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Amazon Marketplace: Wie Amazon dafür sorgt, dass Händler günstige Preise bieten

Amazon-Logo an einem Büro in San Francisco. (Foto: Sundry Photography/Shutterstock)

Amazon will, dass die Marketplace-Kunden günstiger einkaufen können als anderswo. Doch wie das Unternehmen die Strategie gegenüber den Händlern durchsetzt, ist bemerkenswert.

Dass Amazon das Hausrecht für den Amazon Marketplace hat, ist klar. Doch die Art und Weise, wie der Onlinehändler und Marktplatzbetreiber dieses in den USA umsetzt, ist neu. Laut Medienberichten und Beiträgen in Händlerforen werden US-Händler derzeit vermehrt darauf angesprochen, wenn sie ihre Ware an einem anderen Ort als bei Amazon günstiger anbieten. Offenbar werden infolgedessen auch die entsprechenden Angebote schlechter gerankt, was schlechtere Abverkäufe zur Folge hat.

Alternativ können die Händler die Preise bei der Konkurrenz erhöhen, um der Abstrafung durch den Marktplatz zu entgehen. Obwohl nicht in allen Fällen explizit Händler zu diesem Erhöhen der Preise ermahnt werden, agieren viele laut Forenberichten schon im vorauseilenden Gehorsam so, um es sich mit Amazon nicht zu verderben. Obwohl diese Praxis bereits seit 2017 so gehandhabt wird, hat sich die Zahl der Fälle in letzter Zeit erhöht. Dabei wird in einigen Fällen auch der Buy-Now-Button auf der Plattform entfernt. So bleibt das Produkt zwar immer noch über die Plattform erhältlich, die Händler dürften die geringeren Umsatzzahlen aber durchaus spüren.

Amazon erklärt, man investiere erheblich auch im Namen und Interesse der Verkäufer auf der Plattform und wolle für den Endkunden und den Verkäufer gute Erlöse beziehungsweise niedrige Preise sicherstellen. „Verkäufer haben die volle Kontrolle über ihre eigenen Preise sowohl bei Amazon als auch anderswo, und wir helfen ihnen, ihre Verkäufe in unserem Geschäft zu maximieren, indem wir ihnen Einblicke geben, wie sie das vorgestellte Angebot werden können“, heißt es in einem Statement von Amazon.

Amazon nutzt seine Marktmacht im Plattform-Bereich

Doch im Rahmen der Untersuchungen durch die EU-Kommission und die Wettbewerbshüter (respektive das Justizministerium) in den USA wird die Argumentationsweise für den Plattformbetreiber Amazon dadurch nicht einfacher werden. Auch im Zusammenhang mit dem direkten Mitbewerber Ebay könnte Amazon noch Probleme bekommen: Ein Bezirksgericht in Kalifornien wird zu entscheiden haben, ob an den Vorwürfen, Amazon-Manager hätten andere Mitarbeiter dazu gedrängt, Verkäufer von Ebay abzuwerben, etwas dran ist. Neu sind derartige Streitigkeiten nicht: Bereits im vergangenen Jahr hatten wir über einen ähnlichen Prozess berichtet.

t3n meint:

Unterm Strich nutzt Amazon als Plattform, die sowohl in den USA als auch in Deutschland einen Großteil der Plattform-Umsätze des gesamten Onlinehandels kontrolliert, seine Marktmacht aus. Händler sollten sich dessen bewusst sein – und werden dennoch kaum eine Alternative haben, weil Amazon schon unter dem Gesichtspunkt der Sichtbarkeit wichtig ist. Schon deswegen sind die Verkäufe, die ein Händler via Amazon Marketplace (und mit Abstrichen auch bei Ebay) tätigt, eine Grundlage für das Geschäft im eigenen Webshop. Und insofern ist ein Teil der Provisionen, die an die Plattformen zu entrichten sind, auch mit klassischem Marketing-Budget gleichzusetzen.

Tobias Weidemann

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Ein Kommentar
Torsten
Torsten

Tja, so funktioniert eben ein Monopol. Ob sich jemand noch an die Zeiten erinnern kann, wo Amazon eine Tiefpreis-Garantie (andersrum) hatte und Händler damit systematisch (dank treuer Aktionäre) aus dem Markt drängte? Schon damals galt: Ein Schelm, wer Böses…

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