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Kolumne

Büro-Cyborgs: Warum implantierte RFID-Chips langweilig sind

Mikrochips unter die Haut – klein wie eine Kugelschreiber-Mine. (Bild: t3n.de)

Chip-Implantate werden mit dem Versprechen vermarktet, ihre Träger zum Cyborg zu machen. Jenseits netter Spielereien bleibt davon im Alltag nicht viel übrig.

Implantierte RFID-Chips kennt man seit Jahrzehnten aus der Tierarzt-Praxis. Haustiere werden gechipt, um sie später per Lesegerät identifizieren zu können. Seit einiger Zeit implantieren sich auch Menschen solche Chips – zumeist in die Haut zwischen Daumen und Zeigefinger. Auch hier geht es um Identifikation: Die Chips werden benutzt, um Smartphones zu entsperren, Gebäude mit passender Schließanlage zu betreten und an Snackautomaten zu bezahlen.

Der Niederländer Patrick Paumen besitzt gleich mehrere solcher Implantate und hat unter anderem sein Auto so umgebaut, dass er es mit dem Chip in seiner Hand aufschließen und starten kann. In Stockholm existiert rund um die Bodyhacker-Gruppe Bionifyken ein ganzer Coworking-Space mit passender Infrastruktur bis hin zum Kopiergerät und in der schwedischen Reichsbahn können Fahrgäste ihr Ticket auch per Chip-Implantat vorzeigen.

In den USA hat sich rund ein Drittel der Belegschaft des Automatenaufstellers Three Square Market freiwillig chippen lassen, um sich damit einen Kaffee und Softdrinks vom Automaten kredenzen zu lassen. Sogar die Handelskette Mediamarkt-Saturn springt auf den Zug auf und ernennt ihren Geschäftsführer für IT Solutions zum Chief Cyborg Officer (CCYO). Allerdings haben die Chips dort noch nicht den Weg ins Sortiment gefunden, können aber für um die 70 Euro in einschlägigen Onlineshops bestellt werden. Bulkware aus dem Tierarztbedarf gibt es für weniger als zehn Euro das Stück, Spitzenmodelle kosten 250 Euro. Hinzu kommen die Kosten für das Piercingstudio.

Dystopien und Verschwörungstheorien

Natürlich haben solche Chips auch dystopisches Potenzial. Viele Menschen finden die Vorstellung, einen reiskorngroßen Chip aus Glas unter die Haut gesetzt zu bekommen, ausgesprochen gruselig und befürchten, fortan auf Schritt und Tritt überwacht werden zu können. Schließlich ranken sich um implantierte Chips allerlei Verschwörungstheorien. Und Annelie Buntenbach, Bundesvorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes und Datenschutzexpertin, findet solche Implantate problematisch, weil sie dem Persönlichkeitsschutz widersprechen.

Was die dystopische Seite solcher Implantate angeht, kann bis auf weiteres Entwarnung gegeben werden. Die Chips haben keine eigene Energieversorgung und reagieren nur passiv auf entsprechende Lesegeräte. Da sie unter der Haut stecken und ihre Antennen sehr klein sind, ist es auch wesentlich schwieriger, sie aus der Distanz zu tracken, als etwa einen herkömmlichen Personalausweis. Verglichen mit bargeldlosem Bezahlen, der Nutzung eines Webbrowsers und dem Herumtragen eines Smartphones sind die Datenschutzrisiken eines Chip-Implantates völlig vernachlässigbar.

Auch die Implantation ist an sich unkritisch, schließlich handelt es sich im Grunde nur um ein Piercing mit Elektronik. Sich ein Ohrloch stechen zu lassen ist schmerzhafter, als den Chip per Spritze unter die Haut zu befördern. Trotzdem verbietet sich der Einsatz in der Arbeitswelt, schließlich haben alle Menschen ein Recht auf körperliche Unversehrtheit. Eine auf dem Papier freiwillige Zustimmung ist in der Praxis nicht immer ganz so freiwillig.

Nimbus eines Cyborgs

Aber viele Menschen sind begeistert von der Vorstellung, durch so einen Chip ein klein wenig zum Cyborg zu werden. Die Implantate umweht der Nimbus alter Cyberpunk-Visionen und wahr werdender Science Fiction. Die Realität ist allerdings weitaus weniger spektakulär. Der Nutzen solcher Chips ist nach wie vor ausgesprochen begrenzt. Passende Infrastruktur hat weiterhin Seltenheitswert. Zwar gibt Zubehör wie Schließanlagen für die eigene Wohnung, aber wer in einem Mehrfamilienhaus lebt, wird Schwierigkeiten mit der Hausverwaltung bekommen.

