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Umsatzbringer Twitch: Das Gaming-Portal wird zum Geheimtipp für Marketer

(Grafik: Shutterstock / Casimiro PT)

Twitch ist vielen, wenn überhaupt, als reine Gaming-Plattform bekannt. ­­Doch das ­Livestreaming-Portal hat weit mehr Themen zu bieten – und eine sonst nur schwer ­erreichbare Zielgruppe. Marketer sollten das nicht unterschätzen.

Ihr Image als menschenscheue Kellerkinder, die sich tagelang mit Energydrinks wachhalten, haben Gamer schon längst abgelegt. Bekannte Letsplayer wie Gronkh oder Pietsmiet haben der Szene inzwischen ein cooles Image verpasst. E-Sports-Veranstaltungen füllen ganze Stadien. Die Gamingbranche in Deutschland verzeichnet Umsätze im Milliardenbereich und überflügelt damit die Musik- und Filmindustrie.

Diesen Imagewandel muss Twitch erst noch bewältigen. Bislang ist das Livestreaming-Videoportal als potenzielle ­Marketingplattform außerhalb der Gamingbranche kaum bekannt. Als Youtube für Gamer ist Twitch dem einen oder anderen vielleicht ein Begriff. Doch wer so denkt, verschenkt großes ­Potenzial. Denn auf Twitch findet sich eine begeisterungs­­fähige und oft auch ­kaufkräftige Zielgruppe, die über klassische Marketing­kanäle kaum noch erreichbar ist.

Was ist Twitch überhaupt und wie ­funktioniert es?

Twitch ist im Juni 2011 als Schwesterseite aus der Livestreaming-­Plattform Justin.tv hervorgegangen. Da die dortige Videospiel­kategorie ein rasantes Wachstum verzeichnen konnte, wurde sie unter twitch.tv als eigenständiges Portal ausgegliedert. 2014 wurde Twitch für 970 Millionen US-Dollar von Amazon übernommen – ein deutliches Indiz für das Potenzial, das in der Plattform steckt. Im Mai 2017 eröffnete Twitch ein Büro in Deutschland und konnte den ehemaligen Google-Manager Burkhard Leimbrock als Deutschlandchef gewinnen. Heute verzeichnet Twitch weltweit 15 Millionen aktive Nutzer täglich und über zwei Millionen ­aktive Streamer im Monat. Täglich werden im Schnitt 106 Minuten Content pro Nutzer konsumiert.

Der Fokus von Twitch liegt auf der Live-Übertragung von E-Sport-Veranstaltungen und Videospielen. Twitch selbst stellt keine Streamingsoftware zur Verfügung, daher nutzen viele ­Streamer Open-Source-Programme wie OBS. Streamer teilen dabei nicht nur ihren Bildschirm, damit Zuschauer das jeweilige Spiel verfolgen können, sondern stehen üblicherweise durch eine Face-Cam selbst im Mittelpunkt des Spielgeschehens. Daneben ist der Chat, der rechts vom Videostream angezeigt wird, zentraler Bestandteil des Community-Gedankens von Twitch. Hier können sich Zuschauer nicht nur untereinander austauschen, sondern auch mit dem Streamer interagieren, der Fragen beantwortet und auf Kommentare eingeht. Neben dem Spiel steht ­dabei ganz klar auch die Persönlichkeit des Gamers im Fokus.

Bei Twitch sind nicht nur die gestreamten Spiele von Interesse. ­Der Streamer selbst und der Chat, in dem sich die Zuschauer untereinander austauschen, stehen ebenfalls im Fokus. (Screenshot: Twitch / Perrick)

Twitch bietet seinen Nutzern unterm Strich also genau das, was Youtube und vergleichbare Portale nicht erfüllen können: dynamische Live-Inhalte, direktes Feedback der Zuschauer und die Möglichkeit, ­Content aktiv mitzugestalten.

Das Einrichten eines Nutzerkontos ist für das Anschauen von Videos nicht notwendig. Registrierte Nutzer können aber weitere Funktionen nutzen, zum Beispiel Kanälen folgen, im Chat interagieren und selbst streamen.

Wer seine Gamer liebt, zahlt auch

Natürlich ist Twitch auch deshalb so beliebt, weil es die Plattform Streamern ermöglicht, ihre Kanäle zu monetarisieren. Das geht zum Beispiel über eine Partnerschaft. Für das Partnerprogramm von Twitch können sich Broadcaster bewerben, die mit ihren Inhalten einen wertvollen Beitrag für die Community ­liefern und bereits eine größere Fanbase aufgebaut haben. ­Genaue Kriterien und Zahlen, was als wertvoller Beitrag gilt und wie groß die Fanbase sein soll, liefert Twitch hier nicht – jede Bewerbung für das ­Partnerprogramm wird individuell geprüft. Zudem müssen Streamer, die ins Partnerprogramm aufgenommen werden wollen, regelmäßig mindestens dreimal in der Woche streamen. Partner werden dann an den Einnahmen durch Werbeanzeigen und Abonnements beteiligt. Inzwischen gibt es über 27.000 Partner-­Streamer auf Twitch und 150 Affiliate-Streamer. Am Affiliate-Programm können sich kleinere Kanäle beteiligen, die mindestens 50 Follower haben, pro Stream durchschnittlich drei Zuschauer erreichen und regelmäßig Content liefern (mindestens acht Stunden an sieben Tagen pro Monat).

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