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10 Tipps für das 9-Euro-Ticket: So kannst du auch mit dem ICE fahren – und mehr

Das Neun-Euro-Ticket sorgt immer noch für volle Züge und reichlich Diskussionsstoff. Doch in den ersten drei Wochen hat sich gezeigt, dass Fahrgäste mit einigen Tricks und akribischer Planung besser vorankommen. Diese zehn Tipps können dir helfen.

7 Min. Lesezeit
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Ab dem 1. Juni ist der ÖPNV vorübergehend günstiger geworden. (Foto: Electric Egg / Shutterstock.com)

Rund drei Wochen gibt es inzwischen das Neun-Euro-Ticket, eine Fahrkarte, von der am Anfang niemand so genau sagen konnte, was sie für Auswirkungen auf den öffentlichen Personennahverkehr und den Nahverkehr der Bahn in den einzelnen Bundesländern haben wird. Nachdem die ersten Tage vor allem geprägt waren von Sensationsberichterstattung über Menschen, die Hunderte von Kilometern nach Sylt fahren, um dort ein Bier zu trinken, die Füße ins Meer zu halten und danach wieder zurückzufahren, hat sich gezeigt, dass das Ticket auch für vernünftige Dinge zu gebrauchen ist. Doch es gibt einiges dabei zu beachten, wenn man möglichst reibungslos von A nach B kommen will. Ein paar Tipps haben wir für euch zusammengestellt.

Tipp 1: Reise antizyklisch und wähle die richtigen Verkehrsmittel.

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Das klingt erst einmal naheliegend, bezieht sich aber nicht nur auf die Wahl der Uhrzeit, sondern auch auf das Verkehrsmittel. Es hat sich nämlich gezeigt, dass gerade im Zusammenhang mit dem Neun-Euro-Ticket die Hauptverkehrslinien besonders an den Wochenenden mehr als voll sind. Viele Reisende wollen nämlich möglichst weite Strecken zurücklegen und dabei den Fernverkehrszug einsparen, wofür das Ticket ja in erster Linie nicht gedacht war.

Umgekehrt bedeutet das, dass Reisende, die nur eine kürzere Strecke zurücklegen wollen, oftmals in den langsameren Zügen, die unterhalb des Regionalexpress fahren, leichter einen Platz finden können. Auch kann es sich lohnen, wenn es für eine Strecke die Bahn und den regionalen Bus gibt, wenn du hier den weniger frequentierten Bus nimmst.

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Tipp 2: Nutze bei Verspätungen den ICE – und das zum gleichen Preis.

Eigentlich, das sollten inzwischen alle verstanden haben, ist das Neun-Euro-Ticket ein Nahverkehrsticket und kann somit nicht in ICE- und IC-Zügen des Fernverkehrs genutzt werden. Doch es gibt eine Ausnahme – dann nämlich, wenn der Nahverkehr so verspätet ist, dass du mehr als 20 Minuten verspätet an deinem Ziel ankommen wirst. Das ist freilich zu belegen, was du am besten mithilfe von Screenshots in der DB-Navigator-App schaffst.

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Ist der Nahverkehrszug so sehr verspätet, dass du mit mindestens 20 Minuten Verspätung am Zielbahnhof (das kann auch nach einem dann verpassten Umstieg sein) ankommst, darfst du jeden beliebigen Zug nutzen, auch den des Fernverkehrs. Du musst dann allerdings unbedingt eine entsprechende Fahrkarte kaufen und dir diese im Nachhinein erstatten lassen. Unterlässt du dies, kann das als Fahren ohne gültigen Fahrschein ausgelegt werden (und damit 60 Euro plus Fahrtkartenwert kosten).

Erfahrungsgemäß geht die Erstattung wegen Verspätung allerdings in diesem Fall nur selten über den digitalen Prozess im Meine-Bahn-Portal (was erfahrungsgemäß schneller läuft als die Abwicklung per analogem Formular), da in der Abfrage die vorgelagerte Verspätung nicht abgebildet werden kann. Somit wirst du hier ein Fahrgastrechteformular mit entsprechenden Belegen ausfüllen müssen. (EDIT: Dieser Absatz wurde aufgrund des Kommentars – s.u. – angepasst! Vielen Dank für den Input.)

