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Exits, von denen Berlin nur träumt: Über die Gründerszene und Startupförderung in Israel

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„In Amerika knallst Du rein oder Du kannst heimgehen“

Screemo fokussiert sich nicht auf den heiß umkämpften Markt für Consumer-Apps, sondern auf die für die großen internationalen Marken und Telekommunikationsfirmen. So entwickelte Screemo ein Framework, das es den Besuchern eines Geschäfts oder einer Veranstaltung ermöglicht, sich per Smartphone an Votings oder Gewinnspielen zu beteiligen, die über einen Großbildschirm präsentiert werden. „One-Click Engagement“, nennt es Screemo-Mitgründer Adir Zimerman. Nachdem Screemo im Accelerator von MS Ventures auf Basis eines kurzen Proof of Concept seine Alpha entwickeln konnte, wurde Gilli Cegla auf das Startup aufmerksam. Gilli scoutet im Auftrag der Deutschen Telekom israelische Unternehmen für das Programm „Fit4Europe“.

Als eines von wenigen nicht-amerikanischen Unternehmen hat die Telekom Konsequenzen aus der Beobachtung gezogen, dass die meisten spannenden israelischen Exits in den USA landen – und Europa praktisch immer leer ausgeht. Wer Gilli im Café „Idelson 10“ nahe des Medina-Platzes sieht, würde nicht glauben, einen der einflussreichsten Männer der israelischen Gründerszene vor sich zu haben, so lässig, fast nachlässig ist er gekleidet. Das Förmliche, Hierarische ist ihm so fremd wie den meisten Israelis, die einfach ihre Mission erfüllen wollen und sich durch nichts – auch keine überflüssigen Konventionen – ablenken lassen.

Die Telekom ist sein wichtigster Kunde. Sein Deutsch ist fast perfekt, so wie seine Connections nach Deutschland. „Deutschland“, das heißt für viele junge Israelis „Berlin“. Ungefähr 17.000 leben schätzungsweise in der Bundeshauptstadt. Berlin ist zum Traumziel geworden: Ganz Tel Aviv ist zugepflastert mit Werbung für eine Sonnenbrillenmarke, die angeblich aus Berlin kommt, von der es aber nicht einmal eine deutschsprachige Website gibt.

Mit Screemo können Nutzer bei Veranstaltungen per Smartphone an Gewinnspielen oder Votings teilnehmen. Die Screemo-Macher werden von der Deutschen Telekom unterstützt.

Mit Screemo können Nutzer bei Veranstaltungen per Smartphone an Gewinnspielen oder Votings teilnehmen. Die Screemo-Macher werden von der Deutschen Telekom unterstützt. (Foto: Screemo)

Für Screemo könnte es besser nicht laufen: Auf den Telekom-Portfoliotagen 2013 erregte es die Aufmerksamkeit der Deutschen. Ihre Geschäftsidee überzeugte Gilli und die Entscheider der Telekom. Wie die meisten israelischen Entrepreneure war auch Screemo-Gründer Adir Zimerman zunächst auf die USA fixiert.

Gilli musste ihm erst einmal erklären, was für ein Riese (auch transatlantisch) die Telekom ist. Heute sieht er die Vorteile der europäischen Märkte. In den
USA habe man nur eine Chance auf Erfolg. Und da kein Startup seine
Leistungen gleichzeitig in einem ganzen Kontinent anbieten kann, gaben für ihn
die kleinteiligen Märkte und die Nähe zu Israel den Ausschlag.

Screemo erhält nun mannigfaltige operative Unterstützung und die Telekom einen Rabatt bei der nächsten Finanzierungsrunde. Über die Telekom kann Adir bei den wichtigsten Playern des Handels, der Werbeszene sowie der Entertainment- und Sportwelt präsentieren. Mit dem Fuß- und Basketball-Erstligisten Maccabi Tel Aviv und mit Castro, dem „israelischen Zara“, kann Adir erstklassige Showcases präsentieren, die ein T-Systems-Team auf Übertragbarkeit in andere Märkte untersucht.

Fazit

So weit wie Screemo sind noch längst nicht alle israelischen Startups, die bei Googles Launchpad auftauchen. Doch viele von ihnen werden ihre Chance bekommen. Denn sie leben und arbeiten in einem Land, in dem Leute, die etwas riskieren, normal sind und nicht nur in Boomzeiten willkommen. Erfolgreich zu gründen ist in Israel kein Zufall. Vielmehr finden Gründer in jedem Stadium die Unterstützung, die sie gerade am nötigsten brauchen. Nicht aus Mildtätigkeit, sondern aus Interesse am Profit.

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