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Startup-Finanzierung: Warum kriegen Frauen so viel weniger Geld?

Juniqe-Geschäftsführerin Lea Lange hat mit zwei Männern gegründet. Mit dem diversen Team hat sie ­positive Erfahrungen gemacht. Sie glaubt, dass viele Frauen ihre Gründungen von Anfang an eher kleiner denken. (Foto: Juniqe)

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Wenn Frauen gründen, bekommen sie deutlich weniger ­Wachs­tums­kapital als Männer. Beobachter machen ­dafür vor allem ­altbackene ­Vorurteile in der Gründer- und Investoren­szene verantwortlich. Das stimmt aber nur zum Teil.


Im Rückblick wirkt es schwer nachvollziehbar, dass Gründerin Anke Odrig mit ihrem Finanzierungsvorhaben im ersten Anlauf scheiterte. Odrig ist Geschäftsführerin der Firma Little Bird, sie hat eine Software für die Vergabe von Kitaplätzen entwickelt. Auf ihrem Portal können Eltern sehen, in welchen Betreuungseinrichtungen in ihrer Nähe es noch freie Plätze gibt. Knapp 100 Kommunen nutzen das Programm schon und sparen sich so ­teure Eigenentwicklungen. Dafür wurde die 44-Jährige mittlerweile unter anderem für den Deutschen Gründerpreis nominiert und kürzlich von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier zur ­„Vorbildunternehmerin“ ernannt. Kurzum: Die Unternehmerin hat viel erreicht.

Als sie ihr Konzept aber 2009 erstmals bei potenziellen Geldgebern, in diesem Fall einer staatlichen Investitionsbank, vorstellte, würdigten es die Berater nur eines kurzen Blickes. Wie Odrig später erfuhr, schätzten sie ihre Idee zunächst als lediglich „weiteres Onlineratgeberportal für Mütter“ ein – und lehnten ab.

Die Erfahrung von Anke Odrig ist kein Einzelfall: Die ­Kapitalsuche ist für Gründerinnen eine viel größere Heraus­forderung als für Gründer, das belegen gleich mehrere Studien. Der Accelerator ­Masschallenge und die Unternehmensberatung BCG etwa verglichen im Juni vergangenen Jahres 350 Startups aus der ganzen Welt und stellten fest: Rein männliche Gründungs­teams bekamen im Schnitt 2,12 Millionen US-Dollar von Investoren. Gründerinnen und gemischte Teams dagegen nur 935.000 ­Dollar – weniger als die Hälfte. Blickt man nach Europa, kommt der Londoner Venturecapital-Geber ­Atomico in seiner Studie „State of European Tech“ zu ganz ähnlichen Ergebnissen: Demnach gab zwar die große Mehrheit der befragten Gründer und Investoren in der europäischen Techszene an, dass ­Diversität im Gründerteam sehr wichtig sei für den unternehmerischen Erfolg, de facto flossen aber 2018 nur zwei Prozent des Risikokapitals in von Frauen gegründete Startups und sieben Prozent in gemischte Teams. Die restlichen 91 Prozent des Kapitals bekamen Gründer.

„Ich denke, dass Frauen bei Pitches im Schnitt zurückhaltender auftreten als Männer. Und viele denken bei ihren Gründungen vermutlich von ­Anfang an kleiner.“ Lea Lange, Gründerin, Juniqe

„Ich denke, dass Frauen bei Pitches im Schnitt zurückhaltender auftreten als Männer. Und viele denken bei ihren Gründungen vermutlich von ­Anfang an kleiner.“
Lea Lange, Gründerin, Juniqe

Auch in Europa klaffen also Anspruch und Realität auseinander. Die europäische Techbranche ist ebenso wie die amerikanische in großen Teilen homogen, sprich: jung, weiß und männlich. Gründe­rinnen dagegen sind in den großen Wagniskapitalrunden stark unterrepräsentiert. Von den Startups, die im vergangenen Jahr größere Investments abschlossen, hatten gerade einmal ein Prozent der Unternehmen eine weibliche CTO an der ­Spitze. „Es gibt ein schockierendes Ungleichgewicht im Kapitalfluss an männliche im Vergleich zu weiblichen Gründern“, lautet dementsprechend auch das harte Fazit der Studienautoren von Atomico.

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Wer der Ursache für das enorme Missverhältnis bei der ­Kapitalvergabe auf den Grund gehen will, landet schnell bei der Frage nach –  bewussten oder unbewussten – Vorurteilen gegenüber weiblichen Unternehmern. So auch Anke Odrig von Little Bird, die rückblickend sagt: „Ich glaube, mir als Frau wurde so eine IT-lastige Geschäftsidee einfach gar nicht zugetraut.“ Erst als Odrigs Berater, der sie bei der Kapitalsuche unterstützte, darauf hinwies, dass die damals noch alleinerziehende Mutter ­mitnichten irgendein Ratgeberportal, sondern eine neuartige IT-Infrastruktur für Kommunen entwickeln wolle, fiel auch den Geldgebern dieser Unterschied auf.

Vorurteile halten sich hartnäckig

Schwedische Wissenschaftler beobachteten zwischen 2009 und 2010 sieben Venturecapital-Firmen dabei, wie diese über Bewerbungen von Startups diskutierten und konnten dabei ebenfalls deutliche Vorurteile feststellen: Während junge Frauen von den Investoren oft als unerfahren eingestuft wurden, galten junge Männer als erfolgshungrig und aufstrebend. Vorsicht ­wiederum wurde bei Gründerinnen als hemmende Angst ausgelegt, bei Männern dagegen als wünschenswerte Besonnenheit. Laut ­einer Studie der Universitäten Harvard und Columbia von 2018 fragen Geldgeber männliche Kandidaten, wie sie ihr Startup zum ­Wachsen bringen wollen, Frauen dagegen häufiger, wie sie ein Scheitern verhindern wollen.

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