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Tipp 3: Vermeide Umstiege und lass genügend Umsteigezeit.

Wenn du nicht gerade auf das Anwenden von Tipp 2 scharf bist, solltest du gerade in diesen Tagen möglichst wenig umsteigen. Denn gerade an den Wochenenden hat das neue Ticket dazu geführt, dass ein hoher Prozentsatz der Züge mehr als nur ein paar Minuten verspätet ist. Und da in vielen Fällen nur ein Stundentakt bedient wird, bist du dann gleich empfindlich viel später an deinem Ziel. Daher kommst du meist am schnellsten ans Ziel, wenn du Umsteigen vermeidest oder die Umsteigezeit erhöhst. Die passende Funktion findest du beispielsweise in der DB-Navigator-App unter „Optionen“ und dann „Umsteigezeit“. Wie du den Wert hier wählen solltest, hängt von der Strecke ab, 20 Minuten sind hier aber ein vergleichsweise solider Wert.

Apropos möglichst wenig Umsteigen: Wenn du zunächst einmal herausfinden willst, wie weit du von einem bestimmten Ort aus ohne Umsteigen kommst, schau dir die Karte bei Bahnguru an. Hier finden selbst erfahrene Pendler noch einzelne Züge, die in eine bestimmte Stadt fahren und beispielsweise nur in den Morgenstunden oder am Wochenende verkehren.

Tipp 4: Reise vom Anfangsbahnhof aus – oder starte kurz vor einer großen Stadt.

Gerade wer eine längere Strecke vor sich hat oder mit der ganzen Familie unterwegs ist, ist naturgemäß an einem Sitzplatz interessiert. Doch die sind gerade dieser Tage eher Mangelware. Hilfreich ist es daher, bei längeren Fahrten oder auch bei verschiedenen Umsteigevarianten einen Zug vom Anfangsbahnhof zu wählen oder diesen erst kurz vor der Endstation zu betreten, wenn schon die meisten Fahrgäste ausgestiegen sind. Ein guter Move kann es auch sein, beispielsweise eine Station vor dem großen Umsteigebahnhof einzusteigen, um dann dort einen oder mehrere Sitzplätze zu ergattern.

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Tipp 5: Auf Baustellen achten und sie weiträumig umfahren.

Eigentlich wird bei der Bahn immer irgendwie gebaut. Zu groß und fehleranfällig ist das Netz – und nur wenn regelmäßige Bauarbeiten stattfinden, die sich auch auf die heißen Tage erstrecken, kann das Bahnnetz in Schuss gehalten werden. Doch wo wird gerade an dem Termin, wenn du fahren willst, gebaut? Das verrät dir eine Echtzeitkarte der Bahn.

Tipp 6: Oft ist mehr Platz im Zug als du denkst.

Manchmal hilft nur Beharrlichkeit. Denn ähnlich wie viele Menschen direkt am Fuße der Rolltreppe stehen bleiben, tun sie das leider auch im vollen Zug. Möglichst nah an der Tür, dass man auch wirklich am Zielort möglichst reibungslos den Zug verlassen kann. Die Folge: Reisende, die später reinwollen, bleiben draußen – und das, obwohl gerade in der Mitte des Wagens oft noch reichlich Platz ist. Bei so viel Ignoranz hilft leider nur Beharrlichkeit – und ein vorausschauender Blick beim Einfahren des Zuges.

Weniger Platz ist übrigens leider vor allem für jene, die es ohnehin schon schwer haben – ältere Fahrgäste und (geh-) behinderte Fahrgäste oder gar jene mit Rollstuhl oder Kinderwagen. Dass du hier auch mal gerade in diesen heißen Tagen hilfreich sein solltest, versteht sich hoffentlich von selbst.

