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Startups & Economy

Startup Ideen – Nischen gibt es überall

„Alles, was erfunden werden kann, wurde bereits erfunden.“ Der Satz wird dem ehemaligen amerikanischen Patentamt-Chef Charles Duell zugesprochen. Heute drückt er aus, was viele in puncto Internet empfinden: Alle Nischen sind bedient, Neues zu entdecken fast unmöglich. Was in Bezug auf technische Erfindungen schon nicht stimmte, trifft auf das World Wide Web noch weniger zu. Nischen gibt es an jeder Ecke – man muss sie nur finden!

6 Min.
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Wer eine noch unbesetzte Nische finden will, muss mit offenen Augen und Ohren durchs Leben gehen. Mit einer geschulten Wahrnehmung steigt die Chance, auf die passende Gründungsidee zu stoßen, wie die folgenden Startup-Geschichten zeigen.

Gründe aus einer Leidenschaft heraus!

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Der Traum vieler: Das eigene Hobby zum
Beruf machen. Als begeisterter Sportler hat Andreas Lindenberg die
Läufer-Community 1-2-sports gegründet und
findet darin berufliche als auch persönliche Erfüllung. Auf der
Plattform treten Sportbegeisterte im virtuellen Wettstreit
gegeneinander an, messen sich und fordern sich gegenseitig heraus.
Zwar wird jeder für sich allein sportlich aktiv. Die Ergebnisse
teilen die Teilnehmer aber in der Community, lassen sie auswerten und
vergleichen sie – in über 200 Sportarten. Um die 150 Wettbewerbe
gibt es jeden Monat, an denen bis zu 500 Mitglieder teilnehmen. Oft
haben die Challenges eine spaßige Note, zum Beispiel „Wer
verbraucht in der Fastenzeit die meisten Kalorien?“ In Staffel-
oder Gruppenwettbewerben können auch Männer gegen Frauen, Landeier
gegen Städter, Süddeutsche gegen Norddeutsche antreten. Immer
wieder kommt es innerhalb des Netzwerks zu selbstorganisierten
Lauf-Treffen. Darüber hinaus kann jeder Sportler für sich ein
persönliches Trainingstagebuch, eine GPS-Streckenverwaltung und
andere Sport-Tools in Anspruch nehmen. Da die Plattform Lindenbergs
größte Leidenschaft verkörpert, entstehen in ihm viele Ideen für
nützliche und zielgruppenspezifische Werkzeuge.

Setze dich mit einer bestehenden
Problematik auseinander!

Die Bus-Mitfahrzentrale DeinBus.de ist entstanden,
weil drei Wirtschaftswissenschafts-Studenten die Monopolstellung der
Deutschen Bahn nicht länger hinnahmen. Während verschiedener
Auslandssemester waren sie von den günstigen Preisen ausländischer
Fernreisebus-Fahrten überrascht. Zurück in Deutschland
recherchierten sie und stießen auf ein Regelwerk von 1934, das der
damaligen Reichsbahn die alleinige Marktmacht zusicherte. Der Clou:
Die Deutsche Bahn profitiert noch heute davon. Neue Busverbindungen
auf Fernstrecken, die schon „befriedigend bedient“ werden, sind
untersagt.

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Die Gründer von deinbus.de nehmen es mit der Deutschen Bahn auf.

Die Gründer von deinbus.de nehmen es mit der Deutschen Bahn auf.

Bei weiteren Nachforschungen entdeckte das Trio eine
Gesetzeslücke, da es Privatpersonen erlaubt ist, einen Reisebus für
jede gewünschte Strecke zu mieten. Auf der Plattform DeinBus.de
können Privatleute nun einen Reisebus für eine bestimmte Strecke
buchen und nach Mitfahrern suchen. Die Fahrt findet statt, wenn sich
sieben Tage vor Reiseantritt genügend Teilnehmer gefunden haben. Wie
zu erwarten war, hat sich das Startup eine Klage vom großen
Konkurrenten eingefangen und geht nun medienwirksam in die Offensive. Der Prozessausgang ist noch unklar. Sollte die kleine Bus-Mitfahrzentrale siegen, hätte sie ein großes Problem gelöst, mit dem viele Deutsche ohne eigenes Wissen konfrontiert waren.

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Schaffe Abhilfe für ein
Alltagsproblem!

