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Online-Reputation: Mach dir das Social Web zunutze

Mit der rasanten Ausbreitung von Social Networks steigt auch die Notwendigkeit, sich im Netz als Person mit einem guten Ruf zu etablieren. Das ist nicht nur für persönliche Kontakte, sondern auch für berufliche Perspektiven von immenser Bedeutung. Wer Infos zu seiner eigenen Person im Netz analysiert und steuert, kann seinen Ruf sowie seine Bekanntheit positiv beeinflussen.

Die gezielte Steuerung der eigenen Netzreputation sehen nicht nur Internet-Experten als eine wichtige Herausforderung, auch auf öffentlicher Ebene steht das Thema im Fokus: Die Bundesregierung propagiert den „digitalen Radiergummi“, mit dessen Hilfe Informationen im Netz ein Verfallsdatum bekommen sollen. Experten debattieren indes über Anspruch und Wirklichkeit der „digitalen Erinnerung“. Verlassen sollte man sich weder auf aktuelle Datenschutzbestimmungen noch auf irgendwelche Prognosen. Es gilt, die Verantwortung selbst in die Hand zu nehmen.

Bildnachweis: cydonna / photocase.com

Der Pressesprecher von Google Deutschland, Stefan Keuchel, beispielsweise macht sich das Social Web bewusst zunutze, um in der Öffentlichkeit Glaubwürdigkeit auszustrahlen. „Ich versuche, über Kommunikationskanäle wie Twitter oder Xing ansprechbar und möglichst offen und transparent zu sein“, so Keuchel. In das eigene Image zu investieren, lohnt sich. So ist Wirtschaftspsychologe Herbert Fitzek, Professor an der University of Management and Communication in Potsdam, überzeugt, dass der gute Ruf eines Managers die Produktnachfrage steigern kann: „Produkte verkaufen sich über Personen, deshalb sollte das Image in Einheit mit dem Unternehmen stehen.“

Forscher und Strategen beschäftigen sich derzeit intensiv mit dem Thema Reputation im Netz und den Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft. „Das Social Web hat das Kommunikationsverhalten der Menschen revolutioniert und Unternehmen müssen sich auf einen dialogorientierten Austausch mit der Öffentlichkeit einstellen“, sagt Prof. Dr. Thomas Peisl, Professor für Unternehmensführung an der Fakultät Betriebswirtschaft an der Hochschule München, der sich im Rahmen des Forschungsgebiets Innovationsmanagement mit dem Thema Online‐Reputation befasst. Nach Peisls Erkenntnissen haben Unternehmen und Personen, die die Möglichkeiten und Risiken des Social Web erkennen und sich zunutze machen, die größte Chance, erfolgreich ihre Reputation auf‐ und ausbauen zu können.

Social Media als Karrierekiller?

Nicht nur als Markenbotschafter, sondern auch bei der Karriereplanung spielt der Ruf im Internet inzwischen eine entscheidende Rolle. Laut einer Studie des Branchenverbands BITKOM veröffentlichten im Jahr 2010 bereits 29 Prozent der deutschen Unternehmen aller Branchen offene Stellen in sozialen Netzwerken. Aber die Personaler nutzen Social Media nicht nur zur Stellenausschreibung. Bei einer Befragung der US‐Jobbörse CareerBuilder im Herbst vergangenen Jahres gaben 26 Prozent der Personalbearbeiter an, Informationen über ihre Bewerber im Internet zu recherchieren. Sie klopfen Lebensläufe ab, überprüfen Referenzen, stöbern nach Meinungsäußerungen und Freizeitaktivitäten. Nicht selten legen dabei Handlungen und Meinungen aus der Privatsphäre der Bewerber Details offen, die Personalchefs weitaus mehr interessieren als die eingereichten Bewerbungsunterlagen.

Unternehmen gehen aber noch einen Schritt weiter: Headhunter wie Heidrick & Struggles beschäftigen ganze Abteilungen, um Kandidaten auf Herz und Niere zu überprüfen. Im indischen „Knowledge Management Center“ des weltweit operierenden Personalberatungsunternehmens erstellen Experten nach Informationen der Wirtschaftswoche bis zu 25‐seitige Dossiers über potenzielle Führungskräfte – natürlich mit Hilfe des Internets.

