Startups

„Wie ein Rudel fresswütiger Hyänen“ – Startups und die Kraft der Disruption

Seite 2 / 3

Digitalisierung goes Plattform-Kapitalismus

Ein entscheidender Aspekt in diesem Wettbewerb um Innovation ist die Digitalisierung. Sie hat nicht nur den Startup-Sektor geschaffen und zur Milliarden-Branche gemacht, sie bietet Unternehmen auch die Mittel, dauerhaft agil zu bleiben und auch nach Jahren noch wie Startups zu wirken – und zu handeln. Zudem hat die Digitalisierung die Kosten für viele Prozesse genauso drastisch gesenkt wie die für die Produktion.

„Das Netz ist perfekt dafür geeignet, Eintrittsbarrieren zu senken“, so Lobo. Plattformen wollten marktbeherrschend werden, um Branchenstandards zu setzen und zu kontrollieren, deren Einfachheit es jedem erlaube, mit einem Klick Anbieter zu werden. „Der Plattform-Kapitalismus löst damit per Definition die Grenze zwischen professionellem Angebot und amateurhaftem Gelegenheitsangebot auf.“

Die Disruption hat angesichts der Digitalisierung also eine neue Stufe erreicht: Die Frage ist heute weniger, ob Unternehmen vom Markt gedrängt werden, sondern wie sie mit dem Tempo und Druck des Fortschritts umgehen. Mit Blick auf Google wird jedoch auch deutlich, dass Christensens Theorie erweitert werden muss: um die Erkenntnis, dass Konkurrenz heute von überall droht – auch von Startups und Unternehmen, die es vor kurzem noch gar nicht gab oder die in ganz anderen Bereichen tätig waren, selbst von Amateuren.

„Shut up and take my money!“ Fünf gute Gründe für die Google Bank

Doch was motiviert die disruptiven Player? Im Fall von Google mag es Innovationsfreude sein – und das Bewusstsein, dass bestehende Märkte vielleicht nicht ewig lukrativ sind. Es mag daran liegen, dass der Mensch viel Zeit im Auto verbringt, in der er Google-Dienste bisher kaum nutzen kann. Vor allem aber stecken im autonomen Auto Unmengen an Daten: Wer wann und wohin unterwegs ist, wo der Verkehr fließt oder stockt, wer wie viel Benzin verbraucht, all das sind Informationen, die sich gewinnbringend vermarkten lassen.

Blucarat fusioniert Social-Media-Marketing mit E-Commerce und will somit das Zeitalter des User-Generated-Commerce einleuten. (Screenshot: blucarat.com)

Blucarat fusioniert Social-Media-Marketing mit E-Commerce und will somit das Zeitalter des User-Generated-Commerce einleuten. (Screenshot: blucarat.com)

Dabei ist die Automobilbranche nur ein Beispiel – ganz ähnlich sieht es mit unserem Geld aus. Während klassische Bankhäuser digitale Produkte und Apps lange ignorierten, schießen FinTech-Startups wie Pilze aus dem Boden. Sie bieten jedoch meistens eher Zusatzfunktionen, die dem Kerngeschäft der Banken kaum gefährlich werden dürften.

Entsprechend selbstbewusst zeigt sich Andreas Kubli, Managing-Director der schweizerischen UBS-Bank: Das Bankgeschäft sei zu komplex, um durch Disruption gefährdet zu sein, sagte er vor wenigen Wochen. Doch er könnte sich irren, vielleicht ist die Konkurrenz schon da – in Form großer Konzerne, wie Yvonne Hofstetter, Unternehmerin und Autorin, glaubt: „Banken werden 2015 stärker unter Druck geraten durch die Digitalisierung“.

Und tatsächlich: Mit Google, Facebook, Siemens und Centralway, dem Unternehmen hinter der Banking-App Numbrs, haben vier internationale Konzerne eine Banklizenz beantragt und teilweise auch schon bekommen. „Das traditionelle Kerngeschäft von Banken wird übernommen – nämlich der bargeldlose Zahlungsverkehr“, kündigt Hofstetter an.

Doch auch hier die Frage: warum? Für eine mögliche Google-Bank sieht Blogger Dave Davies jedenfalls fünf gute Gründe: Den Mehrwert für den Anzeigenmarkt, bessere Coupon-Aktionen, Diversifikation der Erlösströme, Erhalt personenbezogener Daten sowie den positiven Einfluss auf die Nutzung von Android und Chrome.

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

Ein Kommentar
Walter Rizzi
Walter Rizzi

Da weiß man nicht ob man das für gut oder schlecht halten soll… Einerseits ist es ein technologischer Fortschritt wenn z.B. Google sich mit Autos beschäftigt. Andererseits begibt sich die gesamte Welt immer mehr in Abhängigkeit einzelner Großkonzerne (Google).
LG Walter Rizzi

Antworten

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!

Hey du! Schön, dass du hier bist. 😊

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team bestehend aus 65 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Danke für deine Unterstützung.

Digitales High Five,
Stephan Dörner (Chefredakteur t3n.de) & das gesamte t3n-Team

Anleitung zur Deaktivierung