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Kolumne

Zu viele Freunde verderben den Stream

„Make the World more connected“ ist das Mantra von Facebook-Chef Mark Zuckerberg. Schön und gut, aber wird die Kommunikation auch besser? Nicht wirklich, meint unsere Autorin Melanie Petersen.

Von Melanie Petersen
3 Min.
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Foto: dolphfyn / Shutterstock.com

Von Zeit zu Zeit brauche ich die Hilfe der Crowd. Zum Beispiel bei der Hotelsuche in Amsterdam. Die Crowd beschließt allerdings manchmal, es mir nicht so leicht zu machen.

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Facebook hilft uns dabei, mit Freunden von anderen Kontinenten in Kontakt zu bleiben, es hilft, neue WG-Mitglieder zu finden, der Polizei hilft es sogar bei ihren Fahndungen – das Kommunikationswunder ist schon eine fantastische Errungenschaft. Und gleichzeitig habe ich nirgends so konfuse Konversa­tion betrieben wie hier.

„Guck doch mal bei booking.com“, schreibt mir ein Bekannter unter meinen Post. Ich fragte bei Facebook in die Runde, ob jemand schon mal in einem nicht allzu teuren und dennoch netten Hotel in Amsterdam war. Nächste Benachrichtigung. Katrin hat ein Listicle von einer englischsprachigen Website gepostet: „10 Super Cheap Hotels in Amsterdam. „Hey Katrin, warst du schon mal in einem der Hotels?“, frage ich. „Nee, aber ich hab neulich auch mal ein Hotel gesucht und bin auf diesen Artikel gestoßen“, schreibt Katrin zurück. Ich schaue nach – Treffer Nummer eins bei Google. Hätte ich so nie gefunden. Danke, Katrin. Auch danke für den Hinweis auf booking.com, Jonas – eine der größten Hotelplattformen überhaupt, die man eigentlich nur dann nicht kennen kann, wenn man noch niemals Urlaub gemacht hat. Eine neue Benachrichtigung: Fünf Menschen gefällt dieser Post mittlerweile. Was gefällt denen eigentlich genau? Dass ich nach Amsterdam zu reisen gedenke? Oder suchen sie etwa auch nach günstigen Hotels dort? Fünf Menschen, die mich ratlos machen.

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Auch Anke weiß noch was: „Amsterdam ist superteuer und gar nicht soooo schön. Fahr doch nach Kopenhagen.“ Ein anderes Mal. Neuer Kommentar, diesmal Jana: „In Amsterdam kenne ich zwar kein Hotel, dafür einen tollen Campingplatz in Maastricht.“ Okay, ist am anderen Ende der Niederlande, aber zur Kenntnis genommen. Während ich verzweifle, verabreden sich zwei Freundinnen von mir zu einem Wochenendtrip auf eben erwähntem Campingplatz. So toben sich die beiden unter meiner Frage aus, und meine Benachrichtigungsleiste explodiert. NEHMT EUCH EIN ZIMMER! Ich hänge derweil auf booking.com rum, schaue mir den Top-Ten-Artikel an und frage mich, ob die Power von Social Media überbewertet wird.

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Auch Jonas hat noch etwas dazu zu sagen: Er war 2008 in einem Hotel nahe dem Bahnhof. Könne er aber nicht empfehlen. Es wäre ziemlich teuer gewesen und die Zimmer wären sehr „abgerockt“. Nun, immerhin ein sinnvoller Kommentar, wenn man nach dem Ausschlussverfahren geht. Wenn ich jetzt noch circa 4.000 negative Kommentare zu anderen Hotels bekomme, könnte ich es so herum angehen! Lina schließt sich dem Ausschlussverfahren an und schreibt: „Leider nicht.“ Okaayy.

Es kommt, wie es kommen muss: Ich finde kein Hotel. Ich denke, vielleicht fahre ich doch lieber nach Maastricht auf den Campingplatz oder nach Kopenhagen, wie Anke empfohlen hat. Wenn es da auch noch schöner sein soll. Das ist aller­dings genauso schlimm mit der Suche nach einer Unterkunft. Ich frage Anke, wo sie denn in Kopenhagen untergekommen ist, als sie da war. „Ich? In Kopenhagen? Ich war da noch nie. Hab nur gehört, dass es dort schöner sein soll als in Amsterdam“, schreibt sie. Hmpf!

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Meine Frage gefällt inzwischen 17 Menschen, Katrin und Jana fahren zusammen nach Maastricht. Ich bleibe zu Hause, gucke eine Dokumentation über Amsterdam und frage mich, was hier falsch läuft. Ist das das Netzwerk, das unsere Kommunikation revolutionieren soll? Wohl kaum. Es ist wohl so, wie auch im echten Leben: Zu viele Köche verderben den Brei. Und wer zielführende Gesprächsverläufe in einer 400-Mann-Gruppe erwartet, der ist vermutlich selbst schuld. Seht ihr das auch so? Obwohl, lasst mal stecken.

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Kommentare (6)

Community-Richtlinien

Zumo

Facebook? Ne, aber in Twitter soll es gut funktionieren – hab ich gehört, bin nicht bei Twitter. ;P

Werner

FB ist reine Zeitverschwendung, WhatsApp zum Kontakt halten ok.

Ich

Also entweder ich habe ein Deja-vu, oder dieser Artikel ist schon einige Monate alt und nun nur neu etikettiert worden. Oder habe ich den gleichen Artikel gar vor Monaten auf einem anderen Portal gelesen?

Melanie Petersen

Die Kolumne erscheint in unserem Printmagazin, wie ja auch deklariert. Entweder hast du sie dort gelesen oder du hast wirklich ein Deja-vu :)

Cheers!
Melanie

MST

Naja, vermutlich ist vor allem Facebook als Plattform zur Alles-Kommunikation überbewertet. Persönliche Inhalte gehen dort inzwischen sowieso unter und werden weniger. Wie das Beispiel zeigt wird es erst recht schwierig, wenn man unter seinen Kontakten die Schnittmenge mit solchen erwartet, die in Amsterdam schon in einem Hotel übernachtet haben, sprich Ahnung von etwas Speziellem haben und nicht einfach nur einen Kommentar (oder noch passiver, einen Klick auf „gefällt mir“) hinterlassen. Die Leistung der Crowd lässt sich aber durchaus anzapfen, eben durch die bekannten Portale wie booking.com oder TripAdvisor, wo Kundenbewertungen (=Crowd) ein wesentlicher Faktor sind. Diese „Experten“ kennt man halt nicht persönlich, aber sie haben zumindest die Hotels schon mal besucht. Geheimtipps ergeben sich daraus freilich nicht.

nicoklein

Und du glaubst bei so einem Thema im real life verläuft das zielgerichteter? :D Ich glaube, du erwartest von Onlinekommunikation das, was du von Google gewohnt bist, sofortige Lösungen und Antworten. Kriegste nicht von echten Menschen auf Kommando.

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