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Shoptech 2.0: E-Commerce-Systeme der nächsten Generation

(Grafik: Shutterstock / jamesteohart)

Allein über schöne Interfaces werden sich Onlinehändler in Zukunft nicht mehr ­voneinander abgrenzen können. Auch ihre Technologie muss unverwechselbar werden. Wir stellen fünf E-Commerce-Systeme vor, die Händlern genau das ermöglichen wollen.

Externe Shopsysteme und -baukästen haben es in den vergangenen Jahren unzähligen Händlern ermöglicht, auch ohne technologisches Know-how digitale Absatzkanäle zu erschließen. Ihre zentrale Rolle werden diese Systeme auch so schnell nicht verlieren. Dennoch tauchen – unter dem Begriff Shoptech 2.0 zusammengefasst – vermehrt neue Ansätze für den Onlinehandel auf, bei denen der Händler, also der Anwender selbst, wieder eine zentrale Rolle spielt. Die Bedeutung von Fachwissen und entsprechenden Kapazitäten im eigenen Haus steigt damit wieder.

Dafür, dass Onlinehändler selbst zu Technologieunternehmen werden, sprechen viele Argumente: Onlineshops, die bei hohen Zugriffsraten in die Knie gehen, verlieren Umsätze, Marketing­automationen erfordern hohes Fachwissen. Logistik über mehrere Lager hinweg zu managen, setzt komplexe Systeme voraus. Die Liste ließe sich beliebig in jedem Bereich eines Handelsunternehmens fortführen. Eines der wichtigsten Argumente ist jedoch die strategische Herausbildung von Alleinstellungsmerkmalen, die in einer Onlinewelt rein technologisch umgesetzt und abgebildet werden: Diese USP mit einer einheitlichen Standardsoftware zu entwickeln, wird in Zukunft immer schwieriger werden.

Framework oder Platform-as-­a-Service?

Mehr Flexibilität versprechen Frameworks und Platform-as-a-Service (PaaS), die keinen fertigen Onlineshop liefern, sondern Maßanfertigungen bis ins letzte Detail ermöglichen. Der Unterschied zwischen Framework, PaaS und Standardsoftware liegt in den Funktionsprinzipien der unterschiedlichen Ansätze: Während eine Shopsoftware ein anpassbares, konfigurierbares, aber fertiges Programm ist, das Individualisierung nur in vordefinierten Bereichen erlaubt, handelt es sich bei Frameworks und ­PaaS-Systemen sinnbildlich um Betriebssysteme. Beim PaaS-System werden dem Entwickler fertige Funktionalitäten zur Verfügung gestellt, auf deren Basis er Anwendungen ent­wickeln, konfigurieren und umfangreiche Anpassungen vornehmen kann. Auch hier kann der Entwickler allerdings nicht selbst in den Kern des Betriebssystems eingreifen. Anders beim Framework: Hier stellt sich der Nutzer aus Komponenten sein Betriebssystem selbst zusammen – und darf bis auf Code-Ebene eingreifen. Der Individualisierungsgrad ist hier also am höchsten. Frameworks können zudem nicht nur über Cloudinfrastrukturen, sondern auch komplett auf eigenen Servern betrieben werden.

Fünf Shopsysteme mit Zukunft

Im Folgenden stellen wir fünf der aktuell spannendsten ­Systeme aus dieser nächsten E-Commerce-Generation vor. Händler ­können mit allen Systemen mindestens ihr Produkt-, Katalog-, Bestell- und Bestandsmanagement sowie Lager- und Logistikmanagement abwickeln. Manche Systeme bieten zusätzlich Checkout- und Payment-Funktionalitäten und weitere Features.

Allen Systemen ist gemeinsam, dass sie dem Prinzip des „Headless Commerce“ folgen, also Händlern nur den „Rumpf“, das Backend, für eine E-Commerce-Anwendung zur Verfügung stellen. Der „Kopf“, das Frontend in Form einer App, eines Online­shops, eines Chatbots oder eines Sprachassistenten, ist nicht Bestandteil des Systems. Durch diese Trennung von Frontend und Backend ergibt sich eine wesentlich größere Flexibilität in der Entwicklung von Nutzeroberflächen – und in der Regel automatisch auch eine verbesserte Performance.

About You Backbone

Die Cloudlösung Backbone ist als API-basierendes System von About You entwickelt worden. Der stark wachsende Onlinehändler mit ­aktuell rund 280 Millionen Euro Jahresumsatz ist auf skalierbare Systeme angewiesen – und hat sich diese selbst geschaffen. Backbone ist performancetechnisch auf Unternehmen mit einem Jahresumsatz von bis zu einer Milliarde Euro ausgelegt, gehostet wird passend dazu bei Amazon Web Services. Im Moment verarbeitet Backbone für About You rund 80 Millionen API-Calls pro Tag, skaliert durch Load-Balancer aber automatisch hoch. Backbone wird dementsprechend auch nutzungsabhängig abgerechnet.

Zukünftig will About You als Ergänzung zu Backbone noch weitere Cloudprodukte für die Themenbereiche CRM, Checkout und Payment anbieten. Backbone kann einem Händler als Infra­struktur für verschiedene Onlineshops gleichzeitig dienen. Es liefert Push-Benachrichtigungen an Kunden aus, die gängige mobile Betriebssysteme nutzen, und ist auch in der Lage, mit Voice-Diensten als Frontend umzugehen. Frontend-Templates oder Ergänzungen bietet About You bisher nicht an. Diese ­können Händler aber auf Basis der bevorzugten Technologie selbst entwickeln.

Die technologische Basis für Backbone bilden API-Clients für PHP, Ruby, Node.js, die Datenbank My-SQL, C-Extensions sowie Elasticsearch. Der erste große Cloudkunde für das erst in diesem Jahr kommerziell gestartete System kommt aus dem Mutterhaus, der Otto Group: Die Witt-Gruppe, ein Modeversender für die Zielgruppe 50 Plus, realisiert im ersten Schritt ihr gesamtes existierendes Auslandsgeschäft mit Backbone. Gleichzeitig will Witt weitere länderspezifische Stores starten und mittelfristig auch den deutschen Onlineshop mit Backbone umsetzen. In Kürze ­sollen weitere Projekte angekündigt werden.

Spryker

Das Framework Spryker ist aus einer Eigenentwicklung von ­Rocket Internet und Project A hervorgegangen und schon bei mehr als 100 Händlern aus deren Portfolio zum Einsatz ­gekommen. Auch hier fließt viel Praxiserfahrung aus dem Händleralltag mit ein. Spryker ist als sogenannte On-Premise-Software angelegt. Händler müssen also eine Lizenz für das Produkt erwerben, wobei die Höhe der Lizenzkosten von der Anzahl der Entwickler abhängt, die beim Händler mit dem Framework arbeiten. Ob die Anwendung in der Cloud oder auf eigener Infrastruktur betrieben wird, liegt im Ermessen des Händlers.

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