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t3n 16

Trends: Der nächste Hype ist das Jetzt. Und zwar genau jetzt. Echt!

Achtung, wichtige Information zum Schluss dieser Ausgabe: Das „Echtzeit-Web“ kommt! Und das wurde auch langsam Zeit, denn viele News-Junkies warten genau in diesem Moment ganz hibbelig darauf. Endlich erfahren wir, was exakt jetzt passiert und das sofort – toll. Da muss es einen auch gar nicht mehr interessieren, dass... Oh, Moment, da kommt gerade eine News rein. Die sieht wichtig aus. Ach nein, doch nicht. Egal. Zurück zum Thema.

Was ich sagen wollte: Es wird eine faszinierende Welt, in der wir immer und überall erfahren, was jetzt aktuell irgendwo anders los ist. Das kann natürlich dazu führen, dass... Ich sehe, dass es in Wishna-Ashnapur ein Erdbeben gegeben hat. Genaueres weiß man nicht. Okay, wo war ich? Achja: Das Echtzeit-Web. Das ist das, was als nächstes kommt und bei manchen ist es schon fast da.

Twitter steht da (wie so oft) im Mittelpunkt des Hypes. Noch nie konnte man so schnell... Es gab wohl einige Verletzte bei dem Erdbeben, aber es war nichts Schlimmeres. Gott sei Dank! Jedenfalls konnte man noch nie so schnell erfahren, was die Welt bewegt – oder genauer: Man erfährt, was jene Teile der Welt bewegt, die alle verfügbaren Tools nutzen, um zu erfahren, was die Welt bewegt.

Man erinnere sich noch an die Zeiten, als man auf die Zeitung am nächsten Tage gewartet hat, um... Ah, ich sehe gerade, dass es kein Erdbeben war. Da ist wohl jemand im Messzentrum über ein Kabel gestolpert. Na, egal. Was ich sagen wollte: Früher, da haben wir immer... Ha, ha: Das ist ja witzig! Da hat jemand ein Foto mit einer Katze gepostet, die gerade kopfüber von der Couch fällt. Das ist wirklich sehr schön. So etwas würde die Zeitung gar nicht zeigen und schon gar nicht so schnell! In Sekundenschnelle habe ich hier die Info. Mensch, das macht mich jetzt auch ein bisschen hibbelig vor Begeisterung. Das muss ich zugeben. Schon toll.

Die Klickflut startet sofort

Aber weiter im Text: Das Web hat die Zeitungen, da sind wir uns sicher einig, vollkommen überholt. Auch Radio und Fernsehen sind schon länger nicht mehr schnell genug. Und nun überholt das neue, noch schnellere Web das klassische Web – oder das Web, das vor fünf Minuten noch interessant schien.

War man früher (also so um 2007 rum) noch begeistert, wenn Google bereits am nächsten Tag die eigenen Blogposts gefunden hat, startet die Klickflut per Twitter heute sofort und ebbt wenige Sekunden später ab, denn in der Zwischenzeit sind schließlich bereits zehn andere... Im Bundestag ist gerade eine Debatte, übrigens. Das Thema habe ich nicht ganz verstanden, aber die erzählen da offenbar Unsinn über das Internet. Na, die haben's ja sowieso nicht kapiert. Nein, nein, diese Politiker! Reden auch immer über Sachen, von denen sie nichts verstehen.

Wo war ich? Ach ja: im Internet. Das Echtzeit-Web, das uns alle Infos quasi in Lichtgeschwindigkeit aufs Display wirft, das ist das, was kommt. Jetzt gleich. In diesem Moment.

Da kann eine Suchmaschine wie Google einpacken, wenn Twitter tatsächlich eine richtig gute Suche anbieten sollte. Schließlich finden die Twitter-Nutzer kostenlos, rund um die Uhr und in vielen Ländern der Welt heraus, was gerade wichtig ist. Twitter will künftig nicht nur die maximal 140 Zeichen langen Statusmeldungen durchsuchen, sondern auch die verlinkten Seiten. Eine schlaue Idee. Dann könnten sie tatsächlich in Echtzeit zeigen, welche Themen und Websites gerade besonders... Wobei es da neulich so einen Artikel gab, dass das gar nicht so wichtig sei, wie immer alle sagen. Der meinte, es könne auch wichtig sein, Informationen zu überprüfen und zu gewichten, damit man sie richtig einordnet. Und das könne man eben nicht innerhalb von Sekunden. Aber ich finde den jetzt auf die Schnelle nicht mehr wieder. Naja, das war sowieso schon gestern oder vorgestern.

Wir haben doch echt keine Zeit! Nicht jetzt! Auch nicht, wenn sie binär angezeigt wird. Nein.

Wir haben doch echt keine Zeit! Nicht jetzt! Auch nicht, wenn sie binär angezeigt wird. Nein.

Neulich fand ich ein sehr sinniges Video auf YouTube, das in den Kommentaren als „Klassiker“ bezeichnet wurde. Gerade einmal acht Monate vorher war es hochgeladen worden. Oder einmal hatte ich einen wirklich interessanten Link gefunden (ich weiß nicht mehr, was es war) und bekam zu hören: „Na, das ist doch total alt.“ – „Ach ja?“ – „Ja, das hab ich doch heute vormittag schon gelesen.“ – „Oh. Ja, dann...“

Allerdings muss ich sagen, wenn ich so darüber nachdenke: „Real Time“ ist eigentlich total lahm. Ich möchte aus dem Netz am liebsten Dinge erfahren, noch bevor sie passieren. So eine Viertelstunde Vorsprung wäre nicht übel. Damit könnte man dann... Ah, ich sehe, Johnny Haeusler hat auf Spreeblick einen neuen Artikel geschrieben, den schaue ich mir... Oh, Stefan Niggemeier hat bereits eine Antwort darauf... Jetzt twittert... Ein neues Twitpic... Video...

Entschuldigt, aber das ist jetzt gerade wirklich wichtig. Ich weiß nicht genau, was da los ist. Aber da ist was los. Und da muss ich sofort dabei sein. Bis dann!

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