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Vernetzte Welt: Die mobile Gesellschaft im Wandel

Obwohl das Internet in der westlichen Welt quasi omnipräsent ist, haben weltweit Millionen wenn nicht gar Milliarden Menschen keinen Zugang zum Web. Das gilt selbst für entwickelte Länder wie Großbritannien. Die Verbreitung von Mobiltelefonen hingegen liegt in vielen Ländern bereits bei über 100 Prozent, weltweit gibt es annähernd fünf Milliarden Handys – das sind mehr Mobiltelefone, als es Fernseher gibt. Kein Wunder also, dass mobile Technologie das Potenzial hat, sämtliche Bereiche unseres Lebens radikal zu verändern.

Drahtlose mobile Kommunikation verändert die heutige Gesellschaft in einer Weise, die bisher ohne Vergleich ist. Sie eröffnet neue Möglichkeiten für die Erziehung von Kindern, bietet praktikable Lösungen für das Gesundheitssystem, erleichtert den Zugang zu Bildung, führt in die bargeldlose Gesellschaft – in Schweden wird über dieses Thema bereits diskutiert – und erlaubt Menschen in Entwicklungsländern die Vernetzung miteinander sowie mit der globalen Wirtschaft.

Auf diese Weise wird auch Reichtum besser verteilt – zumal sich Unternehmen generell fragen werden, wie sie jemals Geschäfte machen konnten, ohne sich in einem mobilen Ökosystem zu bewegen. Mobile Geräte werden darüber hinaus als Sensoren riesige Mengen an Daten sammeln, die dabei helfen, Dörfer und Städte zu smarten Orten zu machen. All diese außergewöhnlichen Möglichkeiten machen miteinander kombiniert die „Faszination der mobilen Gesellschaft“ aus.

Gesellschaft im Wandel

Ein gutes Beispiel für die neuen Möglichkeiten, die mobile Kommunikation heute bietet, ist die umstrittene Wahl, die im August 2010 in Kenia stattfand. So stellte der Service-Provider Mobile Planet seinen Nutzern minütliche Ergebnisse per SMS zur Verfügung. Außerdem wurde mit Ushahidi [1] (in Swahili Zeugenaussage) ein Open-Source-Mashup programmiert, das Textinformationen mit GPS-Daten und Google Maps kombiniert, um Gewalttaten zu verfolgen, aufzuzeichnen und diese schlichten zu können. Auch Barack Obama ergriff bei seinem Wahlkampf die Chance, seine Unterstützer mobil zu vernetzen.

Vint Cerf, einer der Väter des Internets, ist davon überzeugt, dass Mobile Computing zeitgemäße und geografisch sowie gesellschaftlich relevante Informationen liefern wird. Beispiele dafür gibt es genug. Japanische Wissenschaftler haben beispielsweise vorgeschlagen, Daten von Fahrzeugscheibenwischern und GPS-Empfängern zu nutzen, um die Bewegungen von Wettersystemen innerhalb von Städten mit einer bisher nicht erreichten Präzision verfolgen zu können. Das Verständnis darüber, wie sich etwa ein Taifun durch eine Stadt bewegt, könnte es erleichtern, Leben zu retten. Weitere mögliche Anwendungsgebiete könnten demografische, intellektuelle und epidemologische Problemstellungen sein.

Während der Wahl in Kenia stellte Mobile Planet seinen Abonnenten minütliche Ergebnisse per SMS zur Verfügung. So konnten sich Wähler auf dem Laufenden halten, egal wo sie sich befanden.
Während der Wahl in Kenia stellte Mobile Planet seinen Abonnenten minütliche Ergebnisse per SMS zur Verfügung. So konnten sich Wähler auf dem Laufenden halten, egal wo sie sich befanden.
Mobile Konnektivität verbindet die Menschen mit der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft. Sie ermöglicht es, anderen Präsenz und Nähe zu signalisieren. Die Art und Weise, wie wir uns miteinander verbinden und wie wir Informationen organisieren, verteilen und miteinander teilen, verändert sich erheblich. Der Hauptfaktor, der die Geschäftswelt und die Gesellschaft beeinflussen wird, sind Daten, die räumliche Nähe aufzeigen, Empfehlungen ermöglichen und Verbindungen schaffen. Daten als veredelte Information werden damit zur Schlüsselwährung, mobile Kommunikation und Konnektivität zur ultimativen Triebfeder unserer vernetzten Welt.
Mit dem Erledigen von Micro-Tasks auf dem Mobiltelefon Geld verdienen: txteagle macht es möglich.
Mit dem Erledigen von Micro-Tasks auf dem Mobiltelefon Geld verdienen: txteagle macht es möglich.

