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Networking für Introvertierte: So klappt es, berufliche Netzwerke aufzubauen

Austauschen, inspirieren, ermutigen: Networking bietet Karrierechancen jenseits von Hierarchien und Stallgeruch. (Foto: Philipp Trochim)

Zwei Drittel der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer verzichten auf Networking. Ein Fehler. Denn wer gut vernetzt ist, verdient mehr und findet leichter einen Job. Wie auch Schüchterne Verbindungen mit Erfolg knüpfen.

In Kristallgläsern schwimmt Himbeerbowle, bunt gemusterte Kleider schwingen durch den sonst grau-monochromen Raum. Vor den Fenstern der Dachterrasse liegt Hamburgs Innenstadt im violetten Licht der Dämmerung. „Change the System, not the Women!“ wird auf eine Leinwand projiziert. An diesem Abend feiert das Karrierenetzwerk Nushu seinen ersten Geburtstag. In kurzen Reden erzählen die Mitglieder, wie das Netzwerken ihr Leben verändert hat. Es sind Geschichten von Veränderung und Ermächtigung. Mit dabei: Christin Siegemund, eine große Frau mit blondiertem Bob, roter Designer-Handtasche und passendem Lippenstift. Sie sagt: „Nach den Abenden bin ich wie angeknipst.“

Eine Entwicklung, die sie selbst überrascht. ­„Hätte man mich früher auf eine Netzwerk-Veranstaltung geschleppt, ich wäre schreiend rausgelaufen.“ Damals graute ihr vor dem Small Talk: „Ich dachte immer, ich hätte nichts zu erzählen und wäre da nicht der Typ für.“ So vermied sie Netzwerk-Events lieber.

240 Euro pro Jahr kostet der Mitgliedsbeitrag

Das Ziel der Gründerinnen von Nushu ist es, ­Frauen branchen- und positionsübergreifend zu vernetzen. ­„Starke und nicht so starke, leise und laute Frauen“, so formuliert es ­Annelies Peiner, eine der beiden Geschäftsführerinnen. Zusammen mit Gründerin Melanie Schütze trifft sie alle ­Bewerberinnen persönlich. Sie klopfen ab, ob überhaupt die Chemie stimmt, ob die Erwartungen aneinander vereinbar sind und die Mischung der Mitglieder gegeben bleibt. Über 600 Frauen sind schon dabei und zahlen für diesen Service jährlich 240 Euro.

Auch Siegemunds Laufbahn nahm mit der Mitgliedschaft eine Wendung. Sie fasste den Mut, ihre Startup-Idee für ein „Foodlab“ in die Tat umzusetzen. Die Idee, eine Art Coworking-Space für Gastronomie- und Lebensmittel-­Firmen zu gründen, schwelte schon länger – nun ging sie es gleich größer an als zunächst geplant. Auf 1.200 Quadrat­metern gibt es heute ein Coworking-Büro mit Produktionsküche, Kaffeerösterei und Fotostudio, die man bei Bedarf dazu buchen kann. „Ohne das Netzwerk hätte die Idee ­niemals so schnell Fahrt aufgenommen“, sagt sie. Egal, ob die passende Location oder die Möbel – alles kam über ­Kontakte.

Nicht jedem ist bewusst, welche Vorteile berufliches Networking bietet. Nur ein Drittel der deutschen Arbeitnehmer netzwerkt aktiv, zeigt eine Umfrage des Büromöbelhändlers Viking. Die Karriere kann aber vom Netzwerken profitieren, das zeigt auch die Forschung. Einer Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) zufolge werden in Deutschland rund 40 Prozent der offenen Stellen über Beziehungen vergeben. „Netzwerker werden häufiger befördert, sind in höheren Positionen, verdienen besser und sind erfolgreicher bei der Arbeitsplatzsuche“, erklärt Hans-Georg Wolff, Professor für Organisations- und Wirtschaftspsychologie an der ­Universität Köln, der das Networkingverhalten im beruflichen Umfeld erforscht.

(Grafik: t3n)

Das verwundert kaum: Im entscheidenden Moment über offene Stellen, neue Trends in der eigenen Branche oder Umstrukturierungspläne Bescheid zu wissen, weil man die richtigen Leute kennt, wiegt Fachwissen häufig auf. Wer sich dazu noch mit einflussreichen Leuten umgibt, an den wird bei der Vergabe neuer Aufgaben, Jobs und Herausforderungen eher gedacht. Lange Zeit profitierten von dem Prinzip allerdings nicht alle: Netzwerken war das Thema der Anzugmänner in Kaminzimmern und auf Golfplätzen. Auch Christin Siegemund sei das Netzwerken früher anrüchig vorgekommen, erzählt die 38-Jährige. Heute erinnert sie sich dagegen an einen Spruch ihres Vaters, der gern sagte: „Vitamin B schadet nur dem, der keins hat.“

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Ein Kommentar
George
George

Worin geht’s denn jetzt? Introvertierte oder Schüchterne? Das eine hat mit dem anderen erst einmal gar nichts zu tun. Hier findet eine schlampige Vermischung statt.

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