Du hast deinen AdBlocker an?

Es wäre ein Traum, wenn du ihn für t3n.de deaktivierst. Wir zeigen dir gerne, wie das geht. Und natürlich erklären wir dir auch, warum uns das so wichtig ist. Digitales High-five, deine t3n-Redaktion

t3n 42

Mehr als nur „Tech-Nick“: Schauspieler Antoine Monot, Jr. über den Nerd in sich

Foto: Josef Fischnaller

Technik-Nerd und Schauspieler sein passt ganz gut zusammen. Das zeigt auch Antoine Monot, Jr. – ob im Tatort, in der Rolle des Tech-Nick für Saturn, des paranoiden Hackers Paul in dem Kinofilm „Who Am I – Kein System ist sicher“ oder im wahren Leben als TYPO3-Fan und -Forenbetreiber der allerersten Stunde. Der Schauspieler sprach mit uns über seine Leidenschaft für echte Hacks, selbstfahrende Autos und sein täglich genutztes mobiles Büro.

t3n Magazin: Du bist Schauspieler und Technik-Nerd, wie passt das zusammen?

Antoine Monot, Jr.: Auf den ersten Blick hat das nichts miteinander zu tun, auf den zweiten wieder ganz viel. Ich bin ein Ein-Mann-Unternehmen und die Technik hilft mir jeden Tag enorm dabei, mein Pensum bewältigen zu können. Ob das mein Handy betrifft – das sozusagen mein Büro ist – oder all die Apps und Programme. Ich bin ja nicht nur Schauspieler, sondern auch mein eigener Geschäftsführer, Marketing- und Finanz-Vorstand, ich leite meine Personalabteilung und bin eben auch mein technischer Chef.

t3n Magazin: Dein Handy ist dein Büro – wie bekommst du das hin? Mit welchen Apps realisierst du dein flexibles Arbeiten?

Antoine Monot, Jr.: Meine wichtigste App ist „Calendars 5“. Darin ist mein Leben geregelt. Wichtig ist für mich auch die App „Fastbill“. Dort erstelle ich Rechnungen, wickle mein Mahnwesen ab und sammle alle Belege. Diese lade ich mit der App „Scanbot“ hoch. Einmal im Monat erhält mein Steuerberater einen Fastbill-Link und kann sich alles Wichtige herunterladen und in Datev weiterverarbeiten. Dieses Jahr mache ich meine Buchhaltung das erste Mal komplett papierlos. Ich hab auch kein eigenes Office-Paket mehr, denn ich benutze nur noch Google Docs. Darin schreibe ich eigentlich alles. Mein neues Buch , das ich gerade verfasst habe, ist in Google Docs entstanden. Mein Ko-Autor und ich konnten so gemeinsam daran arbeiten. Das war sehr spannend.

t3n Magazin: Bei all der Technik-Verliebtheit: Warum bist Du Schauspieler geworden und nicht Entwickler?

Antoine Monot, Jr.: Ich glaube, mir fehlt letzlich die Leidenschaft für's Programmieren, ich bin bei den Skript-Sprachen hängen geblieben. Mitte der 90er Jahre habe ich mit HTML angefangen, später kam auch CSS und ein bisschen JavaScript dazu. Aber ich habe gemerkt, dass ich mir zwar sehr gerne überlege, wie ein Programm funktioniert, welchen Weg man noch gehen könnte, um am Schluss doch noch ans Ziel zu gelangen, auch wenn andere meinen, dass es nicht geht. Aber mich selbst hinzusetzen und zu programmieren, dazu fehlt mir die Leidenschaft und deshalb kann ich es auch zu schlecht.

t3n Magazin: Du hast aber Anfang des Jahrtausends deine Website selbst mit TYPO3 aufgesetzt und auch eine Zeit lang das TYPO3forum.net betrieben. Woher kam dein Engagement?

Antoine Monot, Jr.: Als ich Mitte der 90er anfing zu programmieren, habe ich alles per Hand gemacht: Eckige Klammer auf, HTML, eckige Klammer zu, neue Zeile. Das war eine irre Arbeit. Wenn man damals eine Website mit 15 Seiten hatte und wollte etwas im Menü ändern, dann musste man das auf allen 15 Seiten jeweils manuell bearbeiten. Unvorstellbar heute. Irgendwann kam zum Glück jemand auf die Idee, Inhalt und Technik zu trennen – und das war die Geburtsstunde der Content-Management-Systeme. TYPO3 hatte ich damals ziemlich schnell auf dem Radar. Das war seinerzeit das einzig sinnvolle System, das es aus meiner Sicht gab. Und deshalb hab ich das für meine Website genutzt. In diesem Kontext haben wir dann TYPO3forum.net aufgezogen. Aber heute würde ich meine Website nicht mehr mit TYPO3 machen, dafür gibt es mittlerweile Systeme, die für so eine verhältnismäßig kleine Website weitaus besser geeignet sind.