Es gelingt auch eher selten, die Admins des Arbeitgebers oder Hoteliers dazu zu bringen, die örtliche Schließanlage auf das Implantat zu programmieren statt auf die ausgehändigte Smartcard. Das Entsperren von Smartphones geht nicht mit allen Modellen und hat sich im Alltag als eher unpraktisch herausgestellt, weil man dafür zwei freie Hände braucht. Und weil die Spitzenmodelle nur bis zu acht Kilobyte an Daten speichern können, taugen sie auch nicht sehr gut als eine Art unter der Haut getragener USB-Stick für besonders wichtige Daten.

Vom Gefühl, durch so ein Implantat zu Cyborg zu werden, bleibt angesichts der schmalen Alltagsanwendungen nicht viel übrig. Es ist eine naive Vorstellung, den Begriff des „kybernetischen Organismus“, für den das Kunstwort Cyborg steht, mit der Implantation von Technik zu verbinden. Jedes Smartphone, das wir alltäglich nutzen, macht uns wesentlich mehr zum kybernetischen Wesen, das in technische und gesellschaftliche Systeme eingebettet ist, als ein simples RFID-Implantat. Anders gesagt: Wir sind alle längst Cyborgs.

Die Chip-Implantate hingegen gehen keinerlei Verbindung mit dem Körper ein. Sie geben kein Feedback, erweitern weder Sinne noch Leistungsfähigkeit und sind auch nicht mit dem Internet verbunden. Der Begriff „Cyborg“ ist in diesem Zusammenhang vor allem ein Marketing-Gag.

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5 Reaktionen
POSTi!...

wunderguten!!!...
...qwatsch!... ... ...reiner populismus & eusserst realitätsfern!... ... ...da würd' ich lieber ein paar bücher über quantenphysik expzd. -mechanik durcharbeiten... ... ...weil... ...das ist wirklich, krassser als wie gott!
...

Antworten
Tobias

Tut mir leid euch wiedersprechen zu müssen. Babys die ab 2018 gebohren wurden kann ein solcher chip implantiert werden auf wunsch der eltern. die daten die dadrauf gespeichert werden sind Name, Geburtsdatum, und Blutgruppe. nun zum wiederspruch und absolut keine verschwörungstheorie : die chips beinhalten ein GPS chip und eine kleine batterie die nach 2 jahren ausgewechselt werden mus. das gps dient dazu die person im falle einer entführung oder straftat mit verfolgung zu orten. Quelle: http://dasperfektehaus.net/allen-neugeborenen-wird-ab-dem-jahr-2018-ein-europaeischer-personal-standardchip-eps-implantiert/

tut mir leid aber informiert euch erstmal besser.
die privatsphäre ist mit sochen miplantaten null und nichtig. und ihr könnt für schritt und tritt verfolgt werden via GPS

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Uff

Du hast offensichtlich keine Ahnung wie GPS funktioniert. GPS nutzt lokal die Signale die von den Satelliten gesendet werden um die eigene Position zu berechnen. Schon dafür wäre eine ordentlich große Batterie notwendig, um das regelmäßig machen zu können(und die soll ja auch 2 Jahre halten). Und selbst dann sind die Positionsdaten erst irgendwo im Chip zwischengespeichert. Diese müssten dann erst irgendwo hin gesendet werden, das würde den Energieverbrauch nochmal deutlich steigern und das einzige was einigermaßen Sinn macht, ist das Handynetz wie auch bei den GPS Systemen von Autos, um das zu einem Satelliten zu senden bräuchte man eine wesentlich größere und stärkere Sendeeinrichtung. Ist also vollkommener Quatsch, niemand implantiert einem Baby ein Taschentuchpackung großes Paket in den Körper.

Eine kurze Recherche zeigt auch, dass dieser Quatsch ausschließlich auf solchen Homöopathie, Impfgegner und Energieseiten geteilt wird. Wird mal Zeit sich aus dieser schädlichen Filterblase zu begeben und nicht auf solche Schwindler zu hören, die an dir mehr Profitieren, als die ach so bösen Systemmedien, Schulmedizin und was es noch alles für Antichristen in deren Augen gibt

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Engelhardt

Die Bibel sagt in der Offenbarung des Johannes, daß, wer diesen Chip annimmt, Gott zum Gegner hat.

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Schmohannes

Hab das mal kurz nachgeschlagen. Konnte keine Passage gegen RIFD Chips finden

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