Du hast deinen AdBlocker an?

Es wäre ein Traum, wenn du ihn für t3n.de deaktivierst. Wir zeigen dir gerne, wie das geht. Und natürlich erklären wir dir auch, warum uns das so wichtig ist. Digitales High-five, deine t3n-Redaktion

t3n 16

Über Blogs und Twitter formiert sich ein neues Engagement: Gemeinsam sind wir stark!

Über das Internet und vor allem über Blogs und Twitter kann man in kürzester Zeit sehr viele Menschen aktivieren – das haben die vergangenen Wochen bewiesen. Da wurde spontan Geld gespendet, um ein Projekt zu retten, eine Abmahnung wurde mit dem Sturm der Entrüstung hinweggefegt und per Online-Petition eine Protestwelle aus dem Web bis in die gute alte 20-Uhr-Tagesschau getragen.

Aufruf zu „Ein Herz für Blogs“ auf Stylespion.de. Über 500 machten mit.

Aufruf zu „Ein Herz für Blogs“ auf Stylespion.de. Über 500 machten mit.

Als die Schweizer Blogwerk AG die Einstellung des Blogs medienlese.com aus wirtschaftlichen Gründen ankündigte, tat sich Erstaunliches: Innerhalb kürzester Zeit formierte sich eine Bewegung, die zumindest die beliebte Rubrik „6 vor 9“ mit täglichen Linktipps retten wollte. Es blieb nicht bei symbolischen Solidaritäts-Bekundungen: Übers Wochenende kamen 2.000 Euro Spenden zusammen [1]. Blogwerk-Chef Peter Hogenkamp legte selbst noch eine ungenannte Summe dazu und nun kann Autor Ronnie Grob zumindest ein halbes Jahr die Rubrik weiterführen.

Wie rasant man im Internet Menschen mobilisieren kann, zeigte sich ebenfalls beim politisch brisanten Thema „Internetsperren“. Innerhalb von vier Tagen unterstützten 50.000 Mitzeichner eine Petition beim Deutschen Bundestag gegen die Pläne der Bundesregierung. Siehe dazu auch „Menschen 2.0“ auf Seite 70. Der Link verbreitete sich vor allem über Twitter, danach auch in Blogs oder per E-Mail. Wer wollte, konnte sich an vielen Orten über die Argumente zum Thema informieren und sich ein eigenes Bild machen. Die klassischen Medien bis hin zur 20-Uhr-Tagesschau berichteten über den Online-Protest. Eine engagierte Masse von Menschen hatte es auf diese Weise also ganz ohne klingende Namen oder Institutionen im Hintergrund in die breite Öffentlichkeit geschafft.

„Das ist irre, und ja, ich bin stolz darauf“

Ein anderes beeindruckendes Beispiel war bereits zu Jahresbeginn die Abmahnung des Blogs netzpolitik.org von Markus Beckedahl durch die Deutsche Bahn, nachdem die Seite ein Dokument im Zusammenhang mit dem Datenschutzskandal des Unternehmens veröffentlicht hatte [2]. War das Schriftstück selbst zuerst wenig beachtet worden, trat die Abmahnung der Bahn eine Welle der Empörung und Solidarität los. In Windeseile wurde das betreffende Dokument an vielen Stellen im Netz gespiegelt und auch hier griffen die klassischen Medien das Thema auf. Die Bahn zog die Abmahnung schließlich zurück.

Einen großen Erfolg konnte zudem „Stylespion“ Kai Müller mit seiner Aktion „Ein Herz für Blogs“ feiern. „Seien wir doch mal ehrlich, die deutschsprachige Bloglandschaft steckt seit einiger Zeit in einer Depression“, schrieb er in seinem Blog [3]. „Im besten Falle wird zwar beobachtet, was die Nachbarn so machen, aber ein wirkliches Miteinander findet meist nur in Ausnahmefällen statt.“ Genau das sollte seine Aktion durchbrechen. An einem festgelegten Tag veröffentlichten alle Teilnehmer eine Liste mit empfehlenswerten Blogs. Weit über 500 haben mitgemacht. Und das, obwohl es keinen weiteren Anreiz gab – außer einer Idee, die offensichtlich einen Nerv getroffen hatte. Kai Müller in seinem Fazit [4] : „Das ist irre, und ja, ich bin stolz darauf.“

Und das alles funktioniert, obwohl es die eine homogene Blogosphäre überhaupt nicht gibt. Das machte John Kelly mit seinem Vortrag „Mapping the Global Blogosphere“ auf der Web-2.0-Konferenz re:publica in Berlin Anfang April deutlich. Der Gründer von Morningside Analytics untersucht die Blog-Strukturen in verschiedensten Sprachräumen weltweit. Für Deutschland wurde klar: Es gibt riesige „Cluster“ zu Themen wie Wein, Hausbau, Kindererziehung und vielen anderen Themen, die kaum öffentlich wahrgenommen werden. Daneben gibt es jene „Top-Blogs“, die meist in der Öffentlichkeit stehen und in den diversen Toplisten auftauchen. Verbindungen dazwischen sind selten.

Aber immer klappt das mit der mobiliserten Masse sowieso nicht. Trotz vieler Reaktionen konnte ein Einschnitt beim News-Aggregator Rivva nicht verhindert werden. Macher Frank Westphal will den Dienst „einmotten“ und nun „neue Wege einschlagen“. 94 Kommentare auf seinen Blogpost mit der entsprechenden Ankündigung [5] und zahlreiche weitere Reaktionen in Blogs und auf Twitter konnten ihn nicht umstimmen. Immerhin geht Rivva nicht vom Netz, sondern wird in einen „pflegeleichten Modus“ geschaltet. Die Seite bleibt also erhalten, wird aber von Frank Westphal nicht mehr so intensiv betreut und weiterentwickelt wie in den vergangenen zwei Jahren seit Start.

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Schreib den ersten Kommentar!

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.

Jetzt anmelden