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Kolumne

Arbeitszeit: „Die 28-Stunden-Woche stellt das Leben wieder in den Vordergrund“

(Foto: BLUR LIFE 1975 / Shutterstock)

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Die IG Metall will die Arbeitszeit auf 28 Stunden pro Woche reduzieren. Autorin Isabell Prophet bewertet den Vorstoß positiv – und warnt vor Eile: „Ein harter Schnitt schadet den Arbeitnehmern.“

Wie gehe ich mit meinem launigen Chef um? Wie setze ich Heimarbeit durch? Wäre eine Vier-Tage-Woche wirklich besser für uns? Und geht es mir besser, wenn ich aus der Stadt herausziehe? Mit solchen Fragen befasst sich die Autorin Isabell Prophet. Für t3n beantwortet sie regelmäßig die Fragen der Leser zu Glück und Arbeit.

Frage: Die IG Metall fordert 28 Stunden Arbeitszeit pro Woche. Wäre das besser für uns?

Für Arbeitszeit fragten wir bislang nur danach, wie viel ein Arbeiter aushält. Das ist die genau falsche Richtung. Wir sollten uns endlich fragen, wie viel wir arbeiten wollen, nicht, wie viel wir ertragen können.

In der Woche nur noch 28 Stunden zu arbeiten, würde für viele Menschen sehr viel neue Lebensqualität bedeuten. 28 Stunden lassen sich ganz anders aufteilen, als unsere 36,5 bis 40. Einige Menschen würden nur noch einen halben Tag lang arbeiten. Oder wie wäre es mit dieser Rechnung: Drei mal neun Stunden und 20 Minuten Arbeitszeit würden uns zwei freie Tage pro Woche geben.

Die Auswirkungen würden wir überall im Stadtbild sehen. Es fängt schon morgens an: Wenn nur noch 60 Prozent der Menschen zum Job fahren, sind die Straßen weniger stark befahren und die Busse und Bahnen nicht mehr so voll. Der Weg wird entspannter – und wir schonen sogar die Umwelt.

Kinderbetreuung wäre viel einfacher. Gerade junge Eltern, die beide weiter arbeiten wollen, könnten mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen, ohne dass sie schiefe Blicke befürchten müssen, Karrierenachteile oder Stress. Andere könnten ihren Hobbys nachgehen, ihre Eltern flexibler pflegen, kreativ werden oder ehrenamtlich aktiv.

Schon diese Beispiele zeigen, dass eine kürzere Regelarbeitszeit unser Verständnis von „normal“ verändern wird. Der stete Kampf, Arbeit und Leben in Einklang zu bringen, ist nicht nötig. Wir haben es nur noch nie anders probiert.

Heute empfinden wir es als normal, dass Eltern kämpfen müssen, wenn sie „normal“ arbeiten wollen. Doch sind unsere normalen 40 Stunden Arbeitszeit willkürlich gewählt. Früher einmal arbeiteten Menschen an sechs Tagen in der Woche jeweils zwölf Stunden. Das wurde immer weniger. Doch noch nie hat jemand gefragt: Welche Arbeitszeit ist gut für den Menschen? Die 28-Stunden-Woche stellt das Leben wieder in den Vordergrund. Also dahin, wo es hingehört. Von heute auf morgen dürfen wir die Arbeitszeit aber nicht kürzen. Das würde nicht nur den Unternehmen schaden, sondern auch den Kollegen. In vielen Abteilungen bräche die Hölle aus, wenn die fähigen Leute plötzlich 40 Prozent weniger da sind. Ersatz ist oft schwer zu kriegen. Wer die Arbeitszeit so radikal kürzen will, der sieht Menschen als austauschbare Arbeitsmittel. Und genau das sind sie nicht.

Der Vorstoß der IG Metall ist gut und wichtig und er kommt zu einem guten Zeitpunkt. In diesem Jahr sind wir endlich gedanklich frei genug, um so eine Idee ernst zu nehmen. Im kommenden Jahr sollten wir darüber sprechen, wie wir mit der Regelarbeitszeit künftig umgehen wollen. Eine neue Idee von „normal“ muss dabei das Ziel sein.

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2 Reaktionen
Atalanttore

Mein Ziel ist die 0-Stunden-Arbeitswoche, aber dafür fehlen leider noch einige 100.000 € auf dem Sparkonto für ein (ausreichendes) passives Einkommen.

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Dat Boi

Im Prinzip finde ich die Sache ja gut, aber mit 9.20 h auf 3 Tage zu rechnen ist in meinen Augen Schwachsinnig. Da arbeitet man an 3 Tagen mehr, aber trotzdem nicht produktiver und dann verliere ich im Endeffekt 2 ganze Arbeitstage (Die dann auf der Couch verbracht werden). Alles außer eine 28-Stunden-Aufteilung auf 5 Tage halte ich für am Ziel vorbeigeschossen...

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