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Plädoyer für den Tee – Leitfaden für mehr Genuss

Manch Beuteltee ist besser als sein Ruf, jedoch ist Qualität auch hier unter anderem eine Frage des Preises. Bildnachweis Dan McKay/flickr Lizenz: CC BY 2.0

Es könnte so einfach sein: Teeblätter und heißes Wasser – was braucht man mehr für eine gute Tasse Tee? Doch weit gefehlt, sollte man den Meinungen der Herrscharen von Experten Glauben schenken. Ein ganzer Literaturzweig widmet sich dem kostbaren Blatt und seiner vollendeten Zubereitung. Der richtige Umgang mit Tee gerät zum Glaubensbekenntnis. Dabei gilt es nur ein paar Dinge zu beachten, alles andere ist Geschmacksache. Und über den lässt sich bekanntlich nicht streiten.

Tee wird heute in einer nie dagewesenen Vielfalt angeboten. In den Regalen findet man Tee in allen Facetten – von weiß bis schwarz, von mild, süß oder würzig bis kräftig-rauchig, von der „Heißen Liebe“ bis zum „Yin Zen Silver Needle“. Die Fülle des Vorhandenen schafft bei Unkundigen eine gewisse Verunsicherung. FTGFOP, SFTGFOP und First Flush? Broken, Tippy, Dust und Fannings? Galt Tee neben Wasser nicht als das weltweit am meisten konsumierte Getränk? Richtig! Doch keine Angst vor zu viel Fachchinesisch – andere finden doch auch zu einer guten Tasse Tee.

Der lange Weg zum Tee

Mit „Tee“ ist nur der einzig wahre Tee gemeint, der vom Strauch der Camellia sinensis stammt. Bekannteste Erzeugnisse dieser Ursprungspflanze sind die Schwarzen- und Grünen Tees in ihren verschiedensten Ausprägungen. Damit klar: auch Weißer-, Gelber- oder Oolong Tee stammen von der selben Pflanze ab. Was der gemeine Laie gerne als „Früchte- oder Kräutertee“ zu sich nimmt, schafft es im Fachjargon nur zu einem „teeähnlichen Aufguss“. Somit hätten hier wohl auch das Rangverhältnis geklärt. China ist ohne Zweifel das Mutterland des Tees und heute mit einem Ernteertrag von über 1,3 Millionen Tonnen jährlich größter Teeproduzent der Welt. Aber auch anderen Länder wie Indien, Sri Lanka, Japan, Indonesien und Taiwan sind groß in der Teeerzeugung – und in Lebensweise und Kultur stark von der Produktion des Blattes geprägt. Damit der Tee auch seinen Weg in unsere Geschäfte findet, wird er gepflückt, gewelkt, gedämpft, manchmal geröstet, fermentiert, getrocknet, verlesen, sortiert und verpackt. Was jetzt aus dem Blatt wird, entscheidet der Konsument. Hier beginnt das Dilemma.

Von Spitzenweinen und Teesorten

Was hat Wein mit Tee zu tun? Nichts – aber auch fast alles! Gibt es doch so unendlich viele Weinsorten wie Teesorten. Deren Aufzählung mit den verschiedenen Herkunftsgebieten, unterschiedlichen Geschmacksrichtungen, Eigenheiten, und Wirkungen würde den Umfang dieses Hefts sprengen. Und trotzdem: da stehen sie, die Verpackungen mit ihren verwirrenden Etiketten, mal elegant, mal bunt und poppig, wieder andere funktional und puristisch.

Wie bei Wein gibt es unter den Tees die Champagner und die Grands Crus – das Qualitätserzeugnis wie das einfache Produkt. Doch Tee wie Wein gibt das Geheimnis seines Inhalts nur Preis, wenn man ihn probiert. So wie ein guter Weinhändler Weinproben anbietet, offerieren mittlerweile auch gute Teehändler Proben der jeweiligen Sorten. Ob Profi oder Laie, die Entscheidung, ob ein Tee schmeckt, muss jeder alleine treffen. Hier gilt: was vorher an Qualität nicht enthalten war, lässt sich auch hinterher durch die Zubereitung nicht mehr hinein zaubern. Auch die grundsätzliche Entscheidung, ob Schwarzer oder Grüner oder doch lieber ein Weißer Tee trifft jeder nach seinem ganz eigenen Geschmack. Spätestens wenn man sich für eine bestimmte Sorte, aus einem bestimmten Land, vielleicht sogar für eine bestimmte Lage entschieden und sich mit seinem Tee angefreundet hat, ist das Interesse an dem oben erwähnten Fachchinesisch geweckt. Um seinen Wissensdurst zu stillen, muss man sich nicht durch seitenlange Tee-Almanache quälen, denn gute Informationen zum Thema Tee finden sich auch online.

