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Social-Media-Interview: Kirstin Walther von der Saftkelterei Walther: „Dass dieses Unternehmen noch existiert, hat ausschließlich mit Kundendialog zu tun“

Als Kirstin Walther im Jahr 2004 die Geschäftsführung der vor über 80 Jahren gegründeten Kelterei Walther von ihren Eltern übernahm, war der Betrieb in desolatem Zustand. Innerhalb weniger Jahre führte sie den ehemals regional ausgerichteten Betrieb in die Erfolgsspur – mit Fokus auf Direktmarketing und sympatischem Kundendialog über das „Saftblog“ und den Twitter-Account „@safttante“.

Kirstin Walther: „Es gibt nichts Schöneres, als mit konstruktiv kritischen Kunden und Interessenten im Gespräch zu sein.“

Kirstin Walther: „Es gibt nichts Schöneres, als mit konstruktiv kritischen Kunden und Interessenten im Gespräch zu sein.“

t3n Magazin: Sie haben sehr früh mit dem Bloggen begonnen und bereits im Jahr 2006 Ihr „Saftblog“ gestartet. Wie kam es dazu?

Kirstin Walther: Martin Roell vom E-Business Weblog hat uns im Frühjahr 2004 darauf gebracht, dass ein Weblog ein sinnvolles Werkzeug zur Verbesserung und Ausweitung der Kommunikation und auch der Kundenbindung sein kann. Bis dato hatte ich das Wort Weblog noch nie gehört und tat mich relativ schwer damit, einen Sinn darin zu erkennen. Erst als Frosta im Sommer 2005 zu bloggen begann, wurde mir klar, welches Potenzial in einem Weblog stecken könnte und so ging das Saftblog im Januar 2006 online.

t3n Magazin: Heute gibt es nicht mehr nur das Saftblog, sondern Sie sind auch bei Twitter sehr aktiv und probieren generell viel aus. Warum?

Kirstin Walther: Es gibt nichts Schöneres, als mit zufriedenen, aber auch konstruktiv kritischen Kunden und Interessenten im Gespräch zu sein. Das ist das Geheimnis unseres Erfolgs. Ideen, die dafür sorgten, dass wir gegen den Trend gehörig wachsen, kamen immer von außen. Deswegen versuche ich, dort zu sein, wo Leute sind, die sich für uns als Menschen und somit auch für das, was wir tun, interessieren. Die sind erfreulicherweise überall und dort bin ich dann auch.

t3n Magazin: Würden Sie sagen, dass Ihr Social-Media-Engagement direkten Einfluss auf Ihren Umsatz hat? Lässt sich das messen?

Kirstin Walther: Für mich schon, aber sicher nicht so, wie bestimmte Berufsgruppen das gerne hätten. Ich habe gelernt, dass alle Kanäle oder Medien ineinander greifen und miteinander verbunden sind. Don Tapscott sagte neulich in einem Interview: „Web 2.0 ist keine Frage der Technik, sondern der Einstellung“. Das ist auch meine Erfahrung. Unsere Umsätze haben sich seit 2004 verdreifacht. 2004 haben wir begonnen, mehr Wert auf intensiven Kundendialog zu legen. Ein Blog, ein Twitteraccount oder ein YouTube-Kanal sind nur die Werkzeuge, die das erleichtern können.

t3n Magazin: Wenn Sie heute auf die letzten Jahre zurückblicken: Gibt es ein Erfolgsrezept, um mit Social Media positive Effekte zu erzielen?

Kirstin Walther: Ich denke schon. Social Media hat ja nur eine Bedeutung, weil es von Menschen gern und immer mehr genutzt wird. Um positive Effekte zu erzielen, muss man nur beherzigen, was auch im „richtigen Leben“ im Umgang mit anderen gilt. Das heißt aber auch: Wenn man bisher nie gern und intensiv Kundendialog gepflegt hat, kann auch ein Blog oder Ähnliches das nicht leisten. Ansonsten empfehle ich, sehr offen, authentisch, respektvoll und persönlich zu sein. Denn „wie man in den Wald hineinruft, schallt es heraus“.

t3n Magazin: Die Kelterei Walter hat rund 15 Mitarbeiter, aber nur Sie sind im Social Web aktiv. Warum?

Kirstin Walther: Das liegt an der Person. Wem diese Art der Kommunikation nicht liegt, der sollte die Finger davon lassen. Es gibt halt Menschen, für die es eine Hürde ist, den gewohnten Dialog im World Wide Web weiterzuführen. Ich würde mich natürlich freuen, wenn einige meiner Mitstreiter auch Lust dazu hätten, aber man kann niemanden dazu zwingen. Denn dann geht es am Ziel vorbei. Ich bin aber guter Dinge, dass ich nicht auf ewig die Einzige sein werde.

t3n Magazin: Wie viel Zeit verbringen Sie täglich damit, Ihre diversen Kommunikationskanäle zu betreuen?

Kirstin Walther: Diese obligatorische Frage darf natürlich nicht fehlen (lacht). Ich habe das nie gemessen, weil es für mich nicht relevant ist. Es ist Zeit, die ich mit Leuten verbringe, für die ich mich interessiere und sie für mich. Man gibt und man bekommt, man bekommt und man gibt. Deswegen kann es eigentlich nie genug Zeit sein, die man dafür verwenden sollte. Es gibt nichts Wichtigeres. Aber um eine teilweise verwertbare Antwort zu geben: Ich denke, es ist im Schnitt nicht mehr als eine Stunde pro Tag. Mal mehr und mal weniger.

t3n Magazin: Wenn Sie anderen Social-Media-oder Marketing-Verantwortlichen einen Tipp geben sollten, welcher wäre das?

Kirstin Walther: Die Nutzung von Social Media gehört heute für viele schon genauso zum Leben, wie die morgendliche Tasse Kaffee. Es findet statt! Völlig egal, ob man es als Unternehmen einsetzt oder nicht. Deswegen ist es meiner Meinung nach der bessere Weg, daran teilzunehmen, nachdem man es meinetwegen eine Weile kritisch beäugt hat. Es birgt ein riesiges Potenzial und sollte es überhaupt Gefahren geben, dann sind die auch da, wenn man es nicht nutzt. Also: Nichts wie ran! Die Kunden warten schon auf Euch!

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