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Bitkom-Studie: Autobranche glaubt nicht an ihre eigenen Visionen

Concept-Cars überall: Doch wer glaubt eigentlich daran, dass diese schon bald auf unseren Straßen unterwegs sind? (Bild: Volkswagen)

Eine repräsentative Umfrage des Bitkom legt nahe, dass die Wenigsten in der Autobranche an ihre eigenen, großzügig formulierten Visionen glauben. Außerdem entwickelt man womöglich am Kunden vorbei.

Nicht alle Studien, die sich mit der Autoindustrie beschäftigen, liefern überraschende Erkenntnisse – eine aktuelle und repräsentative Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom aber sehr wohl. 177 Vorstandsmitglieder und Geschäftsführer von Unternehmen der Automobilindustrie mit 20 oder mehr Mitarbeitern hat man befragen lassen. Das wohl interessanteste Ergebnis: Die Branche glaubt offenbar nicht wirklich an ihre eigenen Visionen.

So antworteten ganze 91 Prozent der Studienteilnehmer auf die Frage, wann denn die Szenarien zur Zukunft der Mobilität in Deutschland Realität werden, mit  „nie“. Fünf Prozent konnten sich mit der Option „in 40 Jahren oder später“ anfreunden, nur zwei Prozent mit „bis in 30 Jahren“.

Automobilbranche glaubt nicht an die großen Visionen. (Grafik: Bitkom)

Automobilbranche glaubt nicht an die großen Visionen. (Grafik: Bitkom)

Ähnlich überraschende Ergebnisse lieferte die Frage nach autonomen Fahrzeugen. Was denn „aus Ihrer Sicht die größten Vorteile selbstfahrender Autos“ seien, lautete sie. Während 79 Prozent der Unternehmen der Autobranche mit „mehr Fahrkomfort“ antworteten, ist dieser offenbar nur 18 Prozent der Bevölkerung wichtig.

Mit 43 Prozent und somit mit einigem Abstand zweitwichtigster Vorteil neuer Fahrzeuge ist für die Branche die „geringe Umweltbelastung“. Diese spielt allerdings für die Bevölkerung (19 Prozent) nur eine untergeordnete Rolle.

Autonome Autos: Hersteller sehen vor allem mehr Komfort. (Grafik: Bitkom)

Autonome Autos: Hersteller sehen vor allem mehr Komfort. (Grafik: Bitkom)

Ist die Marktforschung der Autohersteller also unterentwickelt? Achim Berg, Präsident des Bitkom, haben einige Ergebnisse seiner Forschung auch überrascht. Genauer in diese Richtung nachgefragt habe die Studie aber nicht. „Ich denke, die Deutschen sind eher sicherheitsfokussiert“, sagt er im Gespräch mit t3n auf der IAA-Pressekonferenz.

Digitalisierung als Herausforderung“

Grundsätzlich will die Umfrage herausgefunden haben, dass die Automobilindustrie die Digitalisierung „zunehmend als Herausforderung“ sehe. Aktuell würden zehn Prozent der Automobilzulieferer und -hersteller einräumen, dass sie die Digitalisierung „eher als Risiko für das eigene Unternehmen“ sehen, 88 Prozent sehen sie hingegen als Chance.

Jedes fünfte Unternehmen hat Probleme mit der Digitalisierung. (Grafik: Bitkom)

Jedes fünfte Unternehmen hat Probleme mit der Digitalisierung. (Grafik: Bitkom)

Interessant: Vor zwei Jahren hatten gerade einmal drei Prozent der Unternehmen von einem Risiko gesprochen und volle 97 Prozent von einer Chance. Zugleich habe jedes zweite Unternehmen (50 Prozent) angegeben, bei der Digitalisierung eher zu den Nachzüglern zu gehören, immerhin 43 Prozent würden sich als Vorreiter sehen.

„Auch für die Automobilindustrie wird es künftig heißen: digital first. Gerade für die Automobilnation Nummer eins ist Digitalisierung nicht Kür sondern Pflicht“, sagt Achim Berg. Das könne nicht jedes Unternehmen alleine stemmen, deshalb brauche man noch stärker als bislang den Austausch untereinander – mit anderen Unternehmen der Automobilbranche, mit Digitalunternehmen und mit Startups.

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