E-Commerce

Micropayment: Kleingeld sinnvoll abrechnen

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Kauf auf Versprechen

Eine weitere Bezahlmethode im Micropaymentbereich klingt wie aus längst vergangenen Zeiten: Der „Kauf auf Versprechen“. Tatsächlich funktioniert das Prinzip so, dass Nutzer das gewünschte Gut sofort erhalten, wenn sie versprechen, es in den kommenden Tagen zu bezahlen.

kwedit, In7Tagen

Mit dieser Bezahlmethode richtet sich das US-amerikanische Startup kwedit sowie seine deutsche Entsprechung In7Tagen gezielt an Minderjährige, die einen großen Teil der Onlinespiele-Nutzerschaft ausmachen.

Der Bezahlanbieter In7Tagen wendet sich gezielt an junge Kunden.

Der Bezahlanbieter In7Tagen wendet sich gezielt an junge Kunden.

Da es für Spielepublisher wenig erfolgversprechend ist, für Browserspiele an sich Geld zu verlangen, setzen sie lieber auf den Verkauf von Premiuminhalten und virtuellen Gütern, welche die Spielattraktivität erhöhen. Dementsprechend hängt alles am sofortigen Kaufimpuls des Spielers. Nutzer geben diesem Impuls nur nach, wenn ihnen der Kauf so einfach wie möglich gemacht wird, sprich: wenn sie das gewünschte Gut sofort erhalten und sich erst später um die Bezahlung kümmern müssen. Die Bezahlmethoden sind dabei an die junge Zielgruppe angepasst: Online-Gamer können das Geld überweisen, per Kreditkarte bezahlen, als Einwurfschreiben verschicken oder sich per automatisiertem Schreiben nach Sponsoren im persönlichen Umfeld umschauen. Zusätzlich kooperiert In7Tagen mit dem alternativen Bezahlanbieter SponsorPay.

Während manche diese psychologische Taktik des Kaufimpulses als unmoralisch empfinden, vermarkten beide Anbieter ihren Dienst als eine gute Möglichkeit, junge Menschen an den Umgang mit Geld heranzuführen. Denn wer sein Versprechen bricht, hat keine rechtlichen Maßnahmen zu befürchten, sondern darf den Dienst im schlimmsten Fall kein zweites oder drittes Mal in Anspruch nehmen. Für die Spielefirmen sind die Bezahlausfälle hoch: Nur 25 bis 30 Prozent der In7Tagen-Nutzer halten ihr erstes Bezahlversprechen ein (von den Kunden, die beim ersten Mal bezahlt haben, halten immerhin 70 Prozent ihr Zweitversprechen). Trotzdem lohnt sich die Einbindung dieser Bezahlsysteme, da laut In7Tagen trotzdem eine Umsatzsteigerung von mindestens fünf Prozent erzielt wird. In Deutschland nutzen zum Beispiel Platogo und Soccer Match das Bezahlangebot von In7Tagen.

Social Micropayment

Eine gute Möglichkeit, um Blogs oder Expertenseiten zu monetarisieren, sind die Social-Micropayment-Systeme Kachingle und Flattr.

Kachingle

Beim amerikanischen Dienst Kachingle zahlen Nutzer monatlich fünf Dollar auf ein Konto ein. Der Betrag wird anschließend auf die Seiten und Blogs ausgeschüttet, die man am häufigsten besucht hat. Publisher, die Kachingle bei sich einbauen, bezahlen 15 Prozent Provision an den Bezahldienst – davon gehen zum Beispiel Gebühren an PayPal ab.

