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Analyse

Bosch kauft Fahrrad-Startup Cobi: Der neue Mobilitätsriese

(Foto: dpa)

Bosch ist längst mehr als nur ein Zulieferer für Autokonzerne. Die Übernahme des Startups Cobi unterstreicht die Ambitionen des Unternehmens. 

Wichtig ist, was drinsteckt. Dieses Motto galt lange für die Mobilitätssparte von Bosch. Der Konzern liefert den großen Fahrzeugherstellern Sensoren, Elektronik für die Motoren und Assistenzsysteme für ihre Karossen, er hat zum Beispiel das Antriebssystem für den Streetscooter der Deutschen Post entwickelt. Im vergangenen Jahr erzielte Bosch mit solchen Lieferungen einen Umsatz von 44 Milliarden Euro – nur im Auto-Bereich.

Aber die Stuttgarter sind längst mehr als ein reiner Zulieferer im Bereich Mobilität. Das Unternehmen aus Baden-Württemberg sucht in dieser Sparte auch zunehmend den direkten Kontakt zum Verbraucher. Ein Beispiel dafür ist Coup. Unter diesem Namen hat der Konzern seinen Sharingdienst für Elektroroller an den Start gebracht, für den Anfang stellte er 200 Roller in die Hauptstadt. Es sei das erste „reine Endkunden- und Betreibergeschäft“ im Mobilitätssektor, hieß es damals von Seiten Boschs. Mittlerweile hat das Unternehmen das Angebot erweitert, kürzlich expandierte es mit Coup nach Paris.

Bosch übernimmt Fahrrad-Startup Cobi – trotz Konkurrenzsituation

Zu den Angeboten für Verbraucher kommt jetzt ein neues Element: das Frankfurter Startup Cobi. Schon im September kündigte Bosch die Übernahme an. Am 23. November hat das Unternehmen den Deal weitgehend unbemerkt vollzogen. Der Kaufpreis ist nicht bekannt. „Die Kompetenzen, Technologien und Erfahrungen, die Cobi mitbringt, sind eine optimale Ergänzung, um Lösungen für die Mobilität von morgen zu entwickeln“, lässt sich Claus Fleischer, Geschäftsleiter von Bosch E-Bike Systems, mit dem üblichen PR-Geschwurbel in einer Mitteilung zitieren.

Cobi macht aus gewöhnlichen Fahrrädern „Smart Bikes“. Jetzt hat Bosch das Unternehmen offiziell übernommen. (Foto: Cobi)

Cobi hat eine Halterung für Fahrräder gebaut, auf der sich das Smartphone anbringen lässt. Über die App des Unternehmens können Radfahrer dann den Weg per Sprachbefehl nachgucken, das Wetter abfragen oder mit Hilfe von Sensoren die Trittgeschwindigkeit messen. Für Bosch dürfte das eine nette Ergänzung zum eigenen Portfolio darstellen: Mit Bosch E-Bike Systems hat der Konzern einen eigenen Computer namens Nyon entwickelt, der sich ebenfalls an das Fahrrad anschließen lässt und die Fahrt per App vereinfachen soll.

Obwohl die beiden Produkte miteinander konkurrieren, soll Cobi als Unternehmen und als Marke erhalten bleiben. In der Pressemitteilung drücken es die Firmen euphemistisch aus: Man wolle Synergien bündeln. Das gemeinsame Ziel, das das Startup und der Konzern anstreben: das smarte Fahrrad weiterentwickeln, etwa das System Cobi E-Air, mit dem Hersteller ihr Fahrrad vernetzen können. Ganz ohne B2B geht es bei Bosch also nicht.

Bosch: Vom Zulieferer zur Verbrauchermarke

Die Übernahme verdeutlicht trotzdem einen wichtigen Punkt: Bosch gibt sich nicht länger damit zufrieden, nur die Elemente unter der Haube zu liefern. Der Konzern drängt auf den direkten Kontakt mit dem Kunden – übrigens nicht nur bei Zweirädern. Bosch offeriert im Bereich Mobility Solutions auch Apps, die als digitales Fahrtenbuch funktionieren oder die Ladestationen für Elektrofahrzeuge anzeigen. In welche Richtung es gehen könnte, deutete der Coup-CEO Mat Schubert in einem Gespräch mit Capital kürzlich an: Vernetzte Mobilitätsdienstleistungen seien für Bosch „ein attraktives Wachstumsfeld“, sagte er.

Bosch profitiert von der Marke: 82 Prozent der Autokäufer kennen das Unternehmen.

Bei anderen Zulieferern wie ZF Friedrichshafen, die nur in der Branche bekannt sind, wäre so eine Strategie vielleicht riskant. Die Stuttgarter profitieren aber von ihrem Markennamen. 82 Prozent der Autokäufer kennen das Unternehmen, wie eine Umfrage des Marktforschungsunternehmens Puls 2016 zeigte. Damit erreichte Bosch klar den ersten Platz, vor Konkurrenten wie Continental, Thyssen-Krupp oder Schaeffler.

Zwar dürfte die Bekanntheit durch andere Betätigungsfelder der Bosch-Gruppe, etwa in der Küche oder dem Haushalt, erzeugt worden sein. Aber im Alltag zählt erst einmal das Vertrauen in eine Marke – woher der Verbraucher sie kennt, ist da nebensächlich. Wenn Bosch die mobilen Aktivitäten weiter ausbauen will, dürfte das ein Vorteil für das Unternehmen sein.

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