Aus einem alltäglichen Ärgernis
heraus entstand der Schlüsselnotdienst PinKey.
Die Gründer machten die Erfahrung, dass das Verbummeln und Verlieren
eines Schlüssels äußerst kostspielig und umständlich ist. Seit
diesem „Schlüsselerlebnis“ bastelt das siebenköpfige Team an
einer Alternative zum herkömmlichen Schlüsselnotdienst und dem
gewaltsamen Öffnen von Türen. Die Lösung sieht so aus: Kunden
schicken einen Ersatzschlüssel an PinKey, das den Schlüssel in
einem von 175 deutschlandweit verstreuten Tresoren einlagert. Kommt
es zum Fall der Fälle, bringt ein regionaler Auslieferungspartner
den Schlüssel innerhalb von 40 Minuten vorbei – zu jeder Tages-
und Nachtzeit. Angesichts des heiklen Themas hat sich das kleine
Unternehmen in puncto Sicherheit einiges einfallen lassen. Kunden
stecken den Schlüssel in ein Etui, versiegeln es und kleben einen
Strichcode darauf. So besteht für den Schlüsseldienst keinerlei
Verbindung zwischen Kundendaten und Schlüssel. Auch die Auslieferung
findet ganz agentenmäßig mit einem Übergabepasswort statt. Die
Thüringer haben einen echten Mehrwert für all jene geschaffen, die
Kopf und Schlüssel gerne einmal zu Hause liegen lassen und ihren
Türöffner nicht gerne beim Nachbarn einlagern.

Entwickle mangelhafte Konzepte
weiter!

Der Startschuss für das schwäbische
Startup Miomente
fiel, als die Stuttgarterin Sabine Buers nach einem exklusiven
Cocktail-Event für ihren Freund suchte. Trotz intensiver Recherche
in Branchenportalen und Veranstaltungskalendern wurde sie nicht
fündig und was sie auf Erlebnisportalen wie mydays entdeckte, war
ihr zu unpersönlich. Im Anschluss an diese Erfahrung gründete sie
zusammen mit Marcus Schießer ein Start-up, das gemeinsam mit
regionalen Anbietern städtische „Genuss-Momente“ organisiert.
Alle Angebote finden exklusiv für Miomente-Nutzer statt, darunter
„Alpine Kochkunst“, „Männer an die Pasta“ und „Rent a
Barista“ – für Anregungen aus der Nutzerschar ist das Team
jederzeit offen und bietet auch Firmen spezielle Lösungen an. Das
Konzept besticht vor allem darin, dass es die Vorteile des
Internets mit starker Regionalbezogenheit verknüpft. Nun freut sich
die schwäbische Hauptstadt darüber, dass Buers einst vergeblich
nach einem exklusiven Cocktail-Abend suchte.

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Biete schwer erhältliche Produkte
an!

Mit MySweetsBox
haben Daniel Moser und Regine Harr einen Nischen-Onlineshop voller
Nostalgie-Naschereien geschaffen. Die Idee kam, als die beiden mit
Mitstudenten zusammensaßen und über Süßigkeiten aus der Kindheit
plauderten. Kaum etwas versetzt Menschen so sehr in Verzückung wie
Serien, Lieder und Produkte aus den verklärten Kindheitsjahren.
Deshalb verschickt das Team seit Kurzem „Care-Pakete“, in denen
sich zum Beispiel Chokis
Kater, Zetti Schokoplätzchen und Mokkabohnen (DDR-Box) oder
Kaugummizigaretten, Brause-Lippenstifte und Liebesperlen (BRD-Box)
befinden.
Wer in einer interkulturellen Partnerschaft lebt, kann die
Verbundenheit mit dem
Einheits-Carepaket demonstrieren:
„Noch nie hat die Einheit so gut geschmeckt.“ Für
einen Onlineshop ist das Sortiment zwar etwas klein, da
es für Nostalgie-Produkte aber
immer Abnehmer gibt, lässt
sich das Konzept sicher noch erweitern. Zahlreiche
Menschen sind
dankbar,
wenn es für schwer erhältliche Produkte endlich die passende
Anlaufstelle gibt.

Spring
auf wachsende und langlebige Trends auf!

Schon die Homepage von Heimathonig,
auf der Bienchen vor Deutschlands Naturlandschaften herumschwirren,
ist ein Hingucker. Mit ihrem Honig-Shop sind die Seriengründer Heike
und Markus Helfenstein sowie Jan Bromberger auf den Zug „lokal und
öko“ aufgesprungen. Imker aus ganz Deutschland verkaufen
über die Plattform ihren sortenreinen, ungepantschten Honig. Die
Idee kam während einer Kanadareise, als das Trio auf den weltweiten
Trend zu regionalen Produkten aufmerksam wurde. Honig fehlte
hierzulande noch und überzeugte die drei als sinnvolles
Regionalprodukt.
Unter den zahlreichen Sorten
gibt es zum Beispiel Löwenzahn-Honig, Bärlauch-Honig oder
Fenchel-Honig. Damit haben ökologisch bewusste Schleckermäuler
endlich eine passende Online-Plattform für das gelbe Gold. Damit Nutzern
die Auswahl leichter fällt, stellen
sie mit einem Schieberegler ein,
wie hell oder dunkel der Honig sein soll –
das
Thema „Nutzerfreundlichkeit“ ist eben gerade bei einem Onlineshop sehr wichtig.

