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Yeoman: So vereinfachst du deinen Frontend-Workflow

Yeoman. (Foto: nullplus/iStock)

Effizienz und Qualität steigern und trotzdem entspannter arbeiten? Das kann doch nicht funktionieren! Yeoman beweist, dass es doch möglich ist und nimmt zumindest Webworkern lästige Aufgaben ab. Die Werkzeugkiste ist leicht eingerichtet, gut dokumentiert und hat das Potenzial, Workflows der Frontend-Entwicklung radikal zu vereinfachen.

Entwickler erledigen ständig Aufgaben, die sich von Tag zu Tag gleichen und von Projekt zu Projekt wiederholen. Den meisten Webentwicklern widerstrebt genau diese Arbeit ungemein. Das spiegelt die Masse an Frameworks und Boilerplates in fast allen Skript- und Darstellungssprachen wieder. Selbst wenn man als Webentwickler keines dieser Frameworks nutzt, verfügt man zumindest über einen Fundus mit Code-Schnipseln und Best-Practices – oder bedient sich aus einem vorherigen Projekt.

Wäre es nicht schön, wenn ein neues Web-Projekt in wenigen Minuten eingerichtet wäre, viele Aufgaben im Hintergrund automatisch erledigt werden und außerdem Updates von Ressourcen im Handumdrehen eingespielt sind?

Der Start jedes Web-Projekts beinhaltet meist Copy&Paste in erheblichem Ausmaß sowie die Suche nach Ressourcen, die der Entwickler in der aktuellen Version herunterladen und in die eigene Projektstruktur integrieren muss. Je nach Anforderung und Umfang kommt im Rahmen dieser Vorbereitungen einiges an Material zusammen, das mühsam auf Github, Google Code, sourceforge und anderen Plattformen gesucht werden muss. Selbst wenn der Entwickler sein eigenes Boilerplate nutzt, fehlen ihm noch immer die aktuellen Versionen der verwendeten Frameworks und Plugins. An genau dieser Stelle setzt Yeoman an und hebt den Grundgedanken der Wiederverwendbarkeit von Code auf eine neue Ebene.

Yeoman im Überblick

Yeoman besteht aus drei Werkzeugen, die folgende Teilbereiche abdecken:

  1. YO – Scaffolding: Einrichtung des Projekts und je nach eingesetztem Generator verschiedene zusätzliche Funktionen
  2. GRUNT – Build Process: Automatisierte Aufgaben und Watch-Tasks
  3. BOWER – Package Manager: Web-Pakete herunter laden, Abhängigkeiten beachten und Updates der Pakete vornehmen

Von der Einrichtung eines neuen Web-Projekts, dem Laden notwendiger Ressourcen (Frameworks, Plugins) unter Berücksichtigung von Abhängigkeiten, bis hin zu automatisierten Aufgaben während des Projekts und des Build-Prozesses unterstützt Yeoman den Entwickler von Anfang bis Ende eines Projekts.

Yeoman basiert auf den Tools Grunt und Bower und hilft Frontend-Entwicklern bei wiederkehrenden Aufgaben
Yeoman basiert auf den Tools Grunt und Bower und hilft Frontend-Entwicklern bei wiederkehrenden Aufgaben

Yo

Mit Yo wird ein Projekt gestartet, die Projektstruktur erstellt und die notwendigen Ressourcen heruntergeladen. Yo arbeitet dafür eng mit Bower zusammen und erstellt ebenso das Gruntfile (mit den Konfigurationen für Grunt) sowie eine .gitignore für den Fall, dass das neue Projekt auch ein eigenes GIT-Repository werden soll.

Grunt

Grunt ermöglicht hingegen das Erstellen von Tasks, die verschiedene Funktionen übernehmen können. Die Möglichkeiten sind nahezu grenzenlos. So lassen sich beispielsweise Less, Sass, CoffeeScript und andere Präprozessoren kompilieren, CSS und JavaScript zusammenfassen und minifizieren (Build-Prozess), Bilder optimieren und sogar UI-Testing (zum Beispiel mit DalekJS) ist möglich. Auch Unit-Tests gehören zum Funktionsumfang.

Der große Vorteil von Grunt gegenüber anderen Build-Tools: Grunt ist in JavaScript geschrieben, so dass auch eigene Grunt-Plugins in JavaScript erstellt werden können. Damit hat man als Webentwickler ein mächtiges Werkzeug, dessen Sprache man bereits versteht. Grunt lässt sich auch unabhängig von Yeoman verwenden.

