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Web 2.0: Do it yourself – Erfolgreich Marke Eigenbau

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Produzent und Konsument auf Augenhöhe

Das Web 2.0 ist ein perfekter Partner der neuen Handmade-Bewegung, denn es versetzt seine Nutzer in die Lage, ihr Anliegen einem viel größeren Publikum nahe zu bringen, als es offline möglich wäre. Dank der für das Web 2.0 charakteristischen Dynamik finden der Austausch und die Interaktion mit Gleichgesinnten und Kunden aus der ganzen Welt nahezu in Echtzeit statt. Für die deutsche Buchkünstlerin Astrid Haas zum Beispiel ist das Internet mehr als nur ein geeigneter Ort, ihr Mikrolabel tulibri [8] zu vermarkten: „Die Buchbindekunst ist heute ein seltenes Handwerk, doch via Internet finde ich Know-how und Inspiration und knüpfe Kontakte – das motiviert mich in meinem Schaffen. Und als budgetfreundliches „Schaufenster“ für meine Arbeiten ermöglicht mir das Netz natürlich, viel mehr interessierte Menschen anzusprechen als nur offline.“

Etsy [9] (USA) war 2005 der erste Marktplatz, der sich speziell der neuen Welle des Indie-Crafting verschrieben hatte: Unabhängige Kreative sollten einen Marktplatz bekommen, auf dem sie ihre handgefertigten Produkte verkaufen konnten. Ähnliche Geschäftsmodelle hatte es davor im Netz zwar gegeben, aber diese richteten sich alle an das Kunsthandwerk sowie High-End-Designer und nahmen daher nicht jeden auf. Nur kurze Zeit später startete 2006 in Berlin sozeug, das noch im selben Jahr in DaWanda [10] integriert wurde. Ein ganz frischer Neuzugang auf dem europäischen Markt ist das Schweizer guzuu [11] (2009), das derzeit rasant wächst.

Die Qual der Wahl

Zwischen 2005 und 2009 sind weltweit über 50 offene Marktplätze zum Kaufen und Verkaufen handgemachter Produkte entstanden [12], die Mehrzahl davon in den USA.

Darüber hinaus gibt es weltweit seit 2002 so genannte Indie Distros, Onlineshops, die Produkte anderer Indie-Designer verkaufen, und kuratierte Marktplätze für handgemachte Unikate und Kleinstserien. Aus Österreich kommt zum Beispiel Hokohoko [13], das bereits seit 2006 im Geschäft ist. Der neue Trend zur handgemachten Kleinstserie geht für Chefin Sabine Schally hin zum Long Tail in die richtige Richtung: „Anbieter haben durch das Internet erstmals die Möglichkeit, relevante Umsätze zu erwirtschaften: Günstige Präsentation, geringes Risiko, weil keine Kommissionsware produziert werden muss und enorme Reichweite stehen dem zunehmenden Kundenwunsch nach kreativen, individuellen, authentischen und nachvollziehbaren Artikeln gegenüber.“

Insgesamt führen englischsprachige Länder wie die USA, Australien und Großbritannien die Liste der Marktplätze für Selbstgemachtes an, gleich dahinter kommen allerdings bereits deutschsprachige Länder wie Deutschland, Österreich und die Schweiz, gefolgt von immerhin drei Marktplätzen aus Russland. Südeuropa ist lediglich mit ein paar französischen Projekten aktiv, und auch in Skandinavien ist die Lage ähnlich. In Japan gab es ungefähr zeitgleich eine Selbermachenwelle, die allerdings keinen vergleichbaren Marktplatz hervorgebracht hat.

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