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Zukunftstechnologien in der Automobilindustrie: Tanken per Blockchain, Apps im Armaturenbrett

Im Virtual-Engineering-Lab arbeiten VW-Ingenieure mit der Hololens von Microsoft an Details verschiedener Automodelle. (Foto: Volkswagen)

Ob Tanken per Blockchain, Prototypen aus dem Quantencomputer oder App Stores in der Mittelkonsole: Die gesamte Autobranche experimentiert bereits fleißig mit Zukunftstechnologien – und hofft auf strategische Vorteile sowie eine größere Kundennähe.

Moderne Manager wie Dieter May tragen die Suche der Auto- branche nach neuen Erlösquellen bereits auf ihrer Visitenkarte. Der Mann ist „Senior Vice President Digital Services und ­Business Modells“ bei BMW. Seine Aufgabe ist keine geringere, als das Auto endlich zum wichtigsten Medium für den Internetzugang nach dem Smartphone zu machen.

Die Vernetzung der Fahrzeuge sei „eine einzigartige Möglichkeit“ für die Hersteller, den Kunden besser zu verstehen: „Einfach weil wir aufgrund der Nutzungsstatistiken wissen, was er die ganze Zeit über mit dem Fahrzeug macht, welche Touchpoints er mit uns hat“, sagt May. Diese Daten will er in Dienstleistungen übersetzen.

Bisher war der Kontakt zum Kunden für die Autokonzerne nicht vorhanden. Sobald die Fahrzeuge das Werk verließen, übernahmen die Händler die Kundenbeziehungen – und somit das Geschäft. Die Möglichkeit, sich eine digitale Kundenbasis aufzubauen, werde zu einem „signifikanten Werttreiber” für den Konzern. „Wenn wir heute keine digitale Erlebnislandschaft anbieten können, das Auto also nicht voll vernetzt ist, hat man als Hersteller einen klaren Wettbewerbsnachteil. Das wird zunehmend ein kaufentscheidendes Kriterium“, sagt May.

Das, was früher der Sechszylinder-Motor oder die tolle ­Felge war, das sind heutzutage die digitalen Gimmicks im Auto: die autonome Parkhilfe, das vernetzte Entertainmentsystem, die informative Windschutzscheibe. Alles, was es dem Kunden einfacher macht,  eben bequemer. Um die Weichen für die Zukunft zu stellen, erproben auch die Autokonzerne schon jetzt die Technologie der kommenden Jahre – künstliche Intelligenz, Blockchain, Quantencomputing, Virtual und Augmented Reality. Nur so können sie dem Autofahrer in einigen Jahren das bieten, was er will.

Mit Car-Data will BMW eine Art „App-Store fürs Auto“ bauen: Auf Basis verschiedener Autodaten sollen Dienstleister spezialisierte Angebote vorbereiten können – etwa rechtzeitige Reifenwechsel. (BMW)

Dank Google-Touren und erster eigener Gehversuche im ­Silicon Valley wissen sie, dass das frühzeitige Experimentieren mit Technologie einen strategischen Vorteil bringen kann – und zwar nicht nur gegenüber der Konkurrenz aus den USA oder aus Fernost, sondern auch hierzulande, wo Kartellvorwürfe und Diesel­affäre ordentlich am Image der ganzen Branche gekratzt haben. Auch wenn ein Blick in das aktuelle Produktportfolio noch nicht ganz darauf schließen lässt: Die Hersteller haben die He­rausforderung angenommen. Sie gucken sich die Zukunftstechnologien aus zwei Perspektiven an – aus der kundenzentrierten und aus der wirtschaftlichen.

Welche die wichtigere ist, kann ein Mann beantworten, dessen Jobtitel ebenfalls viel über die Suche der Autobranche aussagt: Alexander Mankowsky, Zukunftsforscher bei Daimler und zuständig für das Arbeitsgebiet „Future Studies & Ideation“. Nach eigener Aussage arbeitet er schon aus Prinzip nicht nur klassisch in einer Abteilung. Er ist viel unterwegs, trifft sich mit Künstlern und Forschern zum Parlieren.

Sein Urteil: Allein ein Vorsprung durch Technik reicht nicht aus. Zwar kann sich Mankowsky für die aufstrebende maschinelle Intelligenz wie sie beim autonomen Fahren, bei Flottenplanungen oder Optimierungen in Fabriken schon Anwendung findet, durchaus begeistern. Aber der Zweck, sagt der Forscher, sei natürlich immer der Mensch. Die Sinnstiftung komme allein von ihm, also vom Kunden, der sein Auto auch deshalb so möge, weil es diese „Spannung zwischen Tradition und totalem Hightech“ repräsentiere, die Einbindung des technologischen Fortschritts in die Kultur. Es müsse der Autoindustrie auch darum gehen, für die Menschheit wünschenswerte Zukunftsentwürfe in den Raum zu stellen, sagt Mankowsky.

Diese Erkenntnisse bespricht der anschließend mit den Kollegen aus der Konzernforschung, die die Produkte letzlich entwickeln müssen. Im besten Fall verbessert Technologie also nicht nur unternehmensinterne Prozesse – sie ermöglicht auch neue digitale Dienste, die den Kunden verwöhnen und ihn an die Marke binden.

App-Store fürs Auto

In der Praxis können Daten bei der Realisierung dieser Mission helfen. BMW will mit seinem Dienst Car-Data die Konnektivität in „eine neue Dimension“ katapultieren. Die Grundlage des Services sind, wenig überraschend, vom Fahrzeug erzeugte Daten. Car-­Data sammelt den Kilometerstand, den durchschnittlichen Kraftstoffverbrauch, den automatisierten Service-Call und einiges mehr. Ein Teil davon wird in Form sogenannter „Telematik-Daten“ verschlüsselt über die fest eingebaute SIM-Karte an BMW-Server übertragen. Von dort aus können Dienstleister wie Werkstätten nach Einwilligung des Fahrers diejenigen Daten beziehen, die sie für bestimmte ­Services brauchen. Der Kunde wiederum kann das Paket „Connected Drive“ erwerben und mit wenigen Klicks Dienstleistungen wie zum Beispiel einen rechtzeitigen Reifenwechsel beanspruchen. Eine Art App-Store für das Auto.

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