Digitale Gesellschaft

Mit „Social Magazines“ und „Curation“ gegen den Info-Overkill: Personalisierte News

Vor ein oder zwei Jahren hätte fast jeder Web-Nerd in Sachen Kanalisierung und Personalisierung der Nachrichtenflut auf semantische Verfahren gewettet. Inzwischen weht der Wind jedoch auch aus der Social-Media-Ecke: Flipboard, Twittertim.es oder Paper.li nutzen Link-Empfehlungen aus den Social Networks, um personalisierte News-Übersichten zu erstellen. Fast wöchentlich kommen neue Dienste hinzu. t3n hat sich einen Überblick verschafft und zeigt, wie man dem Info-Overkill mit Hilfe seiner virtuellen Freunde entgeht.

Den Overkill kur(at)ieren

Als das Buzzword „Information Overkill“ vor einigen Jahren durch die Szene geisterte, fühlten sich ausnahmsweise beide Seiten angesprochen: Die „Normal-User“ sahen sich endlich in ihrem verzweifelten Kampf gegen das tägliche Informations-Chaos im Web bestätigt, während die Digital Natives in der Diskussion eher die üblichen Ressentiments gegen das Netz witterten. „There’s no such thing as information overload, there’s only filter failure“ lautete die Parole von Clay Shirky. In der Theorie hatte Shirky sicher recht, doch wo fand man diese intuitiven und userfreundlichen Filter in der Praxis?

Da die Antworten auf diese Frage meist noch mehr Verwirrung stifteten, verwies man schließlich auf zukünftige Lösungen. Lange Zeit wurden dabei semantische Verfahren als die heißesten Kandidaten gehandelt – intelligente News-Aggregatoren sollten dem Leser passgenaue Nachrichten auf dem Tablett servieren und nebenbei noch die verbliebenen Redakteure auf die Straße setzen. Jetzt könnte allerdings doch alles ganz anders kommen, denn seit einigen Monaten macht ein neues Buzzword die Runde: „Curation“. Wird damit die Frage nach dem „Information Overload“ durch die soziale statt durch die maschinelle Brille beantwortet?

Der soziale News-Konsument

Zwei aus dem Studien-Meer gefischte Filets sollen als Zahlenbasis für die Dikussion dienen: Allensbach und PEW. Laut Allensbach gewinnt das Internet nach dem Siegeszug als Informations- und Recherche-Medium auch als Nachrichten-Medium zunehmend an Bedeutung [1]. So hat unter den 20-39-jährigen Akademikern das Internet als Nachrichten-Quelle in diesem Jahr erstmals die herkömmliche Zeitung überrundet, und auch in der Altersgruppe bis 64 ist der Trend hin zum Online-Konsum von Nachrichten stabil. Noch genauere Einblicke existieren in das Seelenleben des amerikanischen Nachrichten-Konsumenten, seit das PEW Anfang des Jahres die Umfrage „Understanding the Participatory News-Consumer“ veröffentlicht hat [2]. Zudem legte das PEW im September 2010 eine weitere, noch detailiertere Studie vor [3].

Zwei Ergebnisse sind dabei besonders interessant: Die Menschen vertrauen zu einem gewissen Grad den Informations-Empfehlungen aus ihrem Bekanntenkreis und nutzen ihre Sozialen Netzwerke für den Austausch und die Beurteilung von News. Gleichzeitig verlangen Nachrichten-Konsumenten immer mehr nach Partizipation und personalisierbaren Angeboten.

Setzt neue Standards: Die iPad-App Flipboard repräsentiert bislang das userfreundlichste Modell eines Social Magazines.

Setzt neue Standards: Die iPad-App Flipboard repräsentiert bislang das userfreundlichste Modell eines Social Magazines.

An dieser Stelle könnte man noch eine Menge Studien und Zahlen bemühen. Man kann sich aber auch einfach im Bekanntenkreis umhören oder die eigenen Gewohnheiten rekapitulieren.

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3 Kommentare
Stefan Wolfrum

Schade, dass ihr Zite nicht erwähnt habt, was ich mittlerweile noch besser als Flipboard finde. Siehe auch http://musicdiver.com/wordpress/2011/03/zite-very-nice-ipad-news-app/ (damals lag bei mir Flipboard noch knapp vor Zite … ;-) )

Christiane
Christiane

Der Artikel scheint schon einige Monate alt zu sein, da er noch Rivva erwähnt. Welche „neuesten“ Dienste gäbe es denn noch?

sebastian

@Wolfrum, @Cristiane: Der Artikel ist tatsächlich schon ein paar Monate alt, da er aus der Print-Ausgabe Nr. 22 stammt. Zu der Zeit gab es noch Rivva, Zite jedoch noch nicht. Die Masse der neuen Tools in diesem Bereich ist inzwischen unüberschaubar geworden, vor allem für Flipboard gibt es inzwischen wohl ein knappes dutzend Nachahmer.
Trendige Tools sind derzeit soweit ich überblicke:
– Flipboard und Zite, und auch NewsMix hatte gute Kritiken bekommen.
– Storify (sind gerade in die public Beta gegangen und haben einen ziemlichen run)
– Paper.li, sind in ihrem Bereich def. führend und haben soweit ich sehe auch TheTweetedTimes übernommen.
– Storyful, ein neuer Dienst der ziemlich hyped
– Scoop.it, ebenfalls ein neuer sehr guter Dienst, der allerdings nicht über Social Media funktioniert, sondern dem alten Bookmarking-Muster folgt und selbst Social-Network-Elemente mitbringt (Followen von anderen Usern etc.).

Empfehlenswert zum Thema Curation sind die Scoop.It-Streams von Robin Good (http://www.scoop.it/t/real-time-news-curation) und Morten Myrstad (http://www.scoop.it/t/brand-content-curation).

Oder auch mal auf T3N nach den Tools stöbern, findet ihr sicher auch was zu…

Viele Grüße
Sebastian