Startups

Upcload: Die virtuelle Umkleidekabine im Portrait

Seite 2 / 2

Den richtigen Mitarbeiter finden: Testwoche für Bewerber

Mittlerweile sind 19 Mitarbeiter in dem Startup tätig, gesprochen wird meist englisch. Asaf ertappt sich manchmal selbst dabei, wie er zwischen den beiden Sprachen wechselt, einfach auf englisch mit jemandem weiterspricht, obwohl er das Gespräch auf deutsch begann.

Für die Gründer ist es sehr wichtig, ein gutes Betriebsklima zu schaffen. Deshalb wird mittags in der Regel auch gemeinsam gegessen, das Essen wird gestellt. „Wir versuchen, eine Art zweites Zuhause für unsere Mitarbeiter zu schaffen. Klar, dass das nicht in allen Bereichen gelingen kann. Aber wir tun unser Bestes.“

Täglich isst das Upcload-Team gemeinsam zu Mittag. „Gutes Betriebsklima ist uns sehr wichtig“, erklärt Asaf.

Täglich isst das Upcload-Team gemeinsam zu Mittag. „Gutes Betriebsklima ist uns sehr wichtig“, erklärt Asaf.

Um ein gutes Team zu formen, braucht es eben auch die richtigen Mitarbeiter. Recruiting ist deswegen ein sehr wichtiges Thema bei Upcload – und ein Bereich, bei dem die Gründer im Laufe der Zeit viel gelernt haben. Klassische Bewerbungsgespräche gibt es bei dem Berliner Startup nicht mehr. Vielmehr soll innerhalb einer Testwoche entschieden werden, ob ein Mitarbeiter in das Team passt und den Stellenanforderungen wirklich gerecht wird. „Das kann ich nach einem einstündigen Gespräch einfach nicht entscheiden“, so Asaf.

Zwar zeige ihm ein potenzieller Bewerber manchmal innerhalb von wenigen Minuten, dass er der Richtige ist – beispielsweise, wenn er etwas extrem schnell versteht. Diese Momente vorher abzupassen und zu planen, sei aber kaum möglich. Deshalb habe man sich intern auf einen einwöchigen Bewerbungszeitraum geeinigt.

Persönliche Entwicklung: „So viel gelernt wie nie zuvor“

Gespräche, Kontakte, viel unterwegs sein – die beiden Gründer sind aktuell so beschäftigt, dass sie kaum zu privaten Dingen kommen. Der Aufbau eines Unternehmens kostet einfach viel Zeit. Das sind auch wichtige Learnings: „Schnelle Erfolge wie Instagram sind nicht die Norm. Vielmehr geht es bei Firmengründungen um den kontinuierlichen und langwierigen Prozess des Aufbaus – der eben seine Zeit braucht. Anfangs dachte ich, mit Upcload nach zwölf Monaten durch zu sein, um mich der nächsten Idee widmen zu können. Das war ein Trugschluss.“

Hier wird gecodet: Das System von Upcload wird mit Unterstützung aus Tel Aviv kontinuierlich weiterentwickelt.

Hier wird gecodet: Das System von Upcload wird mit Unterstützung aus Tel Aviv kontinuierlich weiterentwickelt.

Ohne großen Kapitalgeber im Rücken im internationalen Kontext auf Kundenfang zu gehen – und das mit geringen personellen Ressourcen: eine riesige Herausforderung, der sich Upcload da aktuell stellt. Das ist sicher anstrengend. Ob man da nicht auch mal ans Aufgeben denkt oder an den Verkauf? „Du kannst nicht aufhören, wenn du Mitarbeiter hast, für die du verantwortlich bist. Dann musst du einfach weiter machen. Wir bauen hier ein Unternehmen auf, das ist nicht immer einfach.“

Aber es ist mehr als das. Noch nie habe er so viel gelernt wie in der Zeit mit Upcload, erklärt Asaf. Man müsste sich einfach klar machen, was man bisher bereits erreicht habe – auch persönlich. Vor einigen Monaten etwa traf er sich mit einer ehemaligen hochrangigen eBay-Managerin, um abzuwägen, ob sie im Beirat von Upcload tätig werden könnte. Allein dieser Umstand, eine solche hochrangige Person zu treffen, wäre für ihn vor zwei Jahren völlig undenkbar gewesen – und 24 Monate später begegnet er dieser Person auf Augenhöhe. „Und es war auch überhaupt nicht seltsam. Im Gegenteil: Es war für mich plötzlich ein typisches Business-Gespräch, von denen ich unzählige führe. Wenn man sich so etwas vergegenwärtigt, dann sieht man erst, wie viel man bereits erreicht hat“, so Asaf.

