Ratgeber

Multichannel-Software für Onlinehändler im Überblick

(Abbildung: Shutterstock/sdecoret)

Marktplätze wie Amazon oder Ebay machen schon heute die Hälfte des Gesamtumsatzes im Onlinehandel aus. Doch der Verkauf über mehrere Vertriebskanäle birgt für Händler nicht nur organisatorisch viele Probleme: Auch die Infrastruktur muss passen. Welche Multichannel-­Software es gibt, zeigt dieser Beitrag.

Während die Frage, ob Onlinehändler ein stationäres Geschäft gewinnbringend betreiben können oder gar betreiben sollten, ­unter Experten immer noch umstritten ist, ist die Bedeutung der Marktplätze in der E-Commerce-Landschaft mehr oder weniger unstrittig. Marktplätze besitzen einen bedeutenden Anteil am Markt und bieten Zugang zu einer großen Zahl von Kunden. Und verkauft wird dort, wo der Kunde sich aufhält: Der Bundes­verband E-Commerce und Versandhandel (Bevh) schätzt den Anteil der deutschen Marktplätze am E-Commerce-Gesamt­umsatz hierzulande nach einer Umfrage auf rund 50 Prozent. Nach Hochrechnungen von t3n könnte sogar schon Amazon ­allein diesen Anteil 2017 – zusammen mit seinen Händlern – ­erreicht haben. Marktplätze zu bedienen, wird für Onlinehändler also immer ­wichtiger. Das Verkaufen auf mehreren Vertriebskanälen ist jedoch eine organisatorische und infrastrukturelle Heraus­forderung, die ­Onlinehändler schnell vor große Probleme stellen kann: Über- oder Unterverkauf von Warenbeständen, ein plötzlicher Anstieg der Kundenkommunikation und das ­Handling von schlagartig wachsenden Umsätzen. Die spezialisierten ­Software-Lösungen in dieser Übersicht helfen dabei, diese Heraus­forderung zu meistern.

Wozu Onlinehändler Multichannel-­Software brauchen

Speziell für den Online- und Multichannel-Handel ausgelegte ­Lösungen führen die verschiedenen Vertriebs- und Marketing­kanäle an einer Stelle zusammen und vereinheitlichen den Daten­bestand aus Onlineshops, Filialen und Marktplätzen. Statt im Backend der Onlineshops oder der einzelnen Marktplätze Bestellungen zu bearbeiten, können Händler also die Bestellungen aller Kanäle an einem Ort abwickeln. Die Softwarelösungen sind darauf spezialisiert, die im Handel anfallenden Prozesse stark zu automatisieren. Beispielsweise werden eingehende Zahlungen automatisch Bestellungen zugeordnet, dann Packlisten möglichst mit einer wegeoptimierten Pickliste erstellt und schließlich bei jeder bearbeiteten Bestellung die notwendige Kundenkommunikation wie Zahlungs- und Versandbestätigungen ausgelöst. Spezialisierte E-Commerce-Software ermöglicht durch ­diese Automatisierung eine schnellere Bearbeitung eines hohen Sendungs­aufkommens.

Die unterschiedlichen Software-­Kategorien und ihr Einsatz

Zum Stichwort „Multichannel-Software“ passen viele Software­kategorien. Es gibt vollwertige Handels-ERP-Systeme, die von der Buchhaltung über die Auftragsverwaltung und Logistik bis hin zur kompletten Produktionssteuerung reichen, außerdem Multichannel-­Komplettlösungen mit integriertem Onlineshop oder klassische Multi­channel-Middleware, die zwischen be­stehende ERP- und Online­shop-Systeme und zusätzliche Vertriebskanäle geschaltet werden können Für Onlinehändler, die nur über wenige Kanäle verfügen, bieten einige Shop-­Systeme mittlerweile integrierte Multichannel-­Software und ERP-­Funktionalitäten an. Einige Beispiele dafür finden sich am Ende des Artikels.

Die Middleware Billbee bietet neben Faktura und Warenwirtschaft umfang­reiche Funktionen zur Versandabwicklung, darunter die Erstellung von Versandetiketten, Übermittlung von Sendungs­informationen an Shops und Marktplätze sowie das automatische Versenden von Tracking-Links. (Screenshot: Billbee)

Die Middleware Billbee bietet neben Faktura und Warenwirtschaft umfang­reiche Funktionen zur Versandabwicklung, darunter die Erstellung von Versandetiketten, Übermittlung von Sendungs­informationen an Shops und Marktplätze sowie das automatische Versenden von Tracking-Links. (Screenshot: Billbee)

Die Lösungen am Markt haben sich über die Jahre weiter­ent­wickelt. Die Grenzen zwischen den Kategorien verwischen, manche Software kann als Middleware, Komplettlösung oder nur als ERP eingesetzt werden. Deshalb wird auf eine kategorisierte Auflistung der Anbieter verzichtet. Grundsätzlich sollte eine Multichannel-Software einen hohen Grad an Automatisierung ermöglichen, eine breite Auswahl an Vertriebskanälen ­abdecken, eine wachstumssichere Tarifpolitik bieten und über einen ausreichenden Funktionsumfang verfügen. Damit wird von Beginn an der Betriebsablauf ermöglicht, ohne dass zwingend noch ­Software von Drittanbietern hinzugefügt werden muss.

