Feature

Barcelona: Von der Touristen-Hochburg zum Open-Source-Hub

(Foto: Shutterstock)

Während sich manche öffentliche Verwaltung nur zögerlich an Softwareprogramme mit offenem Quellcode wagt, unterstützt die Regierung Barcelonas seit einigen Jahren aktiv die Entwicklung und Nutzung von Open Source. Ein Einblick in die Projekte und Pläne der spanischen Stadt.

Die meisten Menschen denken bei Barcelona wahrscheinlich an Strand, Gaudí, Touristenmassen oder neuerdings auch Unabhängigkeitsdemonstrationen. Weniger offensichtlich ist, dass sich die Hauptstadt der spanischen Region Kataloniens über die Jahre einen Ruf als Vorreiter im Bereich Smart City aufgebaut hat. Und auch in darüber hinausreichenden Technologiesparten wie Open-Source-Software hat sich Barcelonas Regierung als durchaus experimentierfreudig bewiesen.

So hat die Stadt unter anderem einen Digitalplan entworfen, der 2016 anlief und in dem sich die Touristenhochburg der Verbesserung der digitalen Infrastruktur des öffentlichen Sektors widmet. Transparenz gegenüber den Bürgern spielt in der Agenda eine große Rolle und geht einher mit der Nutzung und Entwicklung von Open-Source-Software. Aufgrund der offen gelegten Quellcodes und der Erlaubnis die Programme zu teilen und zu verändern, sind diese naturgemäß transparenter als sogenannte proprietäre Software, also Produkte wie Microsoft Office, für dessen Nutzung man zahlen muss und deren Quelltext für Außenstehende nicht einsehbar ist. Dabei soll 70 Prozent des für neue Programme eingeplanten Budgets für freie Software ausgegeben werden.

Open Source als Aushängeschild für Transparenz

Im Rahmen der Digital-Agenda betreibt die Stadt zum Beispiel die Plattform Decidim, dessen katalanischer Name „Wir entscheiden“ bedeutet. Auf der Webseite Decidim können die Bürger Barcelonas die Ideen und Vorhaben der Regierung diskutieren oder neue vorschlagen. Das Ziel des Projektes ist es, die Bewohner der Stadt in die Gestaltung derer miteinzubeziehen. Bislang haben dies nach Angaben der Stadtregierung 40.000 von ihnen gemacht. Ganz im Sinne der Transparenz ist der Quellcode auf Github einseh- und benutzbar.

Vertreter aus Politik und Digitalwirtschaft fordern: Software, die staatlich finanziert wird, sollte auch allen gehören und unter eine Open-Source-Lizenz gestellt werden. Im Folgenden die Unterstützer des Appells und ihr Statement.

1 von 21

Alexander Sander von der Organisation Free Software Foundation Europe, die die Nutzung von Free-Open-Source-Programmen unterstützt, sieht Barcelona als Vorbild für andere Städte. Die Stadt schaffe es, „auf den digitalen Wandel auch mit angemessen digitalen Lösungen“ zu reagieren. „Die Agenda der Regierung wird heute zu 70 Prozent aus den Vorschlägen, die über Decidim eingebracht werden, bestimmt“, sagt der Public-Policy-Manager. Er glaubt, Verwaltungen könnten mit der Nutzung von Free-Open-Source-Software auf lange Sicht Geld sparen: Verschiedene Kommunen könnten sich etwa Programme und Kenntnisse teilen, neue Software müsste nicht teuer eingekauft oder komplett neu entwickelt werden. Der Verbund betreibt derzeit die „Public Money? Public Code!“-Kampagne, die sich dafür einsetzt, dass von Steuergeldern bezahlte Software auch der Öffentlichkeit zur Verfügung steht (Anm. d. Red. auch t3n unterstützt die Kampagne). Barcelona war laut Sander auch die erste europäische Großstadt, die diese Aktion unterstützte.

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

Schreib den ersten Kommentar!

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!

Hey du! Schön, dass du hier bist. 😊

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team bestehend aus 65 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Danke für deine Unterstützung.

Digitales High Five,
Stephan Dörner (Chefredakteur t3n.de) & das gesamte t3n-Team

Anleitung zur Deaktivierung