Digitales Vergessen

In der digitalen Welt beeinflusst ein ganzes Arsenal von neuen Medien wie Blogs, Tweets, Posts auf Facebook oder Videos auf Youtube die Reputation im realen Leben. Den meisten ist dabei nicht bewusst, dass die Datenspuren, die Alltagshandlungen im Netz hinterlassen, sich ganz einfach zu einem Persönlichkeitsprofil zusammenbauen lassen – und wie wenig man dies unter Umständen beeinflussen kann. Kritisch wird es vor allem dann, wenn das Profil Fehler enthält, Informationen veraltet oder verjährt sind oder sich gar auf eine ganz andere Person mit gleichem oder ähnlichem Namen beziehen.

Deshalb will das Verbraucherschutzministerium Fotos in sozialen Netzwerken wie Facebook mit einem Verfallsdatum versehen. Der Saarbrücker Informatiker Michael Backes entwickelte zu diesem Zweck die Software X‐pire, die Bilder nach einer bestimmten Zeit mit einer Art „digitalem Radiergummi“ unsichtbar machen soll. An einer ähnlichen Verschlüsselungslösung arbeitet derzeit auch ein Team an der Universität des US‐Staates Washington. Das „Vanish“‐Projekt will erreichen, dass sich digitale Daten aller Art, also nicht nur Fotos, nach einer bestimmten Zeit selbst zerstören. Der Haken: Solange die Daten sichtbar sind, können sie kopiert und ohne Verfallsdatum weiterverbreitet werden. Auch von den mit X‐pire geschützten Fotos kann man während ihrer Sichtbarkeit auf Facebook Screenshots anfertigen und kopieren. Backes räumt daher ein, dass diese Lösung „kein Freifahrtschein“ sei.

Die neue Öffentlichkeit

Kritiker ziehen daher den nachhaltigen Umgang mit persönlichen Daten dem „digitalen Vergessen“ vor. Andy Müller‐Maguhn vom Chaos Computer Club meint zum „digitalen Ratzefummel“ X‐pire: „Ich möchte nur ungern eine technische Lösung abnicken, die bei Leuten nicht greift, die es nicht gut meinen.“ Es könne mehr Schaden als Nutzen stiften, wenn sich die Nutzer in einem falschen Gefühl der Sicherheit wögen. Viktor Mayer‐Schönberger von der Harvard University und Autor des Buchs „Delete“ vergleicht den Versuch, im Netz etwas ungeschehen zu machen, daher auch mit dem Wunsch, eine Tätowierung wegzubekommen. Tinte beziehungsweise Informationen gingen dabei oft nicht weg, sondern verliefen nur noch weiter, sagt er. Auch Journalist und Internetexperte Richard Gutjahr hält die Vorstellung, dass einmal ins Netz gestellte Daten löschbar sind, für naiv. Seiner Meinung nach steht die Gesellschaft beim Thema Öffentlichkeit gerade an einem Wendepunkt. „Wir werden uns daran gewöhnen, dass wir öffentliche Menschen sind und dass wir uns auch selbst in der Öffentlichkeit darstellen wollen“, ist Gutjahr überzeugt. Dr. Bernhard Doll, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Orange Hills GmbH und Experte für die visuelle Modellierung innovativer Strategien, Services und Geschäftsmodelle, hält nichts von Aktionismus, wenn es um den guten Ruf geht. „Reputation ist von Nachhaltigkeit und Beständigkeit geprägt“, ist Doll überzeugt. Reputation sei die Visitenkarte der Persönlichkeit und solle gerade durch die neue Dynamik sozialer Medien proaktiv aufgebaut werden – bevor es andere tun. Doll proklamiert den offenen Umgang mit der eigenen Identität im Web und hält Reputation für ein immens wichtiges Zukunftsthema.

Trend aus den USA: Twitternde und bloggende CEOs

In den USA geht die Entwicklung schon einen Schritt weiter. Dort gibt es eine Reihe von twitternden und bloggenden CEOs, die ihre eigene Reputation zum Aushängeschild des Unternehmens gemacht haben und Social Media als wesentlichen Bestandteil in der Unternehmenskultur verankert haben.