Flattr

Der schwedische Anbieter Flattr ist in Deutschland noch populärer. Hier vergeben Nutzer ihre Punkte („flattern“) an einzelne Artikel und nicht an gesamte Websites. Ein wachsendes Problem ist, dass immer mehr Verlage und Seitenbetreiber mit einsteigen, sodass sich das Geld der Nutzer auf immer mehr Seiten verteilt und für die Einzelnen weniger übrig bleibt. Dafür wächst auch die Schar der zahlenden Nutzer. Prominente Kunden sind die Tageszeitung (taz) und WikiLeaks. Verlage oder Blogbetreiber treten zehn Prozent ihrer Einnahmen plus die Transaktionskosten des jeweiligen Bezahldienstes (PayPal, Moneybookers) an flattr ab.

Fazit

Wer niedrigpreisige Produkte übers Internet verkauft, ist nicht unbedingt auf die üblichen Bezahlsystem-Kandidaten angewiesen. Verschiedene Anbieter haben sich speziell auf den Bereich Micropayment ausgerichtet und sorgen vor allem mit einer fehlenden oder geringen Grundgebühr sowie alternativen Bezahlleistungen für wirtschaftlich sinnvolle Transaktionen. Nun liegt es auch an den gängigen PSPs, die speziell auf Micropayment ausgerichteten Bezahlmethoden in ihr Portfolio aufzunehmen.

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7 Kommentare
yoko
yoko

mich interessiert das thema micropayment aktuell wieder brennend.

habe mich vor einigen monaten schon mal damit auseinander gesetzt. was mich zu dem zeitpunkt geärtert hat war, dass das günstige micropayment via paypal nur in den USA getätigt werden konnte.

der tarif für die transaktion von 1$ / 1 EUR lag da bei 0,09 $, wogegen wir irgendwas zwischen 0,20 und 0,40 EUR abdrücken durften.

mein interesse an micropayment lag danach erstmal auf eis.

grade gestern abend habe ich allerdings versucht, wieder aktuelle infos dazu zu finden.
eurem artikel nach scheint paypal die niedrigend gebühren ja jetzt auch bei uns einzuführen.

könnt ihr dazu weiterführende links anbieten?

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mago
mago

Mich interessiert dieses Thema auch sehr stark. Leider gibt es in Deutschland keinen wirklich passenden Anbieter für Micropayment. Entweder der Anbieter berechnet noch zu viel Gebühren oder er wirkt nicht seriös.

Mich würde es freuen, wenn wir anlässlich dieses Posts die Liste der schon genannten Unternehmen noch erweitern könnten. Ich denke Micropayment ist generell ein sehr interessantes Thema…

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yoko
yoko

Vielleicht könnte die Redakteurin dieses Artikels noch etwas dazu sagen?

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Yvonne Ortmann
Yvonne Ortmann

yoko: Ich muss dich leider enttäuschen. Mir ist nichts bekannt, dass die günstigen Konditionen auch in Deutschland eingeführt werden. Ich bezog mich oben auf Paypal allgemein – die Euroangaben sind einfach Umrechnungen. Aber das hätte ich wohl mit einem weiteren Satz erwähnen können :)

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yoko
yoko

@Yvonne Ortmann
ok, vielen dank für die info!

weiß denn vielleicht jemand, ob es möglich ist, sich mit dem standort „deutschland“ einen account für die amerikanische PayPal variante anzumelden?
da mein projekt sowieso international angesiedelt ist, hatte ich sowieso überlegt alle zahlungen in US-$ zu tätigen.

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Turbozonk
Turbozonk

Interessanter Artikel, aber fixt mal die Links.
Beispiel:
http://www.infin.de ist fälschlich verlinkt mit:
https://t3n.de/magazin/micropayment-kleingeld-sinnvoll-abrechnen-227523/www.infin.de

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AnPa
AnPa

In der Liste der Micropayment-Anbieter fehlt meiner Meinung nach minipay. Die bieten SEPA-Lastschrifteinzüge an.

Habe die letztens bei der mitfahrzentrale.de gesehen und darüber bezahlt. Fand ich super einfach, gerade für Laufkundschaft, da ich keinen Bock hatte, mich bei denen zu registrieren.

Da das so einfach war, habe ich das auch jetzt mal bei mir eingebunden…

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