioral-Targeting-Anbieter zusammengesetzt und Rob entwickelt. Als „halbintelligenter Office-Assistent“ wurde er anfangs vorgestellt. Doch ganz schnell stellte sich heraus, dass fast jeder Mensch solch einen elektronischen Assistenten für sich haben wollte.

Was Rob macht, ist eigentlich ganz einfach. Er beobachtet und analysiert über Wochen und Monate hinweg die Gewohnheiten seines Besitzers: Welche Websites schaut er an, welche Inhalte, welche Bilder interessieren ihn, welche Fernsehsendungen sieht er, welche Schauspieler, welche Themen zappt er weg, bei welchen bleibt er dran. Nach einer kurzen Zeit kennt er die Bedürfnisse seines Besitzers und stellt ihm sein persönliches Fernsehprogramm zusammen, sowohl zu Hause im Wohnzimmer, Bad und in der Küche, unterwegs im Auto und mit Sonnenbrille als auch hier im Konferenzraum.

Data-Economy der Zukunft

Schon heute sind die Vorläufer dieser künftigen Data-Economy zu sehen. In zehn Jahren werden viele Menschen ihre Geschäfte damit machen, im Auftrag der Kunden deren Alltagshandlungen zu analysieren, jene Daten auszuwerten und für die Kunden nutzbar zu machen. Denn die interessanten Zukunftsgeschäfte holen die reale Welt ins Virtuelle und sorgen dafür, dass virtuelle Services intelligent in die reale Welt eingespielt werden können, durch Brillen, Kontaktlinsen, Fensterscheiben und 3D-Displays auf allen Monitoren. Dabei werden durch Sensoren, RFID-Tags oder sogar Implantate diese intelligenten Assistenten auch für ältere und technikferne Menschen einfach zu bedienen sein. Denn zugleich werden die Schnittstellen zwischen Menschen und Maschinen natürlicher: Sprach-, Gesten- und Gedankensteuerung halten Einzug.

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