How-To

Remote-Mob-Testing: Anleitung für agile Qualitätssicherung

Eine Anleitung für explo­ratives ­Remote-Mob-Testing. (Foto: Shutterstock / fizkes)

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Zur Qualitätssicherung testen agile Entwicklerteams am besten gemeinsam und ­explorativ. Aber geht das auch remote aus dem Homeoffice? Eine Anleitung für explo­ratives ­Remote-Mob-Testing.

Agile Entwicklerteams testen heute anders: nicht mehr am Ende ihres Entwicklungsprozesses, wie das beim Wasserfallmodel ­üblich war, sondern parallel zur Entwicklung. Sie integrieren damit die Qualitätssicherung ganzheitlich in den Entwicklungsprozess. Automatisierte Tests – zum Beispiel Unit- und API- oder UI-Tests – ergänzen dabei das manuelle Testing. Während automatisierte Tests immer wieder die Grundfunktionalität einer Software sicherstellen, erforschen die Teams mit manuellen Tests Grenzfälle und unbekannte Risiken. Gleichzeitig liefern manuelle Tests während des Entwicklungsprozesses sehr schnell Feedback hinsichtlich der Softwarequalität.

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Doch wie müssen manuelle Tests konkret aussehen, um ­möglichst wertvolles Feedback zu liefern? Eine effektive ­Methode dafür ist das sogenannte „explorative Testen“. Jeder Mensch ist von Natur aus ein Forscher (Explorer). Wenn wir zum Beispiel eine neue Stadt besuchen, erkunden wir die ­kleinen Gassen, ­testen unterschiedliche Cafés und besuchen am letzten Tag das, was uns am besten gefallen hat. Hören wir ein lautes Geräusch, drehen wir uns instinktiv um, um heraus­zufinden, ob uns eine ­unbekannte Gefahr droht. Wir erforschen unsere Welt – ob wir nun ­alleine zu Hause sind, mit unserer besten ­Freundin shoppen gehen oder mit der Clique einen Ausflug ­machen. Explorativ zu testen, ist damit eine intuitive Methode, bei der ­Lernen, ­Test­design sowie Testausführung gleichzeitig stattfinden und das gewonnene ­Wissen direkten Einfluss auf den nächsten Test hat.

Explorative Tests lassen sich allein, zu zweit oder in der ­Gruppe – hier „Mob“ genannt – ausführen. Ebenso wie beim agilen Mob-Programming testen alle Teammitglieder beim Mob-­Testing dasselbe Feature zur selben Zeit am selben Computer und damit auch am selben Ort. Das hat einen entscheidenden Vorteil: Denn auch wenn agile Entwicklungsmethoden immer häufiger ­Anwendung finden, ist vielen Entwicklern noch nicht voll bewusst, dass auch sie für die Softwarequalität verantwortlich sind. Gemeinsam zu testen und dabei Wissen über eine gemeinsame Plattform auszutauschen, stärkt das Bewusstsein für die Qualität und auch die Kompetenz zum Testen im gesamten Team. Dabei empfiehlt sich folgendes Setup:

  • Eine Person des Mobs übernimmt in der Rolle des Drivers die physischen Aufgaben wie das Bedienen der Tastatur.
  • Die restlichen Mitglieder des Mobs übernehmen die mentalen Aufgaben. Sie diskutieren, rezensieren und geben Anweisungen an den Driver.
  • Oft gibt eine vorab erstellte sogenannte „Test-Charta“ eine grobe Orientierung für eine explorative Mob-Testsession vor.
  • Nach einer Zeitspanne von fünf bis zehn Minuten wechselt ein anderes Mitglied des Mobs in die Rolle des Drivers.

Remote-Mob-Tests vorbereiten: Hard- und Software

Durch Corona ins Homeoffice ge­zwungen, erkennen viele Softwarefirmen, dass die Arbeit von zu Hause auch Vorteile hat. So lassen sich zum Beispiel Kosten wie Strom- und Mietzahlungen einsparen. Zudem steigt die Produktivität im Durchschnitt. Auch für die Mitarbeiter ergeben sich Vorteile. Sie können sich ihre Zeit freier einteilen, haben mehr Zeit für die Familie und können im Pyjama arbeiten, wenn sie wollen. Einen dauerhaften Umstieg aufs Homeoffice können sich daher immer mehr Firmen vorstellen. Doch wie soll ein Mob dann noch am selben Computer und Ort testen? Ganz einfach: mittels Remote-Mob-Testing. Hier ­ersetzt ein virtueller Arbeitsraum den realen. Mitarbeiter kommen also am selben virtuellen Ort zusammen, um zu testen. ­Diese Form des Testings stellt das Team jedoch vor zusätzliche Herausforderungen. Dazu gehört zum Beispiel die Wahl ­geeigneter Soft- und Hardwarelösungen. ­Außerdem ist die Kommunikation schwieriger, und ein Team­gefühl stellt sich auch nicht so leicht ein. Daher brauchen Unternehmen hier neue Strategien.

Zunächst ist die Wahl eines geeigneten Kommunikationstools unabdingbar. Namhafte Lösungen sind zum Beispiel ­Microsoft Teams, Zoom, Teamviewer, Skype oder Big Blue Button. Dabei sollte jedes Team zunächst seine Anforderungen an ein ­solches Werkzeug definieren und dann durch Evaluation auswählen. Wichtige Aspekte für die Evaluation können zum Beispiel ­folgende Punkte sein:

  • Screensharing-Option
  • Kontrollübergabe-Funktion
  • Tonqualität
  • Videofunktion
  • Meldefunktion

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Ein Kommentar
Martin Beschnitt
Martin Beschnitt

Spannendes Thema. Ich hoffe, nur, dass es das User Testing nicht ersetzt. Denn: das Entwicklerteam ist ungleich der Zielgrunnde / Endanwendergruppe. Zudem sind wir alle nur Menschen; wenn ich mein eigenes Produkt teste, bin ich befangen. Wenn ich Kollegen*Innen Feedback geben, sage ich selten offen und ehrlich, dass Ihr Baby hässlich ist.
LG

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