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Remote Work: So stärkt ihr das Teamgefühl im Homeoffice

Immer im Homeoffice: Beim US-Softwareunternehmen Buffer gibt es überhaupt keine Büros, alle arbeiten standardmäßig von zu Hause. (Screenshot: Buffer)

Lesezeit: 8 Min.
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Corona hat zur ­Einsicht ­geführt: Homeoffice lässt sich technisch einfach umsetzen. Alle Abläufe und Strukturen umzustellen, ist hingegen eine große Herausforderung. Wie machen das Unternehmen, die schon immer remote ­arbeiten?

Um sieben Uhr klingelt der Wecker für Marcus Wermuth. Auf­stehen, mit dem Hund rausgehen, Kaffee und los: Vom Arbeits­zimmer in seiner Wohnung in München aus telefoniert und ­chattet er den ganzen Tag mit Kollegen. Für Wermuth ist die ­Arbeit zu Hause Normalzu­stand. Denn er ist Engineering ­Manager bei der US-Softwarefirma Buffer. Die ersten Remote-Mitarbeiter gab es dort 2011. Vier Jahre später hat sich das Unternehmen vom offiziellen Hauptbüro in San Francisco verabschiedet und komplett auf Remote-Arbeit umgestellt. Von den damals 50 Mitarbeitern wohnten sowieso nur noch neun in der Nähe des Büros – und auch die blieben meist zu Hause.

Mitten in dieser Umbruchphase vom realen zum digitalen Miteinander ist Wermuth bei Buffer eingestiegen. Geändert hat sich für ihn zunächst kaum etwas. Als freiberuflicher Entwickler arbeitete er bereits daheim. Diese Freiheit schätzt er. Statt wie zuvor seine Kunden, sind nun seine Kollegen weltweit verstreut: in Indien, Taiwan, Großbritannien und den USA. Als Engineering Manager ist er dafür verantwortlich, dass in den dezentral arbeitenden Teams alles rund läuft.

Nur wenige Unternehmen setzen bislang so konsequent wie ­Buffer auf Remote-Teams. Erst in der Coronakrise wurde es plötzlich für unzählige Unternehmen weltweit zum „New ­Normal“: Kollegen nur noch am Bildschirm sehen, keine morgendliche Fahrt ins Büro, kein Plausch in der Kaffeeküche, kein Meeting im Konferenzraum mehr. Die Technik für digitales Zusammenarbeiten auf die Beine zu stellen, ist gar nicht mal so schwierig. Das haben die meisten Unternehmen schnell gelernt. Nach ersten Anfangsproblemen war bald jeder mit den nötigen Tools ausgestattet. Spätestens nach den ersten Lockdown-Wochen wurde aber auch vielen klar: Die technische Infrastruktur allein reicht bei Weitem nicht, um erfolgreich in Remote-­Teams zusammenzuarbeiten.

Gewohnte Prozesse, Abläufe, Routinen und der ganze Kommunikationsstil gerieten in den meisten Unternehmen schnell an ihre Grenzen. „Eine Unternehmenskultur wächst langsam und lässt sich nicht von einem Tag auf den nächsten aus der Offline- in die Online-Welt versetzen“, sagt Conny Antoni. Er ist Arbeits- und Organisationspsychologe an der Universität Trier und untersucht, wie Unternehmen und Mitarbeiter in der Praxis mit der Arbeit von zu Hause klarkommen.

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In vielen Fällen lautet das Urteil: nicht so gut. Denn ­während sich Unternehmen oft viele Gedanken über die Technik ­machen, fällt oft erst spät auf, dass die eigentlichen Probleme die ­Kommunikation, eine funktionierende Feedback-Kultur und das Wir­gefühl im digitalen Arbeitsraum sind.

Im Full-Remote-Modus

Wie es gelingt, diese Faktoren auch im Full-Remote-Modus ­erfolgreich zu managen, kann man sich von Unternehmen wie ­Buffer abschauen. Denn sie wissen, dass sich die meisten Menschen auf das Arbeiten von zu Hause erst mal einstellen ­müssen. Das Onboarding spielt daher eine besonders wichtige Rolle. ­„Kollegen, die von zu ­Hause aus einen neuen Job antreten, kann man nicht einfach an die Hand nehmen, ihnen das Büro zeigen und jeden Kollegen einzeln vorstellen“, sagt Buffer-Teamleiter Wermuth. Und: Sie bekommen nicht mal eben nebenbei auf dem Büroflur, in der Konferenz und in der Kantine ein Gefühl dafür, wie das neue Team tickt.

Damit alles reibungslos funktioniert, bekommen neue Teammitglieder bei Buffer drei Ansprechpartner für die ersten ­Wochen: ihren Vorgesetzten, einen Mitarbeiter in gleicher ­Position und einen Experten von der Personalabteilung, der für das Wohlbefinden und alltägliche Fragen zum Remote-Arbeiten da sein soll. Wenn remote-unerfahrene Unternehmen auf Homeoffice umstellen, sollten sie sich einen entsprechend angepassten Onboarding-Prozess für ihre Mitarbeiter überlegen und sie dabei eng begleiten, findet Wermuth.

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2 Kommentare
Chris
Chris

Ein Bot lost Kollegen aus, die dann gezwungen werden sich halbprivat auszutauschen? Der Teamleiter fragt mich eine viertel Stunde privat aus? DAS ist für mich derart unnatürlich und befremdlich, dass ich eine derartige Stelle/Job ablehnen oder schnellstmöglich verlassen würde. Vertrauen und Zugehörigkeit, Loyalität, Zwischenmenschlichkeit kann man nicht am Reißbrett aus dem Elfenbeinturm planen. Gruselig.

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Peter
Peter

@Chris: Die Erkenntnis dass ihr nicht zusammenpasst wäre wohl beiderseitig. Wie auch in vielen anderen Aspekten liegt beim Personal der Segen im Einkauf, also im Recruiting: Idealerweise werden dort von beiden Seiten hohe Maßstäbe angelegt, um spätere Enttäuschungen zu vermeiden. Umso besser, wenn der potentielle Arbeitgeber transparent seine Organisation und Prozesse offenlegt. Vollständiges virtuelles Arbeiten in Team-Strukturen schafft dauerhaft nicht jeder, weder als Einzelperson noch als Unternehmen. Auch wer schon länger erfolgreich als Home-Office-Einzelkämpfer (zum Beispiel als Freelancer) gearbeitet hat ist nicht notwendigerweise virtuell teamfähig, zum Beispiel in einem Scrum Team.

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