Ratgeber

Seo mit Fraggles: Wie wichtig Informationsfragmente in Zukunft werden

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Für die Ära der gesprochenen Suche muss Googles KI natürlich auch wissen, was sie auf welche Weise vorlesen soll. Einfach nur eine Website herunterzubeten, ist definitiv keine Option. Dan Brickley, Mitarbeiter bei Google im Bereich Semantic Web, hat deshalb ein neues Schema für gesprochene Inhalte vorgeschlagen. Das „Speak­able“-Schema versetzt Googles intelligenten Sprachassistenten, derzeit ausschließlich in den USA, in die Lage, nur die entsprechend markierten Inhalte einer Website vorzu­lesen – ein enormer Mehrwert für Nutzer, die die Sprachausgabe jetzt schon bevorzugen oder auf diese angewiesen sind. Und perspektivisch will Google auch die Suche in Videos ermöglichen, also die exakte Position einer gesuchten Information in einem Video finden und dem Suchenden anzeigen. Da Google im Besitz von mehr als einer Milliarde Videos mit automatischen Unter­titeln ist, dürften die Algorithmen des Konzerns nicht mehr lange brauchen, um Videos genauso gut zu verstehen wie Text – ebenso natürlich wie die im Video enthaltenen Entitäten. Sobald ­Googles Algorithmen Videos und Texte hundertprozentig verstehen, ­können sie viele neue Entitäten verknüpfen. Und einen bunten Mix aus Formaten und Content-Fragmenten an den Nutzer ausspielen.

Was der Aufstieg der Fraggles für die SEO-Branche bedeutet

Es gibt also deutliche Anzeichen für einen bevorstehenden ­Paradigmenwechsel, der sich auf den folgenden Nenner bringen lässt: Während Google bisher im Wesentlichen Domains und/oder Unterseiten einer Entität zugeordnet hat, wird die Suchma­schine dies zukünftig mit granularen Informationen und Content-­Fragmenten tun, die von verschiedenen Websites stammen können. Der Knowledge-Graph liefert einen Vorgeschmack auf dieses Vorgehen.

Was sind Fraggles und wie funktionieren sie? Diese Grafik hat Cindy Krum auf der Digitalen Marketingkonferenz 3XE in Dublin vorgestellt. Fraggles sind fein granulierte Informationsstückchen, die sich um eine Entität wie „Terrier“ herum gruppieren. (Grafik: t3n)

Was sind Fraggles und wie funktionieren sie? Diese Grafik hat Cindy Krum auf der Digitalen Marketingkonferenz 3XE in Dublin vorgestellt. Fraggles sind fein granulierte Informationsstückchen, die sich um eine Entität wie „Terrier“ herum gruppieren. (Grafik: t3n)

Wenn SEO-Marketer Wörter auf einer Seite nicht mehr einfach nur als Worthaufen behandeln, sondern als Kombination verschiedener Entitäten mit unterschiedlichen Beziehungen zueinander, hat das letztlich viele Vorteile. Entitäten sind nämlich sprachneutral. Eine Stadt (München) kann in unterschiedlichen Sprachen verschiedene Bezeichnungen haben (Munich oder Monaco). Die Stadt ist aber immer dieselbe. Und auch die entsprechenden Eigenschaften (wie Einwohner, Fläche, ­Wetter und vieles mehr) sind gleich. Deshalb versucht Google laut ­Webma­ster-Trends-Analyst John Müller auch, unterschiedliche Algorithmen pro Land zu vermeiden. Seit 2013 gibt es die Anmerkung „hreflang“, damit Googles Suchalgorithmen die geografische Ausrichtung einer Website verstehen und die jeweils dazu passende Sprachversion oder regionale URL eines Inhalts ausliefern können. Eine gute Möglichkeit, um Machine-Learning-Algo­rithmen zu trainieren und die Translation-API zu verbessern: Durch den direkten Vergleich der gleichen Inhalte im gleichen Kontext über mehrere Sprachen hinweg hat Google immer besser gelernt, Entitäten in ihrem Kontext zu verstehen. Das ist die Basis für sprachneutrales Entity-­First-Indexing. Oder einfacher gesagt: Ein Index, der alles regelt – one index to rule them all.

Dass Google perspektivisch das Mobile-First-Indexing durch ein Entity-First-Indexing ersetzen wird, hat Cindy Krum in einer lesenswerten Artikelserie analysiert. Wenn SEO und ­Marketer die Suchergebnisse auch in Zukunft noch gestalten wollen, müssen sie mit strukturierten Daten arbeiten. Nur so können sie wirklich relevante Informationen als Rich Snippets oder als Teil des ­Knowledge-Graphs ins Ranking bringen. Dafür müssen sie ­natürlich Inhalte auf ihre Seite bringen, die grundsätzlich relevant sind, und die für eine Entität notwendigen Informationen in einen erweiterten Kontext stellen. Um beim Beispiel von München zu bleiben, geht es nicht nur darum, die richtige Einwohnerzahl (München hat 1,45 Millionen Einwohner) anzubieten. Vielmehr sind weitere, sinnhafte Hintergründe wichtig, wie „München ist die bayerische Landeshauptstadt, hat 1,45 Millionen Einwohner, beheimatet das Oktoberfest und zeigt mit dem Glockenspiel des Rathauses am Marienplatz Melodien und Geschichten aus dem 16. Jahrhundert“.

Dave Davies, Gründer und Geschäftsführer der SEO-­Service-Agentur Beanstalk gibt noch einen weiteren Hinweis. Bei der Zusammenstellung der Inhalte ist es wichtig, Beziehungen rund um eine Entität möglichst klar aufzuzeigen. In dem Satz „Dave Davies war der Gitarrist der Kinks“ werde klar, dass es sich um seinen Namensvetter und Bandgründer handele. Stünde hier nur „Dave Davies“, wäre die Entität nicht eindeutig beschrieben.

Fazit

Die Zukunft der Suche sind einzelne Informationsfragmente, die von Suchmaschinen sinnhaft zusammengestellt werden, um Nutzern die hilfreichste Antwort zu geben – eine Antwort, die so gut ist, dass Nutzer nicht mehr zu einzelnen Websites weiter surfen. Dabei sollten SEO und Marketer von vornherein geräteübergreifend denken und ihre Informationen gerätespezifisch interpretieren und strukturieren. Modernes und zukunfts­fähiges SEO muss Endgeräte wie den Google Assistant berücksichtigen. Das bedeutet, dass eine Suche via Google Home zum Beispiel ­Audio-Inhalte als Antwort verlangt, eine Suche über einen Smart TV jedoch Videos oder Apps. Am Ende geht es schließlich ­immer darum, den Nutzer die bestmögliche Antwort in der für die ­Situation passendsten Form zu servieren.

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Ein Kommentar
Aldin Vojic

Hallo Christian,

da hast du absolut Recht! Angefangen bei den strukturierten Daten wie man sie bisher kennt, lässt sich ein klarer Trend zum Entity-­First-Indexing erkennen. Die einzige Frage die ich mir dabei stelle ist, wie sich dieser Wandel in der Umsetzung dann tatsächlich auf die Unternehmen auswirkt. Bisher konnte durch gezieltes Content Marketing in Form von Blogartikeln oder FAQ’s Prospects zu Kunden gemacht werden. Fällt die Notwendigkeit des Websitebesuchs und somit die Möglichkeit der Conversion weg, fehlt bestimmten Webmastern auf den ersten Blick ja die Motivation, relevante Inhalte und Informationen zur Verfügung zu stellen.

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