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Den Wert des eigenen Web-Startups zu kennen ist unbezahlbar: Unternehmensbewertung 2.0

Die eigene Firma zu bewerten ist auch für Web-Unternehmen nicht nur sinnvoll, wenn man sie veräußern möchte. Doch wie berechnet man den Unternehmenswert und welche Methoden existieren? Dieser Artikel führt anhand eines Bewertungsbeispiels durch alle Stadien der Unternehmensbewertung und bietet einen Einstieg in die Thematik.

Die Gründe für eine Unternehmensbewertung sind mannigfaltig. Im Bereich der Internetunternehmen (Onlineshops, Internetagenturen und Web 2.0 Startups) stellt die Aufnahme von Geschäftspartnern beziehungsweise Kapitalgebern (Venture Capital) den häufigsten Bewertungsanlass dar. Zudem kann es sein, dass Banken bei umfangreichen Investitionen oder einer neuen Expansionsstrategie ein Wertgutachten verlangen.

Drei Wege, drei Ergebnisse

Bei den Bewertungsmethoden existieren unterschiedliche Ansätze. Die Substanzwertmethode ermittelt den Mindestwert eines Unternehmens durch Berechnung des Marktwerts aller Vermögensgegenstände (zum Beispiel Büroeinrichtung und Lagerbestände) und Abzug der Schulden (Verbindlichkeiten, Rückstellungen) des Unternehmens. Dieses Verfahren ist statisch und kann selbst geschaffene Vermögensgegenstände (wie Lizenzen, Patente, Marken und den Firmenwert) wertmäßig nicht erfassen.

Man muss jedoch auch dem so genannten Goodwill (Firmenwert), also dem immateriellen Mehrwert, Rechnung tragen. Dazu eignet sich das Ertragswertverfahren, das die zukünftige Ertragsentwicklung des Unternehmens auf Basis einer Abzinsung der zukünftig zu erwartenden Erträge berücksichtigt. Die Abzinsung ist ein Verfahren, bei dem der heutige Wert eines später fälligen Betrags vor dem Hintergrund der Wiederanlage der Zinsen ermittelt wird. Wenn die Ertragsplanung des Unternehmens positiv sein sollte, wird der Ertragswert in der Regel über dem Substanzwert liegen. Die sich ergebende Differenz zwischen Substanzwert und Ertragswert wird Goodwill genannt und bewertet die sonst schwer zu berechnenden Parameter wie Know-how der Mitarbeiter, Kundenstamm, Organisation und Qualität des Managements.

Das Discounted-Cash-Flow-Verfahren (DCF-Methode) zinst schließlich anstatt der Jahresüberschüsse die Cash Flows ab. Dieser Artikel spielt einen fiktiven Unternehmenskauf mit folgenden Methoden durch:

  • Umsatzmultiplikatorverfahren,
  • Substanzwertverfahren
  • Ertragswertverfahren

Die auf die Entwicklung und Betreuung von Webauftritten spezialisierte Web 2.0 GmbH erzielt mit acht Mitarbeitern einen Umsatz von 890.000 € und einen Jahresüberschuss von 210.000 €. Das Unternehmen verfügt über acht hochwertige Arbeitsplätze. Der bisherige alleinige Gesellschafter und Geschäftsführer (A) möchte sich nun mehr um die strategische Ausrichtung kümmern und bietet einem seiner Mitarbeiter (B) eine 25-prozentige Beteiligung an.

Das Umsatzmultiplikatorverfahren

Das Umsatzmultiplikatorverfahren findet in der Praxis am häufigsten Anwendung. Wie der Name schon sagt, ermittelt man den Unternehmenswert durch die Anwendung eines bestimmten Multiplikators. Die Bemessungsgrundlage ist der nachhaltig zu erzielende Jahresumsatz. Dieser setzt sich aus den Leistungen zusammen, die die Web 2.0 GmbH aufgrund bestehender Kundenverhältnisse und erteilter Aufträge innerhalb eines Zeitraumes von zwölf Monaten voraussichtlich erzielen kann. Die Umsatzmultiplikatoren (m) für Software-Unternehmen liegen in einer Bandbreite von 0,66 bis 1,07 [1].