Die Zukunft der Arbeit

Auch auf den Bereich Arbeit wird die mobile Kommunikationstechnologie in Zukunft enormen Einfluss haben und hat ihn bereits heute. Wie das aussehen kann, macht Natha Eagle mit seinem Unternehmen txteagle [2] vor. Txteagle sitzt in Kenia – ein Land, in dem die Hälfte der Bevölkerung arbeitslos ist. Während Nathan Eagle an einem existierenden SMS-System arbeitete und dieses für Blutspender in dem lokalen Krankenhaus von Kilifi an der Küste Kenias adaptierte, erkannte er die Möglichkeit, mit Hilfe von mobilen Technologien eine neue Art der Vernetzung von gebildeten Arbeitslosen mit dem Arbeitsmarkt zu entwickeln.

txteagle erhält dabei eine aufgabenbezogene Arbeitsanfrage von einem Kunden und teilt diese in Micro-Tasks auf, die sich auf einem Mobiltelefon erledigen lassen. Diese Micro-Tasks, beispielsweise das Überprüfen von Fakten, Übersetzungen oder das Transkribieren von Audioaufnahmen, schickt das Unternehmen dann an Menschen in aller Welt. Beim Beispiel Transkription würde sich der Auftragnehmer einen kurzen Audio-Clip anhören, diesen aufschreiben und per SMS zurücksenden. Die Tasks lassen sich in der Regel in unter zwei Minuten erledigen, ein geübter Anwender kann auf diese Art etwa drei US-Dollar pro Stunde verdienen. Die Bezahlung erfolgt über die Mobile-Payment-Plattform M-Pesa, die acht Millionen Nutzer zählt.

Der Boston Globe bringt das Potenzial von txteagle in einem Artikel auf den Punkt: „Jeder, der ein Handy besitzt, kann diese Arbeiten verrichten: eine Sekretärin, die auf den Bus wartet; ein Masai-Stammesmitglied, das eine Herde Rinder hütet; ein Student, der zwischen zwei Kursen etwas Zeit hat; ein Wachmann an einem ereignislosen Tag oder einer von Kenias Abermillionen Arbeitslosen.“

Dieser Ansatz könnte überall dort zum Einsatz kommen, wo Menschen nur schwer Arbeit finden. In Großbritannien haben sechs Prozent der Bevölkerung kein Konto und sind somit zu einem Leben in Armut verdammt und Kredithaien ausgeliefert. Ansätze wie der von txteagle könnten Regierungen dabei unterstützen, vielen Menschen aus der Armut zu helfen.

Das Mobiltelefon als Bildungswerkzeug

Analphabetismus ist eine maßgebliche Barriere bei der Suche nach Arbeit. Zwar kann Technologie das Lernen durch direkten Kontakt mit qualifizierten Lehrern nicht ersetzen, aber es kann eine Grundlage schaffen. Insbesondere Menschen, die benachteiligt sind und keinen Zugang zu anderen Bildungseinrichtungen haben, können mit Hilfe von Technologie den Grundstein für Hörverständnis, Lesen, Schreiben und Konversation legen. Desktop Computing eignet sich dabei vorwiegend in Städten, in ländlichen Gegenden aber bieten mobile Endgeräte deutlich mehr Nutzen.

Das weiß auch die Organisation Worldreader.org, die E-Learning in afrikanische Dörfer bringt, wo der Zugang zu Bildung durch Kosten für physische Bücher und Übersetzungen limitiert ist. Worldreader.org setzte dabei erstmals Kindle-E-Reader für eine ganze Klasse in Ghana ein.

Individuelles Mobile Computing wird sich in Zukunft zu einem fundamentalen Bildungswerkzeug entwickeln und alle Gesellschaften verändern. Dass dies schon heute funktioniert, zeigt ein Beispiel aus den USA. Dort hat eine Universität allen Studienanfängern ein iPhone zur Verfügung gestellt. Die Studenten begrüßten vor allem die Möglichkeit, unbekannte Worte oder Begriffe, die ihr Professor während des Seminars fallen ließ, direkt selber nachschlagen zu können – beispielsweise auf Dictionary.com oder mit Hilfe der Wikipedia-App.

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