Die Gründer von MySweetsBox schmuggeln Care-Pakete über die Grenze.

Die Gründer von MySweetsBox schmuggeln Care-Pakete über die Grenze.

Finde
Monetarisierungsmöglich-keiten für virtuelle Güter!

Verlage beschäftigen sich seit Langem mit der Frage, wie sie den Sprung in die Onlinewelt mit einem funktionierenden Monetarisierungsmodell schaffen. Die Fachbuchplattform PaperC stellt Fachbücher digital zur Verfügung – legal und in Zusammenarbeit mit den Verlagen. Mitgründer Martin Fröhlich hatte die Erleuchtung, als er nicht mehr länger Bücher zwischen seinen Studienstandorten Berlin und Sankt Gallen hin- und herschleppen wollte.
Die Verlage von dem Konzept zu überzeugen, sei anfangs schwierig gewesen. Die Idee: Jeder kann bei
PaperC die eingestellen Bücher kostenlos lesen. Aber alle 30 bis 60 Minuten muss man eine Pause von einer Stunde einlegen. Wer die Seiten ausdrucken oder bearbeiten will, zahlt Gebühren und liest dann auch unterbrechungsfrei. Ein Teil des Geldes geht zurück an die Verlage. Mit diesem Konzept hat das Leipziger Startup einen Mehrwert für alle Beteiligten geschaffen. Auch Strategien, wie sich Zeitungsartikel und Online Games monetarisieren lassen, stecken noch in den Kinderschuhen und warten auf kreative Ideen und Weiterentwicklungen.

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Fazit

Die unterschiedlichen Gründergeschichten zeigen: Viele Ideen entstehen im Alltag und nicht bei der Frage: „Was könnte ich gründen?“. Leider nehmen viele Menschen ihre Alltagsfreuden oder -ärgernisse nicht bewusst wahr – oder finden sich zu schnell damit ab. Dabei muss es gar nicht immer darum gehen, etwas ganz Neues zu entwickeln. Oft bauen tolle Geschäftsideen auf der Weiterentwicklung vorhandener Konzepte auf. Gründungswillige können gezielt daran arbeiten, auf die passende Idee zu stoßen. Zum einen kann jeder an seiner bewussten Wahrnehmung feilen. Ein weiterer Baustein ist die Beschäftigung mit Trends, boomenden Branchen, erfolgreichen Geschäftsideen und gelungenen Unternehmen. Dann gilt: Nischen gibt es an jeder Ecke – man muss sie nur finden!

(Foto: dierken / flickr.com, Lizenz: CC-BY)

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Kommentare (4)

Community-Richtlinien

menloo

Eine sehr interessante Auflistung, wobei mich die Lauf-Community doch irgendwie an dailymile.com erinnert. Generell ist die Aussage „es gibt Nischen überall“ zwar richtig, aber ob die Nischen groß genug sind, damit auch finanziell etwas/genug rüberkommt ist hier m.E. das Hauptproblem. Am Beispiel vom Heimathonig liegt die größte Konkurrenz direkt beim Traffic-Bringer Nr. 1 – Google – selbst. Ein potentieller Kunde der Honig kaufen möchte sucht vermutlich auch erstmal bei Google und hier ergibt bereits eine schnelle Suche nach „Imker“, allein in meiner Umgebung 10 Treffer. Hauptproblem: Die Listung bei Google ist kostenlos, bei Heimathonig zahlt man dafür 60 EUR/Jahr.

Generell gibt es genug Nischen, aber es ist leider fraglich ob einem da kein, zumeist kostenloses Produkt „der großen Internetunternehmen“ dazwischen funkt. Dieser Entwicklung stehe ich mit ziemlicher Verzweiflung gegenüber. Die „großen Internetunternehmen“ wie Google, Facebook, Twitter, usw. können allein schon wegen ihrer Größe mehr kostenlos anbieten und zerstören damit Möglichkeiten für viele Startups. Insbesondere weil neue Services oft vollständig von der Entwicklung neuer Hardware abhängig ist, was ein kleines Unternehmen nicht leisten kann.

Holger

Ein toller Artikel! Ich denke auch, dass man eigentlich nur Mut zu einer Gründung braucht und natürlich ist das Timing das A & O!
Klar gibt es schon eine Menge gute Unternehmen mit guten Ideen, aber man muss vielleicht einfach mal um die Ecke denken.
Außerdem bieten neue Technologien auch neue Potenziale!

www.neuvolution.de

Spannender Artikel mit einer eigentlich selbstverständlichen Aussage, den ja, es gibt genügend Nischen, die auch stetig weiter wachsen werden. der Kunde heutzutage bzw. sein Bedürfnis lässt eine Nische entstehen und da sich die Grundbedürfnisse nie vollständig stillen lassen, werden daraus auch weiter Nischen wachsen. Darüber habe ich auch in meinem Blog einiges geschrieben: http://www.neuvolution.de/blog

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