Und genau diese positiven Dinge, diese überraschenden Momente treiben Asaf an. Natürlich gibt es immer eine Reihe negativer Punkte, unzählige Gründe, die gegen die Startup-Gründung sprechen, so Asaf. „Aber eigene Ideen auf die Beine zu stellen, ist für mich einfach das Spannendste“, erklärt er. Dafür lohnt auch der enorme Aufwand.“

Einer dieser positiven und überraschenden Entwicklungen war beispielsweise auch, dass die Berufsbekleidungsindustrie ein enormes Interesse an Upcload entwickelt hat. An diesen Bereich der Bekleidungsindustrie haben die Gründer während der Produktentwicklung überhaupt nicht gedacht, dabei erscheint die Verbindung zu Arbeitskleidung nur logisch. Möglichst schnell und unkompliziert die richtige Kleidungsgröße zu finden, erleichtert den Start in den neuen Job. Beim Militär beispielsweise ist ja eine ganze Reihe von Bekleidung nötig, nicht nur eine Garnitur. Per Upcload könnten die Rekruten so schnell und unproblematisch ihre Kleidung erhalten.

Virtuelle Umkleidekabine: Die Zukunft des Kleidungskaufs?

Weltweit werden bisher lediglich sieben Prozent der Bekleidung online gekauft. Diesen Wert möchte Asaf mit Upcload gerne erhöhen. Scheinbar ist er da auf dem richtigen Weg: Erste Datenauswertungen mit ausgewählten Partnern ergeben eine um bis zu 30 Prozent erhöhte Conversion Rate – eine enorme Steigerung. Ob die virtuelle Umkleidekabine, die Upcload in gewisser Weise darstellt, den Einkauf vor Ort in Zukunft obsolet machen wird? Das glaubt Asaf nicht. „Shopping ist ja ein soziales Erlebnis, das mit anderen geteilt wird. Was wir aber machen können, ist, das Shopping zu vereinfachen – auch vor Ort.“

So steht demnächst etwa die Entwicklung einer mobilen Lösung an, mit deren Hilfe man die Körpervermessung auch per Smartphone durchführen kann. Zudem soll es per Smartphone-App möglich sein, Barcodes an Kleidungsstücken – die beispielsweise an Preisschildern angebracht sind – abzuscannen, um so gleich die richtige Größe zu finden. Das würde dann natürlich nur mit Bekleidungsmarken funktionieren, die mit Upcload kooperieren.

Konkurrenz? „Kein Grund, Schlaf zu verlieren“

Sollte das Berliner Startup an frisches Kapital kommen, um das Vermessungssystem weltweit noch stärker vertreiben zu können, sollte es sich als Standard für den Umgang mit Körpergrößen im E-Fashion-Bereich etablieren – dann hätten die Berliner in der Tat etwas Großes geschaffen. Kein anderes Unternehmen aus dem Bereich bietet bisher ein solch ausgefeiltes System zur Körpervermessung an. Es gebe aktuell zwar diverse Versuche, die Technologie von Upcload zu kopieren. Das sei aber aufgrund der Komplexität des Produkts nur schwer möglich. Zudem gehe es nicht nur um den technisch komplexen Algorithmus, sondern auch um das Kontakt-Netzwerk, das nötig ist, um das Produkt weltweit zu vertreiben und auch stetig weiterzuentwickeln. „Je mehr Daten wir von den Bekleidungsmarken bekommen, desto besser können wir unsere Vermessungstechnologie weiterentwickeln“, so Asaf – und ergänzt: „Es gibt viele Gründe, Schlaf zu verlieren, wenn man so ein Startup aufbaut. Aber Konkurrenz ist wirklich der letzte dafür.“

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

Ein Kommentar

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!

Hey du! Schön, dass du hier bist. 😊

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team bestehend aus 65 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Danke für deine Unterstützung.

Digitales High Five,
Stephan Dörner (Chefredakteur t3n.de) & das gesamte t3n-Team

Anleitung zur Deaktivierung