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Tipp 7: Hund, Katze, Kind – es bleibt schwierig.

Gerade in der aktuellen Situation bleibt ein Restrisiko bei längeren Strecken, wenn es darum geht, ob Kinder ab 6 Jahren kostenlos mitgenommen werden können. In einigen Verbunden sind Kinder bis 14 Jahre kostenlos mitzunehmen, in anderen wiederum nur, wenn es eigene Familienkinder sind. Bei der Bahn müssen sie dagegen entweder auf der Fahrkarte stehen oder aber über ein eigenes Neun-Euro-Ticket verfügen – das ist meist ohnehin die eleganteste Lösung.

Hunde wiederum können, wenn sie maximal die Größe einer Hauskatze haben und in einer Box transportiert werden, als Handgepäck ohne Fahrschein mit, größere brauchen dagegen bei der Bahn und in vielen Verkehrsverbunden einen eigenen Fahrschein. Und der ist, je nachdem, wie weit du fährst, oft deutlich teurer als neun Euro. Aber: Ein Neun-Euro-Ticket für den Hund ist auch nicht erlaubt, da dieses nur für menschliche Passagiere erhältlich ist.

Tipp 8: Fahrradmitnahme schwierig – mit einer Ausnahme.

Dass das Transportieren von Fahrrädern nicht nur aus Platzgründen kompliziert ist und in vielen Fällen wegen der vollen Züge dieser Tage gleich ganz oder zu bestimmten Zeiten unterbunden wird, ist inzwischen bekannt. Es gibt aber eine hervorragende Seite, die akribisch aufschlüsselt, was wo zumindest in der Theorie möglich und erlaubt ist (aber dies natürlich ohne Gewähr). Bedenke, dass du bei Überschreiten von Verbundgrenzen die jeweils gültigen Vorgaben einhalten musst.

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Eine Ausnahme gibt es hier allerdings, die vor allem Pendler:innen aufhorchen lässt. Bereits seit einigen Jahren gelten Falträder bis 20-Zoll-Reifengröße in zusammengeklapptem Zustand als Handgepäck, das du auch dann mit in den Zug nehmen kannst, wenn die Fahrradmitnahme verboten oder aufgrund von Belegung nicht möglich ist. Auf diesen Umstand weist der ADFC hin.

Tipp 9: Vorsicht bei der Auslastungsprognose.

Auf die Auslastungsanzeige kannst du dich dabei übrigens nur begrenzt verlassen, da es diese zum einen (in aller Regel) nur für den Fernverkehr gibt und diese oft mit Unsicherheiten behaftet sind, weil der Anteil der Fahrgäste, die Fahrkarten ohne Zugbindung gegebenenfalls spontan gekauft haben, schwankt.

Aber du kannst recht gut beurteilen, welche Teilstücke wie stark ausgelastet sind. Zerlege dafür die zu fahrende Strecke auf dem DB Navigator oder in der Web-Ansicht von www.bahn.de in Teilstrecken zwischen den einzelnen Haltestellen. Oftmals ist nämlich tatsächlich nur eine Teilstrecke besonders voll.

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Tipp 10: Kombiniere Nahverkehr und Fernverkehr geschickt.

Ja, die Flatrate ist verführerisch – und dennoch ist es oftmals sinnvoll, einen Teil der Reise im schnelleren Fernverkehrszug zurückzulegen. Und das ist gar nicht mal so teuer – denn es gibt aktuell wieder im Voraus zu buchende Sonderpreise ab 12,90 Euro – wenn du eine Bahncard 25 oder 50 hast, bekommst du weitere 25 Prozent Rabatt. Das Gute daran: Die Fernverkehrszüge sind aktuell oftmals leerer als sonst. Das Schlechte daran: Sie können durch Gleisbelegung durchaus auch veritable Verspätungen haben.

Bedenke dabei aber, dass ein verspäteter Nahverkehrszug, den du über das Neun-Euro-Ticket nutzt, als Extra-Reiseverbindung gilt und du die Bahn daher nicht im Zuge der Verspätungserstattung oder Zugbindung dafür verantwortlich machen kannst, wenn du einen Zug verpasst.

