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Blogosphäre: zwischen Gegenwart, Zukunft und Update-Problemen: Von Lebensströmen und Spiegelfechtern

Lifestreaming ist nicht nur ein großes Thema, sondern zudem auch die Zukunft des Bloggens. Diese These erschütterte die Blogosphäre – zumindest ein bisschen. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ widmete sich der seltsamen Gattung „Blogger“ in einer mehrseitigen und zugleich einseitigen Geschichte. Und: WordPress 2.6 machte Podcaster unfreiwillig sprachlos – das Plugin „PodPress“ verweigerte plötzlich den Dienst.

„Die Zukunft des Bloggens enthüllt“, titelte die amerikanische Seite ReadWriteWeb [1]. These: Blogs werden nicht mehr gebraucht, automatisch erstellte Lifestreams á la FriendFeed lösen sie ab. Tatsächlich ist Lifestreaming ein großer Trend. Alle Aktivitäten im Web 2.0 werden darüber auf einer Seite gebündelt. Sehr praktisch. Mit Sweetcron [2] ist man nun auch nicht mehr auf externe Dienste angewiesen. Was WordPress für Blogs ist, will das Open-Source-Projekt Sweetcron für Lifestreams sein.

Aber lässt sich das Bloggen so schnell und einfach ins Aus stellen? Schon in den Kommentaren bei ReadWriteWeb gab es heftigen Widerspruch. Tenor: Einen Teil der Blogs machen Lifestreams überflüssig. Will ich einen Linktipp geben, auf ein Video hinweisen oder Bescheid sagen, dass ich neue Fotos bei Flickr hochgeladen habe, brauche ich dazu kein Blog mehr. Das können Lifestreams besser. Habe ich der Welt hingegen etwas mitzuteilen, werde ich wohl weiterhin selbst etwas dazu schreiben. Denn mal ehrlich: Irgendwo müssen die vielen Inhalte ja herkommen, die ich in meinem Lifestream empfehle, markiere und speichere.

Twitter entwischt seinen Killern

Vom Blogging zum Microblogging: Twitter machte wieder von sich reden. Eine Zeit lang funktionierte der Dienst für 140-Zeichen-Nachrichten sogar beinahe fehlerfrei. Viele Funktionen sind aber noch immer abgeschaltet. Dafür kaufte Twitter die Twitter-Suchmaschine Summize und nennt sie nun Twitter Search [3]. Bleibt zu hoffen, dass sie nicht ebenfalls das Twitter-Schicksal erleidet und künftig gar nicht mehr oder nur noch unvollständig funktioniert. Derweil zeichnet sich neben den zahlreichen Twitter-Nachahmungen eine Konkurrenz aus dem Open-Source-Lager ab: Mit Laconica [4] könnte eine verteiltes Netz fürs Microblogging entstehen. Jeder kann auf seinem Server diesen Dienst selbst einrichten, alle Installationen kommunizieren untereinander. Die Hoffnung auf mehr Stabilität erhielt allerdings einen Dämpfer, als die Laconica-Beispielinstallation Identi.ca [5] schon kurz nach dem Start nicht mehr erreichbar war. Trotzdem sind sich viele Beobachter einig: Ein verteiltes Twitter als Alternative zum zentralistisch organisierten Original ist ein interessantes Konzept.

Dass Twitter trotz aller Probleme beliebt ist, zeigte eine Auswertung von Benedikt Köhler in seinem Blog [6]. Er analysierte Zahlen von Alexa, Google Trends for Websites und Quantcast. Eindeutiges Ergebnis: Twitter führt mit großem Abstand. FriendFeed, Plurk, Jaiku und Pownce sind weit abgeschlagen. Wenn die so genannten Twitter-Killer erfolgreich sein wollen, müssen sie sich also gehörig was einfallen lassen.

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