Interview

„Neue und alte Arbeitswelt gehen nicht zusammen!“ – New-Work-Experte Markus Albers

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t3n Magazin: Du hast im Rahmen deiner Recherchen Ben Hammersly, den ehemaligen Wired-Chefredakteur, getroffen. Neben seinen Vortragsreisen soll er täglich nur eine Stunde arbeiten. Was können wir von ihm lernen?

Markus Albers: Zum einen das Automatisieren von Tätigkeiten. Dinge, die man mehrfach tut, sollte man automatisieren und die Be­schäftigung damit auf ein Minimum reduzieren – das reicht bei ihm bis hin zu Amazon-Abos für Toilettenpapier. Zum anderen ist es ­seine Herangehensweise an die Arbeit selbst: Statt acht, zehn oder mehr Stunden kopflos Dinge wegzuarbeiten, muss man es ­schaffen, sich Zeit freizuschaufeln, um darüber nachzudenken, was wirklich wichtig ist. Was ist wichtig in meiner Arbeit, was will ich erreichen und auf welchem Weg erreiche ich das? Das klingt zunächst einmal nach Zeitverschwendung, bringt am Ende aber einen ­riesigen Zeitgewinn, weil man sich nicht auf das scheinbar Dringende stürzt, sondern auf das Wichtige. Und diese ­Unterscheidung müssen wir jeden Tag wieder von Neuem treffen.

Ich sehe die Gefahr, dass wir uns schon in wenigen Jahren in einer Arbeitswirklichkeit wiederfinden, die keiner wollte.

t3n Magazin: Du schreibst „Wir stellen jetzt die Weichen dafür, wie wir in den nächsten zehn oder zwanzig Jahren arbeiten.“ Das klingt fast so, als könnten wir gerade sehr viel falsch ­machen.

Markus Albers: Ich sehe die Gefahr, dass wir uns schon in wenigen Jahren in einer Arbeitswirklichkeit wiederfinden, die keiner wollte. Künstliche Intelligenz, Sprachassistenten, Datenbrillen – all das erleichtert unsere Arbeit, kann sie aber auch unmenschlicher machen.

t3n Magazin: Wie meinst du das?

Markus Albers: Ich meine damit, dass diese neuen Technologien ein selbstverständlicher Teil unseres Lebens werden. Dann sind wir in ­Zukunft vielleicht nie mehr allein. Können wir dann überhaupt noch ­abschalten? Diesen digitalen Layer über allem, was ­unsere ­Arbeit und unser Privatleben betrifft, sehe ich als ­ernst­zunehmende Gefahr. Dann ist all das, was wir heute erleben, nur ein Vorgeschmack auf das, was uns erwartet. Und daher haben die Unternehmen, die all das entwickeln, eine gesellschaftliche ­Verantwortung, die darüber hinausgeht, neue Dinge zu erfinden.

t3n Magazin: Worin siehst du die Gefahr genau?

Markus Albers: Je kleiner und unauffälliger die Geräte werden, desto größer und mächtiger wird die Infrastruktur im Hintergrund, heißt: Server, Bandbreite, Rechenkraft und Speicher, die nötig sein werden, um ­vernetzte virtuelle Welten zur Verfügung zu stellen, sind ­jenseits von Big Data. Schon heute heißt einer der heißesten Trends unter Personalberatern in den USA zum Beispiel People Analytics, also das Auswerten von Daten über Mitarbeiter, um Muster zu erkennen und darauf zu reagieren. Dabei werden im Auftrag von Unternehmen Bewegungs- und Kommunikationsmuster der ­Angestellten ­analysiert. Auch wenn hierzulande Datenschutzgesetze dem noch einen Riegel vorschieben – diese Entwicklung wird kommen.

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