Unternehmenswert nach Umsatzmultiplikator
Mindestwert (m = 0,66) Mittelwert (m = 0,865) Höchstwert (m = 1,07)
587.400 € 769.850 € 952.300 €

Mitarbeiter B müsste also im für ihn besten Fall 147.000 € (0,25 * 587.000 €) und 238.000 € (0,25 * 952.000 €) im schlechtesten Fall für eine 25-prozentige Beteiligung an der GmbH an Geschäftsführer A zahlen.

Für den Einsatz des Umsatzmultiplikatorverfahrens spricht lediglich die unkomplizierte Anwendung. Die negativen Aspekte des Verfahrens überwiegen jedoch. Die Rentabilität des Unternehmens wird beispielsweise völlig außer Acht gelassen. So kann es vorkommen, dass für ein Unternehmen, das seit Jahren hohe Verluste erwirtschaftet, der gleiche Unternehmenswert ermittelt wird, wie bei der Web 2.0 GmbH, die hohe Erträge erzielt hatte und nur zufällig den gleichen Umsatz generierte.

 

Darüber hinaus ist die Datenbasis für die Ermittlung eines Multiplikators in Frage zu stellen, da für kleine Unternehmen so gut wie keine Multiplikatoren bekannt sind und man hier auf Multiplikatoren zurückgreifen muss, die für alle Unternehmen unter 50 Mio. € Umsatz gelten. Ein Unternehmen mit 50 Mio. € Umsatz kann allerdings nicht mit der kleinen Web 2.0 GmbH verglichen werden.

Das Substanzverfahren

Der Idee nach ist der Substanzwert ein Rekonstruktionswert. Das heißt: man geht davon aus, dass man ein gleiches Unternehmen aufbauen kann, indem man die gleichen Vermögensgegenstände erwirbt. Dieser Rekonstruktionswert ergibt sich aus den am Markt erzielbaren Preisen aller Vermögensgegenstände. Man nimmt also keinen Bezug auf die Ertragskraft und die zukünftige Entwicklung. Der Substanzwert stellt für gewöhnlich die Preisuntergrenze dar.

Der Substanzwert der Web 2.0 GmbH ergibt sich auf folgende Art und Weise:

Substanzwert errechnen

Basis: 8 vollausgestattete Büroarbeitsplätze

4 große Schreibtische (á 2 Mitarbeiter)
Kaufpreis: 4 * 1.500 €
Marktwert: 4 * 900 € = 3.600 €

8 Apple iMac
Kaufpreis: 8 * 2.000 €
Marktwert: 8 * 1.200 € = 9.600 €

Spezielle Software mit 8 Lizenzen
Kaufpreis: 15.000 €
Marktwert: 8.000 €

Server
Kaufpreis: 5.000 €
Marktwert: 3.000 €

1 Kaffeemaschine, 4 Drucker, 12 Stühle und sonst. Büroausstattung
Marktwert: 10.000 €

Addierte Marktwerte: 34.200 € = Substanzwert

Listing 1

B müsste für den Erwerb einer 25-prozentigen Beteiligung lediglich knapp 9.000 € (0,25 * 34.000 €) leisten.

Selbst wenn der Substanzwert bei 150.000 € liegt, wäre der Wert des Anteils wesentlich niedriger als der Wert nach dem Umsatzmultiplikatorverfahren. Der bisherige Gesellschafter A würde zu diesem Preis seinen Unternehmensanteil wahrscheinlich nicht veräußern wollen.

Unternehmenswert ist ungleich Unternehmenspreis
„Price is what you pay. Value is what you get.“ Dieses Zitat von Warren Buffet wird zu Recht oft zitiert. Das Bewertungsgutachten kann individuell und fundiert sein, doch letztlich wird der Preis durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Bei einem Gutachten können mittlerweile viele individuelle Faktoren bewertet werden, bei der Vorhersage von Faktoren wie Prestige, Synergieeffekten oder Verhandlungsgeschick des Verkäufers/Käufers gerät die Wissenschaft jedoch an ihre Grenzen. Ein Bewertungsgutachten ist häufig ein unabdingbares Instrument, das man als Ausgangsbasis für die Preisverhandlungen ansehen sollte.

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