Brian J.Dunn, CEO der amerikanischen Handelskette Best Buy, sagte gegenüber Harvard Business Manager: „Wie kann ich meine Beziehung zu Kunden und Beschäftigten ausbauen und den Dialog dort vertiefen, wo sie sich aufhalten? Momentan sind soziale Netzwerke ein wesentlicher Teil der Antwort.“ Der CEO des Online‐Schuhhändlers Zappos Tony Hsieh ist ein Verfechter von Twitter und gehört mit 1,7 Millionen Abonnenten zu den erfolgreichsten Twitter-Nutzern in den USA. Zu einem der wichtigsten unternehmenskulturellen Werte Zappos’ zählt der Aufbau offener und ehrlicher Beziehungen durch Kommunikation und dies lebt Hsieh als Führungspersönlichkeit vor.

Fazit: Eigenes Persönlichkeitsprofil verfolgen

Wer sich im Internet einen guten Ruf aufbauen will, sollte sich dabei weder zu sehr auf Datenschützer noch auf Ministerien oder neue Technologien verlassen. Da das Selbstbild im Netz sehr stark von Fremdeinwirkungen geprägt ist, ist es wichtig, selbst Verantwortung zu übernehmen. Dazu gehört, die eigene Reputation im Netz ständig im Blick zu behalten, sie zu analysieren und die Informationen über das eigene Persönlichkeitsprofil sinnvoll zu verdichten. Denn nur wer ein klares Bild davon hat, wie sich die eigene Reputation im Netz entwickelt, wird auch in der Lage sein, diese positiv zu steuern und frühzeitig negative Einflüsse gezielt abzuwehren.

Praxistipps für den Reputationsaufbau im Netz
Analyse des Ist‐Zustands: Wie steht es um Ihre Reputation im Netz? Suchen Sie nach sich wie nach einem Fremden. Wird Ihr Name mit Ihnen oder einem Namensvetter in Verbindung gebracht? Sind Sie mit dem Resultat zufrieden?
Erarbeitung einer Reputationsstrategie Mit welchen Schlagwörtern steht Ihr Name im Zusammenhang? Welche Begriffe sollen andere mit Ihnen (privat, beruflich) assoziiert werden?
Monitoring Beobachten Sie nicht nur, was Dritte über Sie schreiben. Achten Sie außerdem auf neue Inhalte von und über Namensverwandten.
Praktische Basistipps
  • Benutzen Sie ein farbiges Bild für Ihre privaten und ein elegantes Schwarz‐Weiß‐Foto für Ihre beruflichen Profile. Dadurch erhöhen Sie Ihren Wiedererkennungswert, machen aber gleichzeitig deutlich, wann Sie sich als Privat‐ und wann als Geschäftsperson äußern.
  • Verwenden Sie keine kompromittierenden Schnappschüsse.
  • Kündigen Sie Mitgliedschaften bei ungenutzten Netzwerken.
  • Prüfen Sie regelmäßig die Sicherheitseinstellungen bei Facebook, Xing & Co.
  • Lassen Sie sich regelmäßig neue Einträge zu Ihrem Namen über Dienste wie GoogleAlert oder Socialmention zusenden.

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Eine Reaktion
Wilderich von Dalwigk

Online-Reputation: Mach dir das Social Web zunutze: ein sehr guter Beitrag. Eine Anmerkung sei anbegracht.

Social Media lässt sich auf vielfältige Art für Unternehmenszwecke nutzen. Besondere Bedeutung hat hierbei das Social Media-Marketing, bei der durch die Beteiligung in diversen Social Media-Diensten Ziele der Marketingkommunikation erreicht werden können. Durch das Social Media-Marketing soll Aufmerksamkeit für eine Marke, für die eigene Dienstleistung oder ein Produkt generiert werden und Unternehmensinhalte sollen vermittelt werden.

Unter Social Media-Monitoring versteht man wiederum das Beobachten von Sozialen Netzwerken wie Blogs, Foren, Communities oder Microblogging-Diensten, um einen schnellen Überblick über Feedback und Themen im Social Web zu bekommen. Dies dient besonders Firmen dazu, unmittelbare Meinungen, Kritik und Anregungen zu Produkten oder Dienstleitungen zu erhalten. Diese werden ausgewertet, um seine Zielgruppe besser erreichen zu können.

Der größte Unterschied zu den traditionellen Massenmedien liegt darin, dass Social Media auf Interaktion zwischen den Nutzern beruht. Social Media funktioniert anders als Fernsehen oder Zeitung, nicht nach dem Sender-Empfänger-Modell, sondern die Nutzer sind Bestandteil des Mediums.

Wilderich von Dalwigk, Eutin

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