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Der neue ISO-Standard für Office-Dokumente: Das OASIS Open Document Format

Viel ist über das OASIS Open Document Format geschrieben worden. Eine Menge davon sind Mythen oder schlichte Fehlinformationen. Vor allem Microsoft hält sich nicht damit zurück, auf vermeintliche Unzulänglichkeiten des Formats hinzuweisen. Bei genauerer Betrachtung verwundert dieses Verhalten nicht, denn Microsoft setzt auf seine eigene Entwicklung, das Office-Open-XML-Format. Erwächst zwischen den Formaten eine Konfrontation vergleichbar mit dem Browser-Krieg oder sind wir schon mitten drin?

Um die Frage zu klären, ob uns eine Auseinandersetzung zwischen den Office-Formaten erwartet, müssen wir uns zuerst mit den Motiven befassen, denn ohne strategische Interessen lohnt sich kein Konflikt. Begeben wir uns also auf die Suche nach dem generellen Sinn neuer Office-Formate. Jahrelang haben wir schließlich unsere Texte in den herkömmlichen, nicht-öffentlich dokumentierten Formaten abgespeichert. Was hat sich seitdem geändert?

Die Antwort auf diese Frage berührt ein Phänomen, das zurzeit die IT-Welt beschäftigt: Systeme werden nicht mehr isoliert betrieben, sondern hochgradig vernetzt. Diese Vernetzung von unterschiedlichen Systemen hat sich heimlich, still und leise zu einer Schlüsselfunktion für moderne IT-Infrastrukturen entwickelt. Die grundsätzliche Idee hinter der Vernetzung von verschiedenen Anwendungsprogrammen ist dabei recht einfach und keineswegs neu. Im Prinzip stellt dieser Schritt eine konsequente Weiterentwicklung der Idee von vernetzten Rechnern dar. Eine Idee, die spätestens mit der Realisierung des Internets einen weltweiten Siegeszug angetreten hat. Es ist damit zu rechnen, dass in Zukunft Programme, die sich nicht in vernetzte IT-Strukturen integrieren lassen, Nachteile in der kommerziellen Nutzung haben werden. Hier geht es also um handfeste wirtschaftliche Interessen.

Um den Sinn und die Bedeutung dieser Vernetzung zu verdeutlichen, betrachten wir im folgenden ein Einsatzszenario aus dem Bereich E-Government. Dieser Bereich eignet sich hervorragend zur Illustration der Auswirkungen von Vernetzung, da in der Regel der Zwang zur Nutzung von E-Government-Diensten besteht, wie das Beispiel der elektronischen Steuererklärung zeigt. Wenn solch ein Dienst nur mit einem einzigen Programm nutzbar ist, wird aus dem Zwang zur Nutzung des Dienstes schnell ein Zwang zur Nutzung einer bestimmten Software.

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