Karriere

Zwischen Agenturen und Freelancern steht das Recht: Über das Leben in offenen Beziehungen

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Einen großen Regelungsblock stellen die Ausführungen zum sozialversicherungsrechtlichen Status des freien Mitarbeiters dar. Das gilt auch dann noch, wenn durch die Ich-AG-Initiierungen der letzten Bundesregierung die Gesetzgebung zur Scheinselbstständigkeit in den Hintergrund trat. Die zugrunde liegenden Regelungen bestehen nach wie vor in zentralen Bereichen fort. Im Kern geht es hier vertragstextlich wie in der realen Ausgestaltung der

Zusammenarbeit darum, deutlich herauszuarbeiten, dass der freie Mitarbeiter wirklich „frei“ beruflich agiert. Dazu gehört, dass er als selbstständig Tätiger einzustufen ist, sich entsprechend versichert (im Bereich Design gegebenenfalls als selbstständiger Künstler nach dem Künstlersozialversicherungsgesetz), Einkünfte versteuert und einiges mehr. Dazu zählt insbesondere auch, dass er Arbeiten in der Regel mit eigenen Arbeitsmitteln in eigener Verantwortung ausführt und ihn keine Weisungs- oder Direktionsrechte von Seiten der Agentur treffen. Letzteres heißt freilich nicht, dass der Freelancer keinerlei inhaltliche und fachliche Vorgaben zu beachten hätte, die sich aus dem jeweiligen Auftrag ergeben. Das Gegenteil ist der Fall: Auch wenn er nicht an feste Arbeitszeiten gebunden ist, sind etwa zeitliche Erfordernisse und Terminierungen, die sich aus dem jeweiligen Auftrag ergeben, selbstverständlich bindend.

Kundenkontakte unerwünscht

Besonders heikel sind verbindliche Regelungen bezogen auf projektbedingte Verbindungen zu Dritten. Zu denken ist vor allem an die Kontakte zu Auftraggebern und Kunden. Die Agenturen bestellen zumeist aus dem Pool fester Mitarbeiter eine Person als Bindeglied und Vermittler zwischen Auftraggeber und freiem Mitarbeiter. Unterstützt wird diese Positionierung oftmals durch Vertragsklauseln, nach denen es dem Freelancer untersagt ist, direkten Kontakt zum Kunden aufzunehmen.

Was auf dem Papier machbar erscheint, ist im Agenturalltag häufig kaum durchzuhalten. Passgenaue Adaptionen erfordern einen hohen Abstimmungsgrad. Ist der „Vermittler“ dann temporär nicht erreichbar, ist das Grundprinzip schnell hinfällig, vor allem dann, wenn die Arbeit nicht stocken soll. Für den freien Mitarbeiter ergibt sich daraus ein gewisses Risiko. Das Halten eines engen Kontaktes zur Agentur und Abstimmungen zum weiteren Vorgehen, zumindest aber entsprechende Hinweise sollten in diesem sensiblen Feld obligatorisch sein. Alleingänge im Kundenumfeld sollten auf das unverzichtbare Maß beschränkt werden. Je qualifizierter und inhaltlich umfassender der Beitrag des freien Mitarbeiters an dem Gesamtauftrag ist, umso wichtiger wird grundsätzlich die Einräumung flexibler Handlungsoptionen auch im Zusammenhang mit Kundenkontakten.

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