Startups

PaperC im Startup-Porträt: Auf dem Weg zur Fachbuch-Flatrate

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Doch nicht nur in strategischer, auch in technischer Hinsicht hat PaperC in den letzten Monaten Gas gegeben. Bisher bot das Berliner Startup eBooks als PDF und basierend auf Flash an. „PDF und Flash: Da war das Leseerlebnis einfach nicht gut genug“, befindet Splichal. Nun steigt das IT-Team auf das EPUB-Format um, bei dem es keine starren Einzelseiten mehr geben wird, sondern das Buch samt Bildern im optisch ansprechenden Fließtext geboten wird. Außerdem passt sich das Layout automatisch an die Größe der verschiedenen Endgeräte an und macht somit auch auf dem Smartphone Spaß. Die zweite technische Neuheit ist die HTML5-Reader-Webapp, die sich wie eine native App verhält, allerdings komplett über das Web ausgeliefert wird. „Damit entfallen klassische Probleme von nativen Apps wie Endgeräte- und Betriebskompatibilität und die Auslieferung von Updates. Außerdem erhält der Nutzer leichteren Zugang zu seinen Inhalten, unabhängig vom Gerät, an dem er sich gerade befindet“, erklärt Moritz Grog, Entwickler bei PaperC. Dank einer Offline-Synchronisation bleiben die Daten auch nach dem Neustart der Browser (momentan Chrome, Safari und Firefox) erhalten. „Dies ist der Kern unserer technischen Innovation, denn traditionell erlaubt ein Browser dem Entwickler einer Web-App keinen Zugriff auf das Dateisystem eines Computers.“ Mit dieser App, sind Splichal und Fröhlich überzeugt, können sie es mit den Branchengrößen aufnehmen und möglicherweise auch Lizenzen und White-Label-Lösungen vergeben.

Interview in Kuschel-Atmosphäre: Martin Fröhlich und Katja Splichal im Gespräch.

Interessante Zusatzfunktionen

Was PaperC ausmacht, ist aber nicht nur die Möglichkeit, Fachbücher und Ausschnitte daraus herunterzuladen. Interessant wird das Konzept erst durch die verschiedenen Zusatzfunktionen, mit denen sich die Bücher bearbeiten lassen. So können sich fleißige Studenten aus verschiedenen Fachbüchern wichtige Inhalte zusammensuchen und im eigenen E-Book zusammenbasteln. Auch Bilder und Videos lassen sich in das selbst zusammengestellte E-Book hineinposten. Worte und Passagen können mit anderen Passagen im Buch verlinkt werden und eine Schlagwortsuche zeigt auf, wo das gesuchte Wort überall vorkommt. Beim Kopieren von Zitaten gibt es eine automatische Fußnotenerkennung. „Insofern sehen wir uns eher als Arbeitsplattform und weniger als eine Downloadplattform“, sagt Fröhlich. Zur definierten Zielgruppe gehören dabei längst nicht nur Studenten, sondern auch Experten aus dem wissenschaftlichen Bereich. „Ingenieure holen sich schließlich keine illegalen E-Books auf den Firmenrechner“, glaubt Fröhlich.

Um auch die junge Gründergeneration mit E-Publishing vertraut zu machen, halten Fröhlich und Splichal regelmäßig Blogseminare zum Thema „digitale Publikationsmodelle“ an deutschen Universitäten. Finanziert wird das Ganze durch eine Kooperation mit dem Börsenverein des deutschen Buchhandels. Von den Inhalten der Studenten sind die beiden begeistert. „Es kommen so viele tolle Ideen, man muss die Studenten einfach nur spinnen lassen.“

Hannes, der Wutsprechbär, bereichert die Meetings: Es spricht nur der, der den Bären hat.

Genau das haben sich die PaperC-Gründer auch selbst vorgenommen: herumspinnen, kreative Ideen entwickeln, die das Thema E-Publishing vorantreiben und eine etablierte Branche umwälzen. Und zwar so, dass vom Nutzer bis zu den Verlagen jeder etwas davon hat. Ob sie es schaffen werden? Dafür spricht, dass sich der Buchmarkt vor neuen Modellen nicht länger drücken kann, der Blick auf Amazon zeigt klar auf, in welche Richtung es geht. Das größte Problem ist momentan die Zeit. Vielleicht war PaperC wirklich einen Tick zu früh dran. Vielleicht ist auch die Bereitschaft, Geld in das Startup zu stecken, nach drei Jahren langsam ausgereizt. Vielleicht schaffen die Berliner es aber auch, die nächsten kritischen Monate zu überstehen und alle Zweifler zu überraschen. Egal, was am Ende dabei herauskommt: Der Fachbuchbereich hat sich durch PaperC schon jetzt verändert.

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