Manch Beuteltee ist besser als sein Ruf, jedoch ist Qualität auch hier unter anderem eine Frage des Preises. Bildnachweis Dan McKay/flickr Lizenz: CC BY 2.0

Die Sache mit dem Wasser

Frisch soll es sein, sprudelnd, keinesfalls abgestanden, nicht zu heiß, aber auch nicht zu kalt und nur ja nicht zu kalkhaltig. Am besten gefiltert, oder lieber gleich aus der Flasche? Tee ist das individuellste Getränk der Welt. Die Geschmacksvielfalt des Tees ist durch die verschiedenen Sorten und Produktionsmethoden so groß, dass jeder für sich selbst herausfinden muss, wie er sein Wässer- chen trüben möchte.

Das gilt nicht nur für das Wasser, sondern auch für die Ziehzeit oder die richtige Teeblattmenge. Doch bei allen Überlegungen sollten man nicht vergessen, wie es um die Wasserqualität in den Ländern steht, in dem Tee seinen Ursprung hat. Einige grundsätzliche Empfehlungen können bei all diesen Geschmacksfragen helfen: Schwarzer Tee ebenso wie Kräuter- und Früchtetees werden mit sprudelnd kochendem Wasser aufgegossen. Grüner und Weißer Tee, ebenso wie die meisten Oolong Tees hingegen vertragen es besser, wenn man das frisch aufgekochte Wasser auf siebzig bis achtzig Grad abkühlen lässt. Kräftige Schwarztees kaschieren hartes Wasser besser als ein zarter milder Weißer oder Grüner Tee. Zu der richtigen Teeblattmenge sei gesagt: mehr Gramm Teeblätter pro Liter bringen nicht automatischen einen besseren Tee hervor: weniger ist hier mehr. Die für viele Tees angegebene Teeblattmenge von 10-12 Gramm pro Liter ist oftmals viel zu hoch, ausreichend sind meist 6-8 Gramm pro Liter. Ein geschmacklich stärkeres Ergebnis ergibt sich in diesem Zusammenhang eher aus Variationen in der Ziehzeit. Diese benötigt der Tee, damit sich die verschiedenen Inhalts- und Geschmacksstoffe in den Aufguss lösen. Grüne und helle Schwarztees brauchen eine eher kurze Ziehzeit, kräftige Schwarztees sowie Kräuter- und Früchtetees vertragen eine längere Ziehzeit.

Von Beutelausdrückern und Freiheitslobbyisten

Ja, es gibt sie und sie sind zahlreich: die Gegner des Teebeutels, dieses „Banausensacks“, der dem Blattfrevel Tür und Tor geöffnet hat. Hartnäckig halten sich die Gerüchte um den schlechten Bei- geschmack des Aufgussbeutels, ja sogar von „chemischen Reaktionen“ wird mancherorts gesprochen.

Selbstverständlich entfalten sich die kostbaren Teeblätter besser, wenn sie frei, hemmungslos und ohne jegliche Barriere in einer Aufgusskanne floaten können. Aber mal ehrlich – wer hat schon zwischen dem Neun-Uhr-fünfzehn-Termin und der Zehn-Uhr-Sitzung Zeit für eine ausgiebige Teezeremonie für die optimale Zubereitung? Wenn es mal flott gehen muss, sind Teebeutel in erster Linie einfach praktisch. Dass sich in ihnen nur der Abfall befindet, die letzten Krümel, das was beim Ausfegen der Produktionshalle noch zusammen kommt, ist böse Verunglimpfung.

Der verpönte Beutel hat mittlerweile beachtliche Fortschritte gemacht und erstrahlt in durchsichtigem Gewand in neuer Pyramidenform. Zwar geht den „Freiheit-für-die-Teeblätter-Fordernden“ auch diese mehr raumgebende Form nicht weit genug. Dennoch kann sich der Inhalt oft sehen lassen. Aber auch hier gilt der Grundsatz: was an Qualität nicht drin ist, lässt sich auch hinterher durch eine richtige Zubereitung nicht mehr hinzufügen. Bei einem Preis von 99 Cent für zwanzig Beutel kann man bezüglich der Qualität seine eigenen Schlüsse ziehen. Wie dem auch sei: Teebeutel bedeuten heute bei Zeit- und Lustmangel nicht mehr den totalen Verzicht auf eine gute Tasse Tee.

Teetrinker – die besseren Menschen?

Ruhig und ausgeglichen sollen sie sein, gelassen, sozial eingestellt und naturverbunden. Sie genießen angeblich mehr, leben bewusster und sind Optimisten. Oftmals wird Teetrinkern auch eine bessere Gesundheit attestiert als Kaffeetrinkern, aber stimmt das wirklich? Ganz ehrlich? Keine Ahnung! Wahrscheinlich ist auch dies eine Frage, der jeder selbst auf den Grund gehen muss. Egal ob im Beutel oder lose, ob „echter“ Tee oder „teeähnlicher“ Aufguss, ob Bio oder konventionell, mit Aroma oder naturbelassen – probieren Sie es aus, die Sache mit der guten Tasse Tee! Und wer weiß – vielleicht macht es Sie ja zu einem besseren Menschen.

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