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Wenn die KI textet: Maschinelle Texterstellung auf dem Prüfstand

Seit zehn Jahren diskutiert die Marketingbranche über die ­Frage, ob Maschinen gute ­Texte ­schreiben können. Im letzten Jahr ist endgültig klar geworden: Es funktioniert – und es geht weitaus mehr, als Daten in Fließtext zu konvertieren.

7 Min. Lesezeit

Wenn die KI textet. (Grafik: Shutterstock / Julia Tim)

„Jane, verstehst du denn nicht? Es ist erstaunlich. Wir könnten einfach die Hand ausstrecken und die Stadt oder den Himmel berühren. Sehen, wie weit wir gehen könnten. Wir können diese Welt kontrollieren, aber wir können uns nicht selbst kontrollieren.“

Diese Zeilen entstammen einem digitalen Groschenroman. Zur Erinnerung an alle unter 30: Der Groschen war die umgangssprachliche Bezeichnung des Zehnpfennigstücks. Dafür bekam man einmal am Kiosk Kaugummis und Naschereien oder auch am Bahnhofskiosk ein dünnes Heft mit trivialen Liebesgeschichten oder Krimis. Es handelt sich um den zweiten Absatz einer Geschichte namens Trennungen. Sie wurden von Ella aus Köln verfasst. Ella ist kein Pseudonym. Ella ist eine künstliche ­I­ntelligenz.

Die Kölner Text-KI Ella schreibt und veröffentlicht nicht nur kreative Kurzgeschichten, sondern textet auch für deutsche Großkonzerne. (Abbildung: Ella Media)

„Zu Beginn hatten wir die Idee, mit einem KI-Tool massenhaft Groschenromane zu erzeugen“, erklärt Michael Keusgen, ­einer der beiden Väter von Ella. „Das ist ein riesiger Markt und die Geschichten sind immer sehr ähnlich konstruiert“, erklärt er. Der ehemalige Film- und Fernsehproduzent wechselte vor zwei Jahren das Genre. Er war ausgebrannt, wollte etwas ­Neues schaffen und sich weniger mit TV-Redakteuren und Drehbuchautoren streiten. So wurde Ella geboren. Die rheinische KI produziert längst viel mehr als Schundromane. In zwei großen Projekten, über deren Auftraggeber Keusgen nicht sprechen darf, wird Ella eingesetzt, um mit Menschen zu kommunizieren. Es sind Marketing­projekte zweier international bekannter ­Großkonzerne, die mit ihren ­Aufträgen dafür sorgen, dass Ella finanziell überlebt. Die Marketer aus beiden Unternehmen glauben daran, dass Ella kreative, lustige und berührende Texte schreiben kann.

Ella schreibt Wort für Wort selbst, darauf ist Keusgen besonders stolz. Zu Beginn erzeugte sie erst mal 179 Schrotttexte, bevor ein lesbares Werk dabei war. Inzwischen ist jeder siebte Text so gut, dass er auf der eigens für ihre Kurzgeschichten eingerichteten Onlineplattform Frogs42 veröffentlicht werden kann.

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Das maschinelle Schreiben von Texten basiert in der Regel auf einem von zwei sehr unterschiedlichen Ansätzen: Entweder die Maschine erzeugt eine Art Wahrscheinlichkeitsrechnung für das nächstbeste Wort im Text – so wie Ella – oder sie bedient sich aus einer riesigen gelernten Bibliothek und verwendet bereits existierende ­Textfragmente und Satzbausteine. Ob eine Methode besser ist als die andere, ist ebenso eine akademische Frage wie die, ob eine von beiden Formen des maschinellen Textens wirklich kreativ ist. „Besser“ ist ein relativer Terminus, der sich vor allem an der Aufgabenstellung orientiert. Wer einfache Produktbeschreibungen braucht, für den ist es kein Problem, wenn Textfragmente schon woanders aufgetaucht sind. Diese automatisierte Form des Textens ist möglicherweise schneller und günstiger.

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Ein Kommentar
KI-Student
KI-Student

Ich denke, durch Technologien wie mit GPT-3 werden wir in Zukunft noch mehr Innovation in dem Bereich sehen. Auch in eher untypischen Bereichen wird man noch einige Ah-Erlebnisse haben. Wir sollten nur hoffen, dass es weniger in die Richtung Clickbaiting geht und mehr eine für uns Menschen entlastende und Fortschritt bringenden Richtung einschlägt.
Übrigens das Start-up QuizCo aus Hannover beschäftigt sich auch mit der maschinellen Texterstellung nur im Bereich Bildung. Soweit ich informiert bin, haben die auch mit der Leibniz Universität Hannover und dem L3S zusammengearbeitet.
Vielleicht solltet ihr die auch mal Interviewen zu dem Thema?!

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