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Sören
Sören

Leider lässt sich ein online spontan gekauftes ICE Ticket aufgrund von Verspätung nicht innerhalb der App über die Fahrgastrechte zurückgeben, da man schlicht nicht den Start- und Zielbahnhof ändern kann. Das lässt sich nur über das analoge Formular machen, für das man dann wiederum seine digitale Fahrkarte zunächst ausdrucken und mit in den Umschlag legen soll.
Am DB Info Schalter wurde mir gar gesagt, dass ich aufgrund von verweigerter Mitnahme wegen überfüllten Zuges überhaupt keine Ansprüche habe und erstmal zu prüfen sei, ob ich denn wirklich keine andere Option als einen ICE hatte. (Mein ICE Ticket habe ich 1,5h, nachdem ich bereits hätte ankommen sollen, gekauft. Das hat den Mitarbeiter auch nicht interessiert).

Ich werd’s versuchen schriftlich zu erstatten, drückt mir die Daumen. Extrem kundenfeindliches Verhalten seitens der DB. Was sind eure Erfahrungen mit ICE Nutzung + Fahrgastrechten?

Antworten
Tobias Weidemann

Das ist in der Tat spannend. Ich habe aktuell keine Fahrkartenkonstellation im System, die das hergibt, habe mich da gerade mal durch ein paar ältere Fahrkarten durchgeklickt. Es sieht tatsächlich so aus als ob man das in dem Fall nur analog regeln kann, da die Verspätung ja dem ICE-Abfahrtsort vorgelagert ist. Wobei die Aussage im Reisezentrum nicht korrekt ist und die Bahn sehr wohl diese Fahrgastrechteerstattung gewähren muss. Das zu erstreiten ist freilich oft zäh. Die Aussage (siehe: https://twitter.com/DB_Bahn/status/1535680698597752835) ist somit eigentlich nur in dem Punkt „einfach“ falsch gewählt. Viel Erfolg…

Antworten
Sören
Sören

Interessanter Thread und danke für die Antwort! Spannend wäre, wie es aussieht, wenn man das 9€ Ticket selbst in der DB App gekauft hat. Vielleicht klappt das dann digital ‍♂️

Patrick
Patrick

Der Punkt mit der Verspätung ist mir bekannt, jedoch erstattet DB nur 20% wegen Verspätung ab 20-59 Minuten, im Umkehrschluss wird das 9€ Ticket als Referenz genommen, also etwas weniger als 2€, da eine Auszahlung aber erst ab 2,50€ stattfindet erhalten die 9€ Ticketbesitzer keine Erstattung, daher Achtung mit dieser erwähnten ICE Passage.

Critchfield
Critchfield

Ich fühle so mit dir.
Als besonders schlimm empfinde ich es, allzuoft der Gesinnung und der Laune des Gegenüber ausgeliefert zu sein.
Wenn einer von denen nach Verstärkung fragt, dann sollte man spätestens nachgeben. Denn andernfalls kann ich mir vorstellen, daß man z.B.in einer Klappsmühle endet.
Man ist in eine kafkaeske Situation geraten und wird vermutlich verlieren.
Jemand hat mal gesagt:
„Wer gegen Dummheit angeht, der kommt darin um“.
Ein Elend. Und das die Ansprüche der Bahn so anders sind, mit all den Regeln und denAusnahmen von den Regeln, das
belegt meine Gedanken, daß es was kafkaeskes hat.

Antworten
Friedrich
Friedrich

Moin.

Unter Punkt 10 wird darauf verwiesen, dass die Nutzung des 9-€-Tickets eine Extranutzung sei.
Wenn ich keine feste Reiseplanung nachweisen kann, wie soll ich dann eine Verspätung nachweisen? Und wenn das nicht geht, dann kann ich auch nicht kostensparend auf den ICE ausweichen.

Antworten

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