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„Ich fake nichts, das ist Real-Life-Photoshop!“: Wie ein 29-Jähriger in 5 Jahren zum Foto-Star wurde

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„Ich fake nicht, das ist Real-Life-Photoshop!“

Fragt man Jaworskyj nach den für ihn typischen Merkmalen seiner Motive, fallen Wörter wie „kitschig“, „sehr bunt“ und „markante Vordergründe“. Großen Wert lege er dabei etwa auf Steine oder Blumen. Letztere, das gibt Jaworskyj zu, grabe er auch gerne mal aus, nur um sie dann an anderer Stelle für ein stimmigeres Motiv wieder einzubuddeln. Auffällig sind darüber hinaus die künstlich gesättigten Farben und starke Kontraste.

Seine spektakulären Fotos bezeichnet Benjamin Jaworskyj selbst als „kitschig“. Dass er beim ein oder anderen Motiv auch mal mit Details nachhilft, stört ihn nicht. (Foto: © Benjamin Jaworskyj)
Seine spektakulären Fotos bezeichnet Benjamin Jaworskyj selbst als „kitschig“. Dass er bei seinen Motiven auch mal künstlich nachhilft, stört ihn nicht. (Foto: © Benjamin Jaworskyj)

Aber hat das überhaupt noch was mit authentischer Fotografie zu tun? Jaworskyj jedenfalls kontert diese Nachfrage mit einer gewöhnungsbedürftigen, aber allemal kreativen Antwort: „Ich fake ja nichts, das ist einfach Real-Life-Photoshop!“, sagt er und lacht. „Ich schaffe mir die Bilder immer so, wie ich sie haben will.“ Ähnlich wie bei einem klassischen Fotoshooting mit einem Model müsse man eben auch der Natur „manchmal etwas Make-up auftragen“.

Kitsch teilt sich am besten

Was ihm unter Verfechtern der analogen Naturfotografie wenig Applaus einbringen dürfte, zahlt sich für Jaworskyj in einem anderem Bereich umso mehr aus: Social Media. Nimmt man alle relevanten sozialen Netzwerke zusammen, erreicht er täglich über 130.000 Menschen. Derzeit folgen ihm etwa 86.000 bei Facebook, 37.000 auf Instagram, 7.000 über Twitter und noch mal genauso viele auf Flickr. Es verwundert nicht, dass Jaworskyj auch dieses Potenzial maximal ausschöpft, um sich zu vermarkten. Sein Credo: Kontinuität, gute Inhalte und Mehrwert.

36.000 Follower allein auf Instagram. Jaworskyj setzt zur Vermarktung seiner Aufnahmen massiv auf Social Media. (Screenshot: t3n)
36.000 Follower allein auf Instagram. Jaworskyj setzt zur Vermarktung seiner Aufnahmen massiv auf Social Media. (Screenshot: t3n)

So lädt er jeden Tag ein neues Foto aus einem teils bis zu einem Jahr im voraus angelegten Fundus hoch. Die Fotos müssten demzufolge nicht nur gut aussehen, sondern idealerweise auch noch inspirierend sein, erklärt Jaworskyj seine Strategie. Zur automatisierten Planung setzt er unter anderem auf das Sharing-Tool HootSuite. Welche Motive seiner Meinung nach am besten funktionieren? „Kitsch teilt sich am besten“, sagt Jaworskyj. So würden Sonnenauf- und -untergänge besonders oft geliked und geteilt, wohingegen Porträts eher weniger Interaktionen hervorrufen. „Das hängt einfach damit zusammen, dass Hobbyfotografen ein Foto anders bewerten als es ein Bauarbeiter tun würde.“ Deshalb sei es wichtig, seine Follower genau zu kennen und die Inhalte entsprechend zu dosieren.

„Netzwerke wie Mediakraft sind nicht mehr wichtig“

Seine Popularität verdankt Jaworskyj anteilig auch dem YouTube-Netzwerk Mediakraft, das ihn vor zwei Jahren unter Vertrag genommen hat. Gerade am Anfang habe ihm das beim Reichweitenaufbau und dem Management von Urheberrechten geholfen. Inzwischen sieht er solche „Agenturen“ aber kritisch. „Sie sind nicht mehr wirklich wichtig“, sagt Jaworskyj. Heute lasse sich vieles weitgehend autonom über YouTube abwickeln, auch habe es früher noch andere Vermarktungsmöglichkeiten für Netzwerke gegeben, die YouTube mittlerweile abgeschaltet habe.