Zum üblichen Funktionsumfang gehören ein Order-­Management-­System (OMS) zur Auftragsabwicklung, in der Regel verbunden mit einem Bestandsmanagement für die jeweiligen Vertriebskanäle, ebenso Rechnungsstellung und ­Gutschriftenerteilung mit automatisiertem Zahlungsabgleich (Faktura). Die meisten Systeme enthalten auch ein Customer-­Relationship-Management, das Transaktions­daten mit Kundenanfragen zusammenbringt (CRM) sowie eine Lager­verwaltung in einem Warehouse-Management-System (WMS) mit Funktionen wie Pack- und Picklisten und meist mit wegeoptimierter Führung durch das Lager. Für Händler mit Filialbetrieb oder Abholung wird oft ein Kassensystem angeboten. Einige Softwarehersteller offerieren weitere Funktionalitäten bis hin zu einem vollständigen ERP: In diesem Fall sind auch Produktinformationssysteme (PIM) zur Speicherung von Mediendateien und Texten, Controlling und Business Intelligence (BI) sowie Finanzbuchhaltung (Fibu) enthalten.

Die Anbieter in der Übersicht

4Sellers

4Sellers ist ein Versandhandelsaufsatz und nutzt als Basis die Cloud-ERP Sage 100. Durch Module und Erweiterungen wird die ERP-Standard­lösung Sage in eine Branchenlösung für ­Onlinehändler umgerüstet. Neben B2-Commerce-Funktionalitäten bietet 4Sellers auch umfangreiche Filialfunktionen. Dazu gehören beispielsweise Hardware-Pakete für das integrierte, vernetzte Kassensystem. 4Sellers beherrscht unter anderem Rechnungswesen und Finanzbuchhaltung, Faktura, OMS, ­Warenwirtschaft, CRM sowie BI-Funktionalitäten und verfügt über ein Dokumenten-Management-System. Angebunden werden beispielsweise Amazon und Ebay, Rakuten, Real sowie Otto. Eine offizielle Preis­auskunft war trotz Nachfrage bei 4Sellers nicht zu erhalten.

Actindo

Actindo ist ein mehrmandantenfähiges E-Commerce-ERP aus der Cloud, das von der Finanzbuchhaltung bis zur Business-­Intelligence alles abdeckt, was ein Händler braucht. Neben ­Amazon, Ebay und Real werden unter anderem auch Otto und Rewe angebunden. Die Unified-Commerce-Suite läuft auf der selbstentwickelten Core1-Plattform und ist nach dem API-first-Ansatz entwickelt worden. Das System ist modular aufgebaut: Kundeninstanzen der Software erhalten virtuelle Prozessoren zugewiesen, um die Performance zu sichern. Je nach Tarif stehen bis zu 15 virtuelle Prozessoren zur Verfügung. Sowohl über einen integrierten App-Store mit reichhaltigem Angebot als auch über API können selbst entwickelte oder fertige Actindo-­Extensions oder Microservices eingebunden werden. Die Grundgebühr bei Actindo beginnt bei 75 Euro pro Monat und Nutzer bei zweijährlicher und 99,75 Euro bei monatlicher Zahlung. Der Betrag sinkt bei zunehmender Nutzerzahl. Pro Transaktion fallen 0,24 Euro an. Im kleinen Tarif sind 3.000 Transaktionen, im nächstgrößeren 6.000 Transaktionen für 199,50 Euro enthalten. Ein unbegrenzter Tarif ist für den Enterprise-Einsatz erhältlich.

Afterbuy

Afterbuy begann als Auftragsabwicklung für Ebay, wurde dann zur Middleware und ist seit Langem auch als Komplettlösung mit inte­griertem Onlineshop erhältlich. Das System verfügt über ­Faktura, OMS, Warenwirtschaft, CRM und BI-Funktionalitäten und bietet damit mittlerweile auch wichtige ­Funktionen, die sonst eher in größeren ERP-Systemen zu finden sind. ­Erweiterungen stehen in einem ­Plugin-Store für alle Bereiche zur Verfügung. Angebunden werden unter anderem Amazon, Ebay, Hood, Real und Rakuten. Erweiternd sind noch eine iPad-Kassen-App und eine iPad-Lager-App vorhanden. Das Ordermanagement von ­Afterbuy ist in der Basisversion ohne Grundgebühr erhältlich, für die Nutzung werden 0,15 Euro pro Transaktion abgerechnet. Hochgradige Automatisierung, Rechnungswesen, ­Bestellwesen, Lagerwesen und CRM gibt es ab 14,90 Euro monatlich und 0,15 Euro pro Transaktion. Für 49,90 Euro kommen ein ­Shop-System, erweiterte BI-Funktionen und zusätzliche Vertriebskanäle dazu. Die Transaktionskosten sinken dann auf 0,10 Euro oder können gegen eine 99-Euro-Flatrate getauscht werden.

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Ein Kommentar
Stephan H
Stephan H

Wir nutzen seit mittlerweile 3 Jahren Billbee und können diese Lösung uneingeschränkt weiterempfehlen. Die hohe Automatisierung, kontinuierliche Weiterentwicklung und faire Preisstruktur wissen wir als Multi Channel Händler sehr zu schätzen.

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