Trendreport

Quereinstieg in die IT: Wie sich die Branche verändert

Fachliche Kompetenzen direkt nach Unternehmensbedarfen entwickeln: Darauf sind Hochschulen wie die Berliner Code University of Applied Sciences spezialisiert. (Foto: Code)

82.000 Stellen in der IT waren Ende vergangenen Jahres unbesetzt. Der ­Engpass auf dem Arbeitsmarkt kommt denen zugute, die keine klassische ­Ausbildung durchlaufen haben: Quereinsteigern oder Spezialisten ohne Ausbildung.

Über Bewerbermangel kann sich Cathleen Scharfe nicht beschweren: An fast jedem zweiten Arbeitstag liegt im E-Mail-Postfach der jungen Frau eine Jobanfrage. Auch über Karriereportale wie Xing und Linkedin wird sie immer wieder angeschrieben. Meistens überfliegt Scharfe die Bewerbungen und schreibt dann in wenigen Sätzen eine Absage: „Vielen Dank, leider derzeit unpassend“. Ab und zu seien aber auch mal richtig interessante Anfragen dabei, erzählt die 30-Jährige.

So weit, so normal – würde Scharfe als ­Personalerin arbeiten. Doch Scharfe ist Softwareentwicklerin: Die Dresdnerin war bis kürzlich als Freiberuflerin tätig und hat im Juli Herzdigital gegründet, eine Software-Agentur, die Gesundheits-Apps etwa für Krankenhäuser oder Physiotherapeuten entwickelt. Die Bewerbungen, die Scharfe bekommt, sind von Firmen und Headhuntern, die sie als Entwicklerin anstellen wollen. Mit anderen Worten: ­Scharfe erlebt in der Praxis täglich, was es heißt, wenn Ökonomen darüber dozieren, dass sich der IT-Arbeitsmarkt vom Nachfrager- zum Anbietermarkt gewandelt habe.

IT-Mitarbeiter dringend gesucht

Scharfe befindet sich in guter Gesellschaft. Denn wer sich mit Anwendungsentwicklung und -design auskennt, ist längst nicht mehr nur bei Softwarefirmen wie SAP gefragt. Ob Versicherer, Banken oder Industriekonzerne: So gut wie alle Unternehmen digitalisieren derzeit ihr Geschäfts­modell, ihren Vertrieb und ihre Fabriken. Dafür brauchen sie die richtigen Mitarbeiter. Softwareentwickler, IT-Projekt­manager, Qualitätsmanager und Sicherheitsexperten sind besonders gefragt. Laut einer Untersuchung des Digital­verbands Bitkom fehlten Ende vergangenen Jahres in Deutschland rund 82.000 IT-Spezialisten – 49 Prozent mehr offene Stellen als ein Jahr zuvor. „Und dieser Trend wird weiter zunehmen“, prognostiziert Bitkom-Bildungs­expertin Natalie Barkei.

Der Engpass auf dem Arbeitsmarkt macht nicht nur Menschen wie Cathleen Scharfe zu gefragten Personen. Er eröffnet auch Perspektiven für Kandidaten, die bislang keine klassische IT-Karriere durchlaufen haben. Die begann lange Zeit für die meisten mit einer Ausbildung – etwa zum Fachinformatiker oder IT-Systemelektroniker – oder mit einem Studium. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit trifft das derzeit auf 85 Prozent der sozialversicherungspflichtig beschäftigten IT-Fachkräfte zu. Auch Scharfe studierte an der HTW Dresden zuerst Medieninformatik und dann Angewandte Informationstechnologien.

Doch der Bedarf an Arbeitskräften wächst so schnell, dass dieser „Zeugniszwang“ immer häufiger entfällt. Laut Arbeitsagentur machen heute schon acht Prozent der IT-Fachkräfte ihren Job ganz ohne Fachausbildung. In ­Zukunft dürften es noch mehr werden – auch, weil neue Berufsbilder entstehen, deren Inhalte noch gar nicht den Weg auf die Lehrpläne der klassischen Ausbildung ­gefunden ­haben. So bietet etwa der noch relativ junge Beruf des Data-­Scientists neue, fachfremde Perspektiven für Physiker: Denn diese haben in der Regel im Studium gelernt, ­große Datenmengen zu analysieren. Für User-Interface-­Designer, Cloud-Architekten oder Roboter-Programmierer gilt: In ihrem Fachbereich gibt es nicht nur eine Unterzahl an Bewerbern, sondern oftmals noch gar keine formalen Einstellungskriterien, die es zwingend zu erfüllen gilt.

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