„Die Arbeit von Netzwerken wie Mediakraft steht in keinem Verhältnis zur Höhe der Umsatzbeteiligung."

Ein Dorn im Auge sind ihm auch die hohen Umsatzbeteiligungen, die Mediakraft von seinen Partnern verlangt. „Ab einer bestimmten Kanalgröße stehen die in keinem Verhältnis mehr zur Arbeit, die Netzwerke für dich erbringen. Das ist auch der Grund warum so viele andere YouTuber bei Mediakraft austreten“, sagt Jaworskyj.

Von Exklusiv-Vermarktungen, mit denen Netzwerke zunehmend um den Nachwuchs werben, hält der inzwischen auf Unabhängigkeit bedachte Berliner ebenso wenig. „Ich rate jedem, der auf YouTube etwas aufbauen will, davon ab.“ Zu mehr will sich Jaworskyj wegen seines noch laufenden Vertrages nicht äußern. Im April aber wolle auch er Mediakraft verlassen.

Außerhalb des YouTube-Universums hat Jaworskyj ebenfalls Tipps für angehende Freiberufler im digitalen Foto-Business auf Lager. Neben einer gesunden Affinität zu Social Media lautet sein wichtigster: Eine gute Kamera alleine reicht nicht aus. „Man muss auf jeden Fall mehr können als nur fotografieren“, so Jaworskyj. „Wer sich zum Beispiel auf Porträt-Fotografie spezialisiert oder Hochzeitsfotos machen will, muss sich auch verkaufen können.“

Einige Fotos aus dem Portfolio von Benjamin Jaworskyj
(Foto: © Benjamin Jaworskyj)

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Dabei gehe es nicht darum, die Qualität der eigenen Fotos anzupreisen, sondern vor allem um das überzeugende Werben mit Faktoren wie Zuverlässigkeit, schneller Nachbearbeitung von Bildern oder ansprechend gestalteten Fotobüchern. „Fotografieren ist nur das Handwerk. Am Ende musst du auch ein gutes Produkt haben, um erfolgreich zu sein.“

Die Internationalisierung im Visier

Das Produkt „Jaworskyj Pictures“ soll sich deshalb auch in Zukunft weiterentwickeln. „Der Zubehörmarkt ist sehr interessant“, sagt Jaworskyj. Zu viel will er noch nicht verraten, dass man aber nicht nur mit eigens entworfenen Polfiltern gutes Geld verdienen kann, erklärt sich von selbst. Denkbar wären da zum Beispiel Stative, Kamerataschen oder Blitzaufsetzer.

„Der englischsprachige Markt ist riesengroß. Es wäre dumm, sich dem zu verschließen.“

Noch konkreter sind seine Pläne für den YouTube-Kanal. Der soll bald auch im Ausland bekannt gemacht werden: „Da sind wir schon am Vorbereiten und Vorproduzieren.“ An Interessenten mangelt es ihm offenbar nicht: Obwohl die Mehrheit seiner Abonnenten aus dem deutschsprachigen Raum kommt, verzeichnet er nach eigenen Angaben schon Zugriffe und Bestellungen aus Frankreich, Holland, Skandinavien und sogar den USA.

Eine Internationalisierung des Video-Angebots durch englischsprachige Inhalte sei da die „logische Konsequenz“, wie Jaworskyj erklärt: „Der Markt ist riesengroß. Es wäre dumm, sich dem zu verschließen.“ Von Konkurrenzangeboten aus den USA und anderen Ländern will sich Jaworskyj bei diesem Vorhaben nicht abschrecken lassen: „Klar gibt es viele andere Kanäle, aber Konkurrenz ist immer relativ. Wenn du gut bist und dir eine Nische suchst, kannst du dich überall als Marke etablieren, auch im Ausland.“ Unter welcher Marke man ihn dort in fünf Jahren kennen soll? Jaworskyj lässt noch mal das Selbstbewusstsein spielen: „Am liebsten als German Guy für Fotografie“, sagt er und rückt lachend seine Baseball-Kappe zurecht.

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3 Reaktionen
Jürgen Schulze

Einfach nur beeindruckend, mit was für einen Scheiß man heutzutage mit Medienaufmerksamkeit belohnt wird.

Antworten
David

*einem.
Hast du es denn schonmal besser gemacht?

Antworten
GerberD

Einfach nur beeindruckend, was er auf die Beine gestellt hat und ich verfolge öfters seine Beiträge auf Youtube.

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