Bower

Bower ist ein Paketmanager für das Web und komplettiert Yeoman. Der Paketmanager sorgt dafür, dass man auf angenehme Weise Frameworks, Plugins und andere Ressourcen in das eigene Projekt integrieren kann. Auch Updates sind möglich – dabei werden Abhängigkeiten verschiedener Komponenten zueinander beachtet. Ein jQuery-Plugin, das als Bower-Package existiert, sorgt automatisch dafür, dass auch jQuery in der benötigten Version heruntergeladen wird.

Installation

Yeoman basiert auf Node.js und kann daher inklusive Grunt und Bower als Node-Package-Module (npm) installiert werden. Node.js lässt sich als grafischer Installer auf nodejs.org für Windows, Mac OS X und Linux herunter laden. Direkt nach der Installation steht einem im Terminal der Installer für Node-Module zur Verfügung.

Yeoman lässt sich dann mit einem Terminal-Befehl global installieren:

npm install -g yo

Hat man npm bereits in einer älteren Version < 1.2.10. (mit „npm --version“ überprüfen) installiert, so müssen Grunt und Bower zusätzlich manuell global installiert werden:

npm install -g grunt-cli bower

Zusätzlich ist ein Generator nötig, der ebenfalls global installiert wird:

npm install -g generator-webapp

Weitere Generatoren für die unterschiedlichsten Anforderungen finden sich direkt auf der Website von Yeoman. Für den Anfang sollte allerdings der Webapp-Generator ausreichen.

Wie legt man los?

Ebenfalls über das Terminal lässt sich im nächsten Schritt das erste Yeoman-Übungsprojekt starten. Dazu ist zunächst ein Projekt-Ordner nötig, in den man direkt wechselt, sobald dieser angelegt ist:

mkdir meine-webapp
cd meine-webapp

Jetzt kommt der schöne Teil, die Einrichtung des Projekts in nur wenigen Augenblicken:

yo webapp

Es folgt eine Frage nach zusätzlichen Komponenten. Hier kann man sich entscheiden, ob das Projekt Komponenten wie Bootstrap, RequireJS oder Modernizr benötigt. Dabei werden nicht nur diese Komponenten durch Bower heruntergeladen, sondern auch alle notwendigen Node-Module sowie eine passende Konfigurationsdatei für Grunt erstellt (Gruntfile.js). Nach weniger als einer Minute steht die Basis eines neuen Projekts und man kann mit der Entwicklung starten. Der Default-Task für den Build-Prozess mit „grunt“ ist ebenso verfügbar wie ein auf node.js basierender Webserver.

Spannender wird es, wenn man andere Yo-Generatoren verwendet, die auch zusätzliche Funktionen bieten. So können beispielsweise die Generatoren für AngularJS und Backbone.js direkt neue Controller oder Views anlegen. Das geht oft schneller als eine Datei manuell zu erstellen und die nötigen Definitionen selbst zu schreiben. Auch das Anlegen eigener Generatoren ist möglich. So können Entwickler beispielsweise ein Starterpaket aus dem HTML5-Boilerplate, einem gewünschten Präprozessor (Sass, Sass & Compass oder Less), RequireJS, jQuery, Plugins und Tests als Generator anlegen.

Möchte man später weitere Bower-Pakete in das eigene Projekt integrieren, können sie in der bower.json-Datei (oberste Ebene des Projekts) hinzugefügt werden. Danach werden die Pakete bei einem Ausführen von bower install automatisch heruntergeladen. Über das Terminal lassen sich Bower-Pakete suchen und manuell installieren – ohne bower.json anpassen zu müssen:

bower search yaml
bower install yamlcss

Yeoman oder Grunt?

Yeoman kann Webentwicklern als Allzweckwaffe dienen und bietet gerade bei größeren Projekten oder Web-Apps ein enormes Potenzial. Besonders angenehm ist, dass Yeoman nicht in Konkurrenz zu Tools wie Grunt oder Bower steht, die sich mehr und mehr etabliert haben, sondern diese in sich vereint. Ein Projekt, das also mit Yeoman gestartet wurde, kann theoretisch sogar ohne Yeoman und ausschließlich mit Grunt und Bower weiterentwickelt werden. Diese Freiheit kombiniert mit der Möglichkeit, auch eigene Yo-Generators und damit eigene Projekt-Vorlagen zu erstellen, macht Yeoman zu einem unschätzbaren Begleiter im Alltag.

Michael Schulze
Michael Schulze

ist selbstständiger Webentwickler und Designer in Köln (michsch.de). Er hat sich auf Frontendentwicklung, Workflowoptimierung, Responsive Design und Open-Source-CMS (TYPO3, WordPress etc.) spezialisiert. Er ist Mitgründer des Startups Brain Gourmets GmbH und gibt Workshops für effiziente Frontendentwicklung.

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