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Web 2.0: Do it yourself – Erfolgreich Marke Eigenbau

Der Trend zum Selbermachen und Kaufen von handgemachten, individuellen Produkten ist keine kurzlebige Modeerscheinung. Die neue Selbermachenwelle ist gut 14 Jahre nach Entstehung der ersten Indie-Craft-Communitys in den USA nun auch im europäischen Mainstream angekommen und erfreut sich großer Beliebtheit. So abwechslungsreich wie das Produktangebot sind auch die Bezeichnungen der Akteure: Hobbyist, Do-it-yourself-ler, Designer oder Indiepreneur – Hauptsache „handmade“. Das Internet, besonders das Web 2.0, spielt dabei eine nicht zu unterschätzende Rolle.

„The New Handmade“

Der neue Trend zum Selbermachen wird in den USA „The New Handmade“ genannt und repräsentiert einen Crossover von bewährt Gutem und der Moderne: traditionelle Handarbeits- und Handwerktechnik trifft auf moderne, oft unkonventionelle Formensprache.

Die gegenwärtige Welle erinnert entsprechend an den Schwung eines Pendels zurück zur Mitte: Die 60er und 70er erlebten einen Selbermachentrend, geprägt von der Hippiebewegung, die mehr auf politische Statements denn auf Qualität Wert legte. Die Gegenreaktion kam in den 80ern und 90ern, in denen „Handwerk“ zu „Kunsthandwerk“ wurde und sich in exklusivere Nischen zurückzog – mit dem gemeinen Basteln und Handwerkeln wollte man nichts zu tun haben. In den späten 90ern kam der Wandel:
Weder schlechte Qualität noch elitäres Abschotten wollten die Indie-Designer der ersten Stunde, sie wollten lediglich eigene Ideen umsetzen und eine Alternative zum Einheitsbrei der Massenproduktion schaffen. Aspekte wie etwas in die eigenen Hände zu nehmen und selber zu machen oder die selbstgemachten Produkte Gleichgesinnter zu kaufen und zu wissen, wo das Produkt herkommt und wer es gefertigt hat, wurden zu den obersten Maximen erklärt. Die Sehnsucht nach mehr Individualität und vielleicht auch nach ein bisschen heilerer Welt schwang bei diesen Anliegen deutlich mit.

Notizbücher auf paperama.de, Wikinger auf herzensart.com, Stofftaschen auf fraeuleinherz.de und Ohrringe auf lilarubyking.eu (von oben links nach unten rechts)

Die Community als Herzstück

Das Herzstück der neuen Selbermachwelle ist die Community, in der man sich austauscht und gegenseitig inspiriert – in der aber auch mal die Fetzen fliegen. Die ersten kreativen Knotenpunkte im Web waren amerikanische Online-Communitys wie Get Crafty, die bereits 1998 starteten – also noch vor der Zeit des Web 2.0. In den USA hat man sich das neue Medium Internet sehr früh zu Nutze gemacht, um sich überregional zu vernetzen, Ideen auszutauschen und die eigenen Kreationen einem Publikum zu präsentieren, das zahlenmäßig über die bis dahin üblichen kleinen kreativen Clubs weit hinaus reichte. Erst das Web 2.0 brachte jedoch die Dynamik, die dem Trend zu einem wahren Boom verhalf. Es gründeten sich nicht nur zahlreiche neue Communitys, sondern die noch junge Blogszene bekam ebenfalls Zuwachs von kreativen Bloggern. Letztlich sind es auch die für das Social Web so typischen Applikationen wie Widgets oder Dienste wie Facebook und Twitter, die der Vernetzung und der Selbstvermarktung der Kreativen den nötigen Auftrieb geben.

Bei ravelry dreht sich alles um Stricken, Häkeln und Wollespinnen.

Bei ravelry dreht sich alles um Stricken, Häkeln und Wollespinnen.

Kreativ-Communitys der neuen Generation finden sich auch in Deutschland. Beispiele hierfür sind wanaba [1] (2008) oder Burdas Portal BurdaFashion [2], das diesen Herbst wieder mit der hauseigenen, ursprünglich für den US-Markt gelaunchten „Open-Source-Sewing-Community“ BurdaStyle [3] (2008) verschmolzen werden soll. Ravelry [4] (2008) ist mit rund 270.000 Mitgliedern eine geschlossene Community, die sich einzig ums Stricken, Häkeln und Wollespinnen dreht. Wolle- und Projektlisten sowie Muster und Literatur sind nur einige Beispiele aus der reichen Feature-Liste.

Instructables [5] ist seit 2005 eine der wichtigsten Communitys zum Thema Do-it-yourself (DIY) im englischsprachigen Netz und ähnlich erfolgreich wie Ravelry. Hier können Nutzer Bauanleitungen für fast alles präsentieren, was sich selbermachen lässt. Die Anleitungen werden in der Community diskutiert, bewertet und können per Mausklick in guter Social-Web-Manier an anderen Orten im Netz gezeigt werden. In Deutschland stehen Expli [6] und WaWerko [7] ganz im Zeichen von DIY 2.0.

Für Christian Bücherl von Expli ist das Internet ein perfektes Tool für DIY-Begeisterte: „Internet und Do-it-yourself gehen inzwischen Hand in Hand. Haben sich Selbermacher zuvor nur im eigenen Hobbyraum oder kleinen Vereinen getroffen, so ermöglicht das Internet eine fast grenzenlose Vernetzung von Gleichgesinnten.“

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