dig_interview_monot_2
In dem deutschen Thriller „Who Am I – Kein System ist sicher“ des Regisseurs Baran bo Odar spielt Antoine Monot, Jr. den etwas paranoiden Hacker Paul. Gemeinsam mit Benjamin Engel (Tom Schilling), Max (Elyas M'Barek) und Stephan (Wotan Wilke Möhring) gründet er die Hacker-Gruppe Clay (Clowns laughing at you), die mit gewagten Aktionen internationalen Ruhm sucht.

t3n Magazin: Zurück zur Schauspielerei: In dem Hacker-Film „Who Am I“ spielst du den etwas paranoiden Hacker Paul. In dem Streifen geht es auch um die menschliche Seite des Hackens.

Antoine Monot, Jr.: Das stimmt. Das ist genau das, was wir in dem Film beleuchtet haben: Nur ein Teil vom Hacken findet am Computer statt. Wenn man erfolgreich hacken will, dann muss man sich auch in die Menschen hineindenken, von denen man etwas will. Hacken hat sehr viel mit Menschenkenntnis zu tun, was der Begriff Social Engineering ja auch treffend ausdrückt.

t3n Magazin: Alle Hacks in Who Am I sollen realistisch sein. Habt ihr da mit echten Hackern zusammen gearbeitet?

Antoine Monot, Jr.: Ja, wir hatten Hacker vor Ort, die alle Skripte im Film für uns programmiert haben. Jedes Programm, das in dem Film zu sehen ist, jede Codezeile hat tatsächlich funktioniert. Ich finde das auch wichtig. Es ist mir immer ein Graus, wenn ich einen Film sehe, in dem die technischen Details, wie ein simples E-Mail-Programm, unrealistisch aussehen. Der Hintergrund solcher Kopien in Filmen ist ja oft der, dass man Produkte nicht zeigen darf – oder nur unter bestimmten Umständen, weswegen man nicht einfach Thunderbird oder Outlook als E-Mail-Programm verwenden kann, sondern irgendwelche Pseudo-Eigenentwicklungen. Deswegen war ich wirklich total erleichtert und fand es großartig, wie professionell das bei Who Am I ablief.

t3n Magazin: Im Film dreht sich alles um das Ausspionieren. Wie stehst du denn zur Überwachung im Internet?

Antoine Monot, Jr.: Wenn es um NSA und Co geht, dann muss ich sagen: Ich empfinde die Entwicklung sehr bedenklich. Ich muss aber gleichzeitig auch sagen: Da sind wir machtlos. Wenn ein Staat Antoine Monot ausspionieren will, dann wird ein Staat das wahrscheinlich immer auch machen können. Denn ich bin eben ein Endnutzer und bewege mich – ob in der realen Welt oder im Internet – nicht wie ein Geheimagent. Und selbst wenn ich es könnte, ich würde es nicht wollen.

t3n Magazin: Als Schauspieler und Nerd muss ich dich natürlich noch fragen: Nutzt Du eigentlich Video-Streaming-Dienste?

Antoine Monot, Jr.: Ich bin ein klassischer Netflixer und schaue eigentlich fast nur noch Serien. Aktuell hoch im Kurs steht bei mir „Californication“ mit David Duchovny, die Serie macht wirklich sensationell viel Spaß. Zudem habe ich „Modern Family“, „Die Kennedys“, „House of Cards“ und „Weissensee“ geschaut. „Narcos“ fand ich toll und auch „Bloodline“.

t3n Magazin: Du nutzt also viel Netflix, vermutlich auch unterwegs. Wie sieht denn deine alltägliche Technik-Ausstattung aus?

Antoine Monot, Jr.: Ich habe eigentlich alles im Einsatz, was nicht niet- und nagelfest ist. Ich bin rund zehn Monate im Jahr unterwegs und ich habe immer mein MacBook dabei, einen Bose-Kopfhörer mit Noise-Cancelling – weil ich relativ viel im Flieger und im Zug bin – und ein iPhone 6 Plus. Hinzu kommt ein mobiler Hotspot, eine PowerBank und meine Canon Legria Mini X Kamera, mit der ich alles aufnehme, was auf meinem Youtube-Kanal veröffentlicht wird. Was mich wahnsinnig macht ist, all die Geräte zu laden. Ohne Mehrfachstecker verlasse ich nicht mehr die Stadt.

t3n Magazin: Was hältst du von Smartwatches?

Antoine Monot, Jr.: Ich habe mir lange überlegt, ob ich mir eine Smartwatch holen soll, schließlich trage ich einfach gerne Uhren. Aber eine Uhr ist für mich eben immer am besten noch eine Uhr, ein Wertgegenstand. Deswegen wird es eine Smartwatch schwer bei mir haben.

Bei Technikfragen, Tech-Nick fragen – lautet das Motto der Saturn-Kampagne, die die Hamburger Agentur Serviceplan Campaign für die Elektronikkette entwickelte. Antoine Monot, Jr. spielt dabei den Tech-Nick – einen sympathisch-nerdigen Kundenberater.
Bei Technikfragen, Tech-Nick fragen – lautet das Motto der Saturn-Kampagne, die die Hamburger Agentur Serviceplan Campaign für die Elektronikkette entwickelte. Antoine Monot, Jr. spielt dabei den Tech-Nick – einen sympathisch-nerdigen Kundenberater.

t3n Magazin: Und smarte Technologien im Bereich des Internet der Dinge?

Antoine Monot, Jr.: Spannend, vor allem die Frage, wie sich wohl unsere Welt und unsere Heimgeräte vernetzen werden. Dennoch ist da im Moment auch richtig viel Bullshit dabei. Denn die Frage ist doch, wieso ich meine Heizung über eine App steuern sollte? Wenn ich ein Haus mit 37 Zimmern habe, dann ist das vielleicht sinnvoll. Aber bei zwei, drei Räumen – was bringt da so eine App, die ich ja auch jedes mal starten muss? Wenn mir die App sagen kann, wie ich effizienter heizen und wo ich mein Öl billiger beziehen kann, ist das etwas anderes. Das würde mir vielleicht etwas bringen. Doch was nützt mir ein Kühlschrank, der eigenständig die Milch nachkauft, aber nicht weiß, dass ich das Wochenende bei meiner Freundin verbringe und daher absichtlich keine Milch nachgekauft habe? Also, die Sachen sind noch ziemlich primitiv. Aber vieles kann auch interessant werden, wenn man noch einen Schritt weitergeht.

 Ab Mitte der 90er Jahre befasste sich Monot mit Webprogrammierung. Aus dieser Zeit stammt auch sein Engagement beim TYPO3fourm, das er mitgründete.
Ab Mitte der 90er Jahre befasste sich Monot mit Webprogrammierung. Aus dieser Zeit stammt auch sein Engagement beim TYPO3fourm, das er mitgründete.

t3n Magazin: Findest du denn selbstfahrende Autos spannend – würdest Du Dich so durch die Gegend kutschieren lassen?

Antoine Monot, Jr.: Hier gilt es noch, zwei wichtige Aspekte zu klären: Zum einen ein technischer, zum anderen ein rechtlicher. Was passiert etwa, wenn es einen Unfall mit zwei selbstfahrenden Autos gibt? Bisher müssen sich die beiden Fahrer miteinander auseinandersetzen. Doch wer soll dann schuld sein? Wenn da zwei BMWs miteinander einen Unfall bauen – macht das die Legal-Abteilung von BMW dann mit sich selbst aus oder wie soll das funktionieren? Oder was ist mit Tiefschnee, da erkennt ein selbstfahrendes Auto keine Seitenstreifen und keine Spuren mehr. Also ich weiß nicht, ob ich das noch erlebe, dass ich mich in mein selbstfahrendes Auto setze, um von München nach Hamburg zu fahren und mir einfach sage: Ich penn eine Runde und bin in sechs Stunden da. Aber ich glaube, dass die Entwicklung in diese Richtung die richtige ist und dass da noch viele spannende Sachen auf uns zukommen werden. Grundsätzlich würde ich mir aber wünschen, dass einfache, aber benötigte Technik im Auto Einzug hält. Wie wäre es etwa mit einem Hotspot im Auto, einer gängigen Steckdose, einem digitalen Radio, das flächendeckend funktioniert?

t3n Magazin: Wenn wir uns so vernetzen, kommen ja auch viele persönliche Daten zusammen, die Unternehmen nutzen können. Wie stehst du zur Datenschutz-Debatte?

Antoine Monot, Jr.: Das stimmt, da kommt einiges an Daten zusammen. Alleine was Unternehmen heute für Möglichkeiten haben, seitdem unsere Bankkarten Funkchips enthalten: Das ist kein Vergleich zu früher. Ich kann mich noch gut erinnern, wie es Mitte der 1980er Jahre die Volkszählung in Deutschland gab und sich die Menschen – darunter auch meine Mutter – dagegen gewehrt haben. Heute ist das geradezu lächerlich, weil Institutionen und Unternehmen viel, viel mehr über uns wissen, als man sich damals auch nur annähernd hätte träumen lassen.

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

2 Reaktionen
VinFin

Mir hat das Interview sehr gut gefallen! Tech-Nick ist wirklich sehr sympathisch. Spannend solche Eindrücke zu erfahren.

Freizeitcafe.com

Super der Junge! Das Wortspiel Tech-Nick fetzt und man denkt immer an den Hangover Typen zusätzlich. Aber nur Nerd-Sein ist doch auch nichts...raus ins Leben und auch mal die computer-freie Zeit geniessen, oder?